Kategorie
Autor:innen
Jahr

Pedro Lehmann finden im Wald die Ruhe nach dem Hype

2013 wurden Pedro Lehmann als Indie-Hoffnung durch die Medien gereicht – dann wurde es still um das Duo aus Altstätten. Den Rückzug haben Pedro Lehmann auf ihrem ersten Album Forestal nun zum Konzept gemacht.
Von  Urs-Peter Zwingli , 
Live kann es bei Pedro Lehmann auch mal krachen, auf der Platte ist eher Ruhe angesagt. (Bild: pd)

Mit einem Knall waren Pedro Lehmann ans Tageslicht getreten: 2013 gewann die Band aus Altstätten mit Hurricane den Hauptpreis «Demo of the Year» am m4music – dem wichtigsten Festival der Schweizer Popszene und Musikindustrie. Über 700 Bands hatten sich dafür beworben.

«Ich wäre jetzt lieber zu Hause, im Proberaum», sagte Sänger und Gitarrist Yannick Gächter damals noch kurz vor der Preisverleihung zum «Rheintaler».

Der Song zum Nachhören:

Diese Haltung passt bis heute. Medial angeheizte Aufregung ist nicht Pedro Lehmanns Welt. Nach der Überraschung 2013 surften Gächter und sein Drummer Sven Wüst zwar einige Zeit auf der Welle: Es folgte ein Auftritt am Openair St.Gallen, im Palace durften Pedro Lehmann die Band Okkervil River rund um den genialen Songschreiber Will Sheff supporten.

Hurricane wurde währenddessen fleissig im Radio gespielt, «20 Minuten» schrieb von Pedro Lehmann als «Schweizer Musiker, die auch international den Durchbruch schaffen können».

Stattdessen wurden die Gigs langsam weniger und um Pedro Lehmann wurde es ruhiger.

Aus dem Keller

Nun treten Pedro Lehmann wieder aus dem Keller, in dem sie in Altstätten jeweils proben: In wenigen Tagen erscheint ihr Debütalbum Forestal. 

Warum erst jetzt? «Wir wollten uns vom kurzfristigen Hype nicht stressen lassen. Wichtig ist, dass wir mit der jetzt entstandenen Musik glücklich sind», sagt Yannick Gächter.

Und da Gächter mittlerweile in Zürich lebt, hat das Erarbeiten neuer Songs auch etwas mehr Zeit gebraucht: Er und Wüst tauschten Songschnipsel online aus, zum richtigen Proben treffen sie sich aber nach wie vor in Altstätten. «Da wir unsere Songs auch live zu zweit aufführen, mussten wir sie teilweise fast neu erfinden», sagt Gächter.

Live kommt fast alles weg, was auf dem Album mitklingt, wie etwa Synthies. «Live kracht es schon auch mehr», sagt Gächter und lacht. Davon überzeugen kann man sich etwa dieses Wochenende am Weihern Unplugged, wo Pedro Lehmann am Samstag Headliner ist.

Ein Album als Krisengeschichte

Auf Forestal allerdings ist die Grundstimmung ruhig bis melancholisch mit nur vereinzelten lauten Ausbrüchen. Es ist ein rätselhaftes Konzeptalbum geworden, das die Kunstfigur Pedro Lehmann ins Zentrum stellt. «Die Figur erwecken wir mit unserer Musik zum Leben», sagt Gächter, näher erklären kann oder will er das gar nicht.

 

Sven Wüest (links, drums) und Yannick Gächter (Git/Voc) sind Pedro Lehmann. (Bild: pd)

Sven Wüst (links, drums) und Yannick Gächter (Git/Voc) sind Pedro Lehmann. (Bild: pd)

Nun denn: Pedro Lehmann, die Kunstfigur, hat offenbar eine Lebenskrise. In elf Songs wird seine ungewisse Reise vertont. Enstanden ist sphärischer bis bombastischer Indie-Pop. Die Songs beginnen gerne leise und steigern sich in weltschmerzigen Crescendos zum Schluss. Prägend ist Gächters unglaublich wandelbare Stimme: Beim Hören denkt man mal an Noel Gallagher (etwa im Song Fog), mal an Tom Smith von den Editors (Truth). Dann wieder packt Gächter seine tiefsten, düster gefärbten Töne aus und besingt in Gambler den Tiefpunkt von Pedros Reise. «I’m all alone…», klagt dieser zuerst und schreit er zuletzt voller echt wirkender Verzweiflung – und verschwindet in den Wald.

Auf dem Grat der Melancholie

Forestal ist ein Album, das in vielen guten Momenten unter anderem an die oben erwähnten Herren erinnert. In wenigen schlechten Momenten aber auch an Kitsch-Pop à la Coldplay (Hope). Aber wenn man auf dem Grat der Melancholie wandert, wie Pedro Lehmann es tun, darf man auch mal kippen. Lobenswert ist, dass sich die Band nach solchen Momenten auch fängt und wieder kantig tönt.

Die Single You don’t know my mind ist das zugänglichste Stück auf dem Album. Sie wird zusammen mit einem aufwendig animierten Videoclip veröffentlicht – und könnte fast vergessen machen, was Forestal im Grunde ist: ein düsterer Soundtrack für den Herbst und danach den wie immer ewigen Winter.

 

Pedro Lehmann. Forestal. Lehmann Records.

Live zu sehen am Freitag, 11. Dezember, Palace St.Gallen.

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
DSC9907 HDR WEB