Rapperswiler Antwort auf St.Galler Lakonie
Nach sechs Jahren Arbeit veröffentlichen Hekto Super aus Rapperswil ihr Debüt. Das Album aller Zeiten zwinkert unablässig mit den Augen, ist tanzbar, tief- bis hintersinnig getextet und auf seine Weise unwiderstehlich cool.
Lieber in der Biblio als im Gym: Hekto Super mit Frédéric Zwicker (Gitarre, Gesang), Florian Vogler (Drums), Tobias Vogler (Keys, Synth) und Christoph Bucher (Bass). (Bild: pd)
Hast du schon mal einem Stockentenweibchen so richtig tief in die Augen geschaut? Solche Fragen stellt Frédéric Zwicker, Songschreiber, Sänger und Gitarrist der Rapperswiler Band Hekto Super (ehemals Knuts Koffer), auf deren Debütalbum, das auf den ebenso viel- wie nichtssagenden Namen Das Album aller Zeiten hört. Sechs lange Jahre hat es gedauert. Erste Ideen entstanden während der Pandemie. Herausgekommen ist dabei nicht bloss absurde Entenerotik wie auf dem Opener Ich möchte eine Ente sein, sondern auch viel ernsthafte Gesellschaftskritik und natürlich der eine oder andere Lovesong.
Das Ganze kommt in einem mit viel Spiel- und Sprachwitz vorgetragenen Popkleid mit Rock- und Punkanstrichen daher, dass es eine wahre Freude ist. Lüpfige Beats, coole Gitarrenriffs, kluge bis heitere Texte. Wenn man so will, ist das die fröhliche, aber niemals seichte Rapperswiler Antwort auf die viel zitierte «St.Galler Lakonie», auf die man sich in der Kantonshauptstadt gerne bezieht.
Dabei hat gerade der Song Dümmer als dick soundmässig etwas von den frühen Stahlberger. Und er ist gleichzeitig – und eventuell unbeabsichtigt – der perfekte Soundtrack zur aktuellen kulturpolitischen Debatte im Kanton. Stichworte: Verschiebung des Bibliotheksneubaus, Kürzungen bei den Lotteriefondsgeldern für die Kultur zugunsten des Sports. «Das Gym ist voll, die Bibliothek ist leer», heisst es im Refrain. Am Samstagabend machen die Leute lieber Sport als sich zu bilden, «dabei sind die meisten dümmer als dick». Wohin Hekto Super mit dem schlagermässigen Harmoniewechsel am Schluss des Lieds wollen, bleibt ihr Geheimnis. Aufhören zum Song zu tanzen muss man deswegen aber nicht, und der Text sitzt sowieso.
Gesellschaftskritik am «schneller, lauter, teurer»-Zeitgeist gibts auch im rockigen und sprechgesungenen Generation Omega oder im besonders empfehlenswerten Kleine Männer, wo Typen wie Putin und Trump und andere geistig, physisch oder phallisch kleine Männer ihr Fett wegkriegen. Misandrisches Bodyshaming? Weit gefehlt! Man dürfe auch die «geistig kleinen Frauen» nicht vergessen, erinnert der Sänger sein Publikum im Outro.
Auch wenn die vielfach im Album eingestreuten Farin-Urlaub-Choräle in Kombination mit den Texten ironisch-punkig daherkommen, verzichtet die Band dennoch auf die genretypische Rotzigkeit. Zwicker – der nebst Songs auch Romane und Kolumnen schreibt – singt, wo es nicht grad um romantische Gefühle von Mägen oder Tanzfähigkeiten von Schneeflocken geht, frech, führt lyrisch eine feine Klinge, aber schenkt sich allzu derbe Unflätigkeiten. Die Welt ist schliesslich grobschlächtig genug.
Musikalisch hat sich die Band, die vor ziemlich genau 20 Jahren unter dem Namen Knuts Koffer anfing, weiterentwickelt: Weg von folkig-akustischen, hin zu elektronischeren, poppigen Klängen. Die angezerrten Gitarren stehen im Mix aber weit vorne. Oder wie es das Label nennt: «poetic punk pop». Die Tempi sind meist hoch, die musikalischen Einflüsse vielfältig. Dessen ungeachtet und trotz der langen Entstehungszeit kommt Das Album aller Zeiten als Ganzheit daher. Ein perfekter Einstieg in den heraneilenden Frühling. Am Samstag ist im ZAK in Jona Plattentaufe. Unbedingte Hingehempfehlung!
Hekto Super: Das Album aller Zeiten erscheint am 7. März bei Flimmerplatten digital und in limitierter Auflage auf Vinyl. Plattentaufe: 7. März, 20 Uhr, ZAK, Jona
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.