Hast du schon mal einem Stockentenweibchen so richtig tief in die Augen geschaut? Solche Fragen stellt Frédéric Zwicker, Songschreiber, Sänger und Gitarrist der Rapperswiler Band Hekto Super (ehemals Knuts Koffer), auf deren Debütalbum, das auf den ebenso viel- wie nichtssagenden Namen Das Album aller Zeiten hört. Sechs lange Jahre hat es gedauert. Erste Ideen entstanden während der Pandemie. Herausgekommen ist dabei nicht bloss absurde Entenerotik wie auf dem Opener Ich möchte eine Ente sein, sondern auch viel ernsthafte Gesellschaftskritik und natürlich der eine oder andere Lovesong.
Das Ganze kommt in einem mit viel Spiel- und Sprachwitz vorgetragenen Popkleid mit Rock- und Punkanstrichen daher, dass es eine wahre Freude ist. Lüpfige Beats, coole Gitarrenriffs, kluge bis heitere Texte. Wenn man so will, ist das die fröhliche, aber niemals seichte Rapperswiler Antwort auf die viel zitierte «St.Galler Lakonie», auf die man sich in der Kantonshauptstadt gerne bezieht.
Kleine Männer, grosse Lieder
Dabei hat gerade der Song Dümmer als dick soundmässig etwas von den frühen Stahlberger. Und er ist gleichzeitig – und eventuell unbeabsichtigt – der perfekte Soundtrack zur aktuellen kulturpolitischen Debatte im Kanton. Stichworte: Verschiebung des Bibliotheksneubaus, Kürzungen bei den Lotteriefondsgeldern für die Kultur zugunsten des Sports. «Das Gym ist voll, die Bibliothek ist leer», heisst es im Refrain. Am Samstagabend machen die Leute lieber Sport als sich zu bilden, «dabei sind die meisten dümmer als dick». Wohin Hekto Super mit dem schlagermässigen Harmoniewechsel am Schluss des Lieds wollen, bleibt ihr Geheimnis. Aufhören zum Song zu tanzen muss man deswegen aber nicht, und der Text sitzt sowieso.
Gesellschaftskritik am «schneller, lauter, teurer»-Zeitgeist gibts auch im rockigen und sprechgesungenen Generation Omega oder im besonders empfehlenswerten Kleine Männer, wo Typen wie Putin und Trump und andere geistig, physisch oder phallisch kleine Männer ihr Fett wegkriegen. Misandrisches Bodyshaming? Weit gefehlt! Man dürfe auch die «geistig kleinen Frauen» nicht vergessen, erinnert der Sänger sein Publikum im Outro.
Ein Album zum Bandjubiläum
Auch wenn die vielfach im Album eingestreuten Farin-Urlaub-Choräle in Kombination mit den Texten ironisch-punkig daherkommen, verzichtet die Band dennoch auf die genretypische Rotzigkeit. Zwicker – der nebst Songs auch Romane und Kolumnen schreibt – singt, wo es nicht grad um romantische Gefühle von Mägen oder Tanzfähigkeiten von Schneeflocken geht, frech, führt lyrisch eine feine Klinge, aber schenkt sich allzu derbe Unflätigkeiten. Die Welt ist schliesslich grobschlächtig genug.
Musikalisch hat sich die Band, die vor ziemlich genau 20 Jahren unter dem Namen Knuts Koffer anfing, weiterentwickelt: Weg von folkig-akustischen, hin zu elektronischeren, poppigen Klängen. Die angezerrten Gitarren stehen im Mix aber weit vorne. Oder wie es das Label nennt: «poetic punk pop». Die Tempi sind meist hoch, die musikalischen Einflüsse vielfältig. Dessen ungeachtet und trotz der langen Entstehungszeit kommt Das Album aller Zeiten als Ganzheit daher. Ein perfekter Einstieg in den heraneilenden Frühling. Am Samstag ist im ZAK in Jona Plattentaufe. Unbedingte Hingehempfehlung!
Hekto Super: Das Album aller Zeiten erscheint am 7. März bei Flimmerplatten digital und in limitierter Auflage auf Vinyl. Plattentaufe: 7. März, 20 Uhr, ZAK, Jona