Was für eine Rückrunde!
Der FC St.Gallen vergibt alle Chancen, doch noch die Europa-League-Plätze zu erreichen, weil die Spieler fünf Spiele lang nicht mehr ins Tor treffen. Dabei hätte die Mannschaft immer wieder von unerklärlichen Niederlageserien der Konkurrenz profitieren können. Eigentlich droht nun sogar ein kleines Debakel: Der FCSG könnte in den letzten beiden Runden noch auf den neunten Platz zurückfallen.
Alle Theorien wurden immer wieder über den Haufen geworfen. Kaum hatte man erklärt, dass das Hauptproblem für die Misere die konstant ungefährlichen Vorstösse über die Seiten sind, schiesst der FC St.Gallen gegen den FC Zürich zwei Tore. Beide von Spielern, die auf der Seite positioniert sind. Kein Wunder, ärgern sich übellaunige Linke in der Kommentarspalte darüber, was sie im «Online-Saiten» über den FC St.Gallen lesen müssen.
Jedenfalls:
In der Klubgeschichte des FC St.Gallen sind Einbrüche nach kurzen Höhenflügen der Normalfall.
Aussergewöhnlich ist etwas anderes.
Die Ruhe im Westen.
Sie ist die Folge von klaren Machtverhältnissen im Klub. Das zeigt sich unter anderem in der Kommunikation: Es redet nur Jeff Saibene. Sportchef Heinz Peischl ist so unsichtbar wie Präsident Dölf Früh. Beide sind auch nach Spielen wie gegen Basel nirgends zu sehen. Weder in der Mixed-Zone, noch an der Pressekonferenz. Und wenn Früh eines seiner seltenen Statements von sich gibt – wie letzthin in der «SonntagsZeitung» – dann stärkt er Saibene ultimativ den Rücken.
Vielleicht muss man eine kleine Zeitreise unternehmen, damit klar wird, wie ungewöhnlich die aktuelle Situation für den FC St.Gallen ist. Beispielsweise in die Saison 2007/2008. Damals hiess der Präsident Dieter Fröhlich. Nominell lag die Macht beim Verwaltungsrat, doch das Geld war anderswo. Wenn im VR ein Transfer beschlossen wurde, mussten die Mittel im Umfeld des Klubs zusammengebettelt werden. Wer mitzahlte, blieb geheim. Auch der damalige Sportchef René Weiler wusste nicht, wer alles den Transfer von Jesus Mendez (900’000 Franken) finanziert hatte.
Alle möglichen Personen aus dem Umfeld redeten mit – direkt oder indirekt. In verschiedenen Funktionen war zweitweise der ehemaliger Herisauer Konkursbeamte Hans Frauenknecht dabei, der – vielleicht sogar mit Sachverstand – im Fussballgeschäft mitmischen wollte. Frauenknecht besass die Transferrechte an Ivan Gonzalez, dem «Messi von Paraguay». Immer wieder dabei – näher oder weiter entfernt – war der ehemalige «Transfer-Turbo» Peter Stadelmann, der 2001 mit dem Amoah-Transfer viel Gewinn gemacht hatte. Der Deal war lange das unerreichte Vorbild für alle Investoren rund um den FC St.Gallen.
Geld für Verstärkungen war da – oder auch nicht. Nachdem Mendez alle Hoffnungen auf eine ertragsträchtige Investition enttäuscht hatte, wurde Weiler der Geldhahn zugedreht. Kurz darauf war er auch seinen Job als Sportchef los. Es gab zahlreiche kuriose Momente: Präsident Fröhlich entliess Trainer Fringer nach einem Match gegen Thun, obwohl er das Spiel gar nicht gesehen hatte, weil er gerade in den USA weilte. Im Januar 2008 gab es einen sogenannten «Putschversuch» einer Gruppe um Torsten Petersen und Jesse Fioranelli, die den Klub zu einem anderen Kurs zwingen wollten.
Hilfreich waren auch immer wieder die Sprüche von Grossaktionär Edgar Oehler.
Es gab ein Symbol für die besonderen Verhältnisse innerhalb des FC St.Gallen: Lange war es üblich, dass sich Spieler direkt nach dem Schlusspfiff den Donatorenvereinigungen stellen mussten. Ungeduscht. Auch nach herben Niederlagen mussten sie sich die Kommentare dieser Geldgeber/Experten anhören.
Kein Wunder brach nach dem Abstieg im letzten Spiel im Espenmoos im Mai 2008 alles zusammen.
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