, 1. Juni 2019
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Saiten im Juni: Heraus zum Frauenstreik!

Ein Heft zum Frauenstreik damals und heute. Ausserdem im Juni: Palästina, Tel Aviv-Jaffa, Klanghaus, HSG-Erweiterung, neue Bücher, alte Linke und Neue Rechte.

Bild: Schweizerisches Sozialarchiv

«Väterlicherseits eine Wildhauserin und von der Mutter her aus dem alten Geschlecht der Stauffacher stammend, darf ich mit gutem Recht behaupten, eine echte Schweizerin zu sein. Und dieses Recht nehme ich für mich in Anspruch, um wieder einmal klar und deutlich zu sagen, dass wir Schweizerfrauen das Stimmrecht gar nicht begehren.» Das schreibt F. K.-Sch. in einem Leserinnenbrief, abgedruckt in der «Ostschweiz» am 24. September 1970. Drei Tage später wurde die fakultative Einführung des Frauenstimmrechts auf Gemeindeebene im Kanton St.Gallen mit 52,7 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Im Vorfeld dieser Abstimmung wurde ein überparteiliches «Aktionskomitee gegen die Verpolitisierung der Frau» gegründet, in dessen Vorstand auch ein Sozialdemokrat sass. Die Mehrzahl der Frauen wolle das Frauenstimmrecht gar nicht, meinten die Herrschaften einhellig mit der «Stauffacherin». Weil damit nicht nur das Stimmrecht, sondern auch die Stimmpflicht und der Amtszwang verbunden sei – «also eine glatte Vergewaltigung der Frau».

Zum Glück – und vor allem dank all unseren Vorkämpferinnen – haben sich die Zeiten geändert. Frauen dürfen mittlerweile abstimmen, arbeiten, abtreiben. Mehr noch: Im Geschichtsunterricht wird regelmässig über starke Frauen gesprochen, die Männer übernehmen ihre Hälfte der Care-Arbeit, Sexismus und sexuelle Gewalt gehören der Vergangenheit an, die binären Genderkonstrukte sind eingerissen und die Frauen haben den gleichen Lohn bei gleicher Arbeit. Kleiner Scherz. So weit sind wir leider noch nicht. Darum streiken die Frauen in der Schweiz am 14. Juni. Nach 28 Jahren zum zweiten Mal.

In diesem Heft blicken wir zurück auf den ersten Frauenstreik von 1991, wir sprechen mit vier Frauen aus dem heutigen St.Galler Streikkomitee und mit einer Aktivistin, die geflüchteten Frauen Tanzunterricht gibt. Anna Rosenwasser erklärt, warum auch die Lesben, Bisexuellen und Queers streiken müssen und Veronika Fischer, warum sie lieber in Deutschland Mutter ist als in der Schweiz. Fotografiert hat Tine Edel. Und weil wir Frauen (und natürlich auch die geschätzten Saiten-Männer) es uns gewohnt sind, immer noch ein bisschen Extra-Arbeit zu leisten, gibt es in diesem Heft ein Poster zum Aufhängen, Verschicken oder wild Plakatieren. Die Illustration ist von Arion Gastpar, der Text vom queer-feministischen Kollektiv «Die Leiden der jungen Bertha*».

Dass wir immer noch ein lästiges Stück Arbeit vor uns haben, zeigt unter anderem auch dieser «nette» Ratschlag, gefunden in der Juniausgabe des Magazins «Frau im Leben»: «Lächeln Sie jeden an, der Ihnen entgegenkommt. Einfach so. Sie können sicher sein, dass jeder sich darüber freut.» Grund Nr. 2583, warum derartige Publikationen ruhig an der Medienkrise kaputtgehen können.

Ausserdem im Juni: Palästina, Tel Aviv-Jaffa, Klanghaus, HSG-Erweiterung, neue Bücher, alte Linke und Neue Rechte.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
In eigener Sache: Der Prozess
Redeplatz mit Matthias Fässler und Johannes Rickli
Stimmrecht von Farida Ferecli
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Innensichten: Klubhaus und Lok
Hier und dort I und II

Heraus zum 14. Juni!

Am 14. Juni streiken die Frauen in der Schweiz nach 28 Jahren zum zweiten Mal. Wie und warum, das erklären vier Frauen vom St.Galler Streikkomitee.

Von Corinne Riedener und Tine Edel (Bilder)

Bettina Castaño tanzt mit Frauen in Flüchtlingscamps und mit Mädchen in einem Heim für Opfer sexueller Misshandlungen.
Von Roman Hertler

Der Frauenstreik 1991 in der Ostschweiz: Dokumente aus dem Frauenarchiv und Erinnerungen von damaligen Streikfrauen.
Von Peter Surber

Lohngleichheit jetzt? Schön wärs! Noch immer hinken die Frauenlöhne jenen der Männer hinterher – um fast 20 Prozent.
Von Corinne Riedener

Vom Heiraten bis zum Fetisch: Weshalb auch Lesben, Bisexuelle und Queers streiken sollten am 14. Juni.
Von Anna Rosenwasser

In Deutschland ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gewährleistet als in der Schweiz. Gleichberechtigung sieht trotzdem anders aus.
Von Veronika Fischer

Perspektiven

Wo die Mauer Alltag ist: Flaschenpost aus Palästina.
Von Lika Nüssli

Ohne Glatzen, ohne Skrupel: die Neue Rechte.
Von Corinne Riedener

Campus-Abstimmung: Das HSG-Nein von 1970.
Von Roman Hertler

Klanghaus-Abstimmung: Das Interview mit Christian Zehnder.
Von Peter Surber

Kultur

Das Universum der Germaine Winterberg: eine Ausstellung im Thurgau.
Von Brigitte Elsner-Heller

Eine Institution geht in Pension: Hommage an den Comedia-Mitgründer Pius Frey.
Von Richard Butz

The Poet’s Coat: Englische Gedichte von Gabrielle Alioth in Fred Kurers Übersetzung.
Von Florian Vetsch

Geglückte und vertane Möglichkeiten: Lisa Elsässers Erzählungen Erstaugust.
Von Peter Surber

Tel Aviv-Jaffa: Das Jüdische Museum Hohenems widmet der «Weissen Stadt» am Mittelmeer eine Sonderausstellung.
Von Roman Hertler

Das Autobuch zur Klimakrise: Walter Büchi holt das in Graubünden bis 1925 geltende Autoverbot in unsere Zeit.
Von Daniel Klingenberg

Zerrissene Generation: Kurt Mettler wird nur 25 Jahre alt, doch sein Leben reicht für ein 1000-seitiges Buch.
Von René Hornung

Dialoge im Kunst-Paradies: Thomas Struth zeigt eigene und fremde Werke in Vaduz.
Von Kristin Schmidt

Verminte Seelen: Das Stück am Theater St.Gallen über die Administrative Zwangsversorgung.
Von Peter Surber

Rechtskonservative Kinder und schwule Erpel: Liv Strömquists Comics über Genderverhältnisse.
Von Veronika Fischer

Guggenloch, getanzte Heimaten, verstohlene Orte, Uustanzete im Exrex: der Kulturparcours

Abgesang

Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Comic von Julia Kubik

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