Da hat sich der Stadtrat sauber herausgewunden. Saiten hat vergangenen Herbst in zwei Artikeln den vielfältigen Verflechtungen hier in der Region ansässiger Personen und Firmen mit russischen Rohstoff- und insbesondere Kohlekonzernen nachgespürt. Und dabei einiges, aber noch längst nicht alles entdeckt. Für die Stadt offensichtlich kein Grund, nervös zu werden.
Ja, man habe von 2005 bis 2010 gemeinsam mit der kantonalen Standortförderung russische Staatsangehörige betreut und ihnen «passende Wohnliegenschaften» vermittelt. Seither begleite die städtische Standortförderung aber keine russische Personen und Firmen mehr. Die in die Medien geratene Firma SUEK sei 2020 abgezogen. Und überhaupt: Vor dem Krieg habe es keinen rechtlichen Grund gegeben, der eine Ansiedlung von Firmen oder Privatpersonen aus Russland in Frage gestellt hätte.
Das SECO wirds wohl richten …
Immerhin werde man vom eidgenössischen Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Zusammenhang mit der sogenannten «Ukraine-Verordnung» regelmässig mit Listen international sanktionierter natürlicher und juristischer Personen beliefert. Die zuständigen Behörden, das städtische Steuer- und das Grundbuchamt, würden diese Listen regelmässig mit den eigenen Daten abgleichen.
«Die bisherigen Prüfungen ergaben, dass keine der in der Sanktionsliste des SECO erwähnten Personen und Unternehmungen im Kanton St.Gallen steuerpflichtig sind», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Einfache Anfrage von Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi (SP).
Der Stadtrat räumt aber ein: «Anspruchsvoll ist es im Rahmen des Vollzuzgs, allfällige bewusst verschleierte Verflechtungen zu erkennen. Komplexe internationale Konzernstrukturen mit Sitzen in diversen Ländern, teilweise in sogenannten Offshore-Ländern, erschweren es, die Drahtziehenden solcher Firmen zu erkennen.» Oder anders gesagt: Unschöne Verflechtungen gibt es «allenfalls», aber wir haben keine Lust, genauer hinzuschauen, das soll der Bund machen und uns dann die Liste geben.
Nach der Aussenwirkung solcher Verflechtungen für die Stadt St.Gallen befragt, antwortet der Stadtrat, der Ruf einer Stadt sei erst in Gefahr, wenn die gesetzlich erfüllten Auflagen nicht oder fahrlässig erfüllt würden oder wenn sie moralisch verwerfliche Handlungen vollzieht. Wie steht es aber um moralisch verpflichtende Handlungen, die unterlassen werden? Ist es nicht fahrlässig, nicht einmal zu versuchen, den «allfällig bewusst verschleierten», komplexen Konzernkonstrukten behördlich nachzuspüren?
Gut verschleiert, Geld gerettet
Wie viel Geld versteckt der Kreml auf dem Banken- und Immobilienplatz St.Gallen? Wie viel russische und in der Schweiz gelagerte «Kohle» muss noch in diesen unsäglichen Krieg fliessen, bis irgendeine Staatsebene das Gefühl hat, den Geldhahn endlich ernsthaft abdrehen zu müssen?
Die Medien werden nicht müde, die Aussage des amerikanischen Botschafters in Bern in der NZZ zu rezitieren, dass es nicht genügt, 7 Milliarden Schweizer Franken an russischen Vermögen einzufrieren. Es könnten gut auch 50 bis 100 Milliarden mehr sein.
Wir schlucken doch auch sonst alles, was die USA uns diktieren, wenn es um unseren geheiligten Finanzplatz geht. Aber eben nur, wenn die eigene (Geld-)Existenz bedroht ist, wie der Fall der CS wieder einmal gezeigt hat. Solange der Rubel in unsere Taschen rollt, rührt hier kein Schwein eine Klaue.
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
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Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
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In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
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