Kürzlich wurde der «Startfeld Diamant», der Jungunternehmerpreis der St.Galler Kantonalbank vergeben. 30’000 Franken gingen an ein örtliches Start-Up, das für sein Nahrungsergänzungsmittel «The Caffeine Clock» ausgezeichnet wurde: ein Mittel, das man vor dem Einschlafen einnimmt und das dann zeitverzögert Koffein ausschüttet, um besser aufstehen zu können.
Ich bin ja aufgewachsen mit dem Slogan: «Für ä tüüfä gsundä Schlaaf.» Aber die dachten sich: «Das chömmer ändere!»
Die Jury begründete ihren Entscheid unter anderem damit, dass die Erfindung «insbesondere für die vielen Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter ein wahrer Segen sein könnte».
Was? Das soll die Innovation sein, die unsere Kantonalbank unbedingt mit 30’000 Franken fördern will? Auch im Schlaf Red Bull stürzen zu können? Wer will schon seine innere Uhr durch einen inneren Wecker ersetzen? Gerade für so etwas Undankbares wie Schichtarbeit?
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Mein Vater ist Schichtarbeiter und kommentierte nur mit: «I ha kei Problem mit Ufstoh. I will eifach nöd.»
Warum der Natur hereinpfuschen, wenn einem doch der Körper schon jetzt genau mitteilt, was er braucht? Nämlich keine Schichtarbeit.
Klar, auf den eigenen Körper hören ist nicht immer einfach. Meiner sagt hauptsächlich: なぜ私にこんなことをするの?!
Aber der Kapitalismus lockt. Man verdient an der Behandlung des Symptoms und nicht an der der Ursache. Aber wenn schon Kapitalismus, warum nicht gleich richtig?
Ein Mittel zum Wachbleiben, eines zum Einschlafen und eins, das den Harndrang unterdrückt. Dafür hätte ich auch schon einen Namen: «Piss: Off». (Ironischerweise wäre gerade die Trockenlegung seiner Lagerhausarbeiter:innen Jeff Bezos’ ultimativer feuchter Traum.)
Und weshalb keine Pille für Erektionsstörungen? Also etwas, was die Erektion stört. Denn ohne Fortpflanzungsdrang ist man produktiver. Was man besonders gut an einem mit Anabolika vollgepumptem Bodybuilder beobachten kann. Oder wie es in der Fachsprache heisst:«Än Chemie-Chaschte.»
Auch wenn The Caffeine Clock als Upper gedacht war, ist das Produkt für mich ein richtiger Downer. Man verzeihe mir also die Miesepetrigkeit der Kolumne. Und dazu kam auch noch: Heute früh war der Kaffee alle.
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.