Letzte Woche sah ich in Zürich einen Geländewagen. Mitten in der Innenstadt. Welche kein Gelände hat. Mich irritierte aber nicht dieses auf Hochglanz polierte Manspreading auf Rädern. Sondern das Nummernschild daran. Genauer: die zweistellige Nummer darauf.
Ich verstehe ja die Grundidee von Prestigeobjekten. Es ist unpraktisch, in der Bar mit einem ausgedruckten Bankkontoauszug von Tisch zu Tisch zu wackeln. Und ich gebe zu, gewisse Statussymbole sind in ihrer Nutzlosigkeit trotzdem praktisch: Alle, die damit protzen, für das neueste iPhone Schlange zu stehen, kann ich umgehend aus meinem Freundeskreis streichen.
Aber warum zum Beispiel Silberbesteck?! Damit kann man noch nicht mal Eier essen, da eine chemische Reaktion zwischen Silber und Eiern diese scheusslich schmecken lässt. Mehr zu bezahlen für ein schlechteres Erlebnis, ist doch verrückt! Das wäre wie im Restaurant einen Aufpreis bezahlen für… Koriander.
Oder VIP-Tickets für die Rolling Stones. Ja, damit man sie nicht nur hört, sondern auch… sieht.
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Natürlich ist mir klar, dass Statussymbole auch dazu dienen, die Zugehörigkeit zu einer Subkultur zu kommunizieren. Ein Mercedesstern zum Beispiel. Obwohl dessen Signalwirkung immens davon abhängt, ob der Stern noch Teil des Automobils ist oder schon an einer Kette als Trophäe um den Hals getragen wird.
Für mich ist der Wunsch nach Prestigeobjekten meist schwer nachvollziehbar. Gibt es doch tatsächlich Leute, die geben all ihr Geld für eine Louis Vuitton-Tasche aus. Was dazu führt, dass die Hülle mehr wert ist als der Inhalt.
Womit wir wieder beim Zürcher Geländewagen wären. Mit dem zweistelligen Nummernschild. Das denkbar dümmste Statussymbol überhaupt, sehen doch nur alle auf die Zahl genau, wie sehr du gescheitert bist, die Nummer 1 zu kriegen!
Und mit einem teuren Nummernschild kannst du nicht mal einfach so im Vorübergehen angeben. Nein, man braucht ein Auto dazu. Dazu noch ein kostspieliges, denn niemand hat ein «BE 1» an einem Twingo. Das wäre wie eine Rolex an einer Kardashian.
Ich werde die Faszination von teuren Nummern- schildern wohl nie verstehen. Es ist wahrscheinlich einfach nur das ideale Geschenk für den Mann, der schon alles hat. Ausser gesundem Menschenverstand.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.