Warum schreiben Schriftsteller eigentlich so oft darüber, dass sie keine Ideen haben? Über die Angst vor dem leeren Blatt? Viel spannender wäre es doch zu fragen: Wo kommen Ideen eigentlich her? Und was sind sie?
Nun, bei mir ist es so, dass ich weiss, wann ich Ideen habe. Tatsächlich immer zum gleichen Zeitpunkt. Nämlich… zu spät. Daher klaue ich alle meine Ideen. Und zwar von meinem Hirn. Aber fragt nicht, woher mein Hirn sie hat!
Mark Twain soll gesagt haben: «Wie komme ich auf meine Pointen? Ganz einfach: Zuerst lache ich laut auf. Und dann denke ich rückwärts.» Für mich ist das Schlüsselwort in seiner Aussage «Denken».
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Andererseits geht es anscheinend auch ohne, denn Wilhelm Busch meinte: «Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.» Es gibt sogar Autoren, die ausschliesslich dann schreiben. #Twilight
Beim Ideenfinden ist es natürlich von Vorteil, dass man eine Idee als solche auch zu erkennen vermag. Der Italiener Vilfredo Pareto definierte eine Idee als: «Nichts mehr oder weniger als die Kombination von alten Elementen.»
Und das stimmt heute noch. Als Beispiel ein Zitat: «Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.» – Konfuzius, 36, Zoowärter, frisch arbeitslos.
Eine Idee erkennt man auch daran, dass sie im Nachhinein vollkommen offensichtlich erscheint. Dass der Moment, als es Klick gemacht hat, nicht mehr umkehrbar ist. Mir ging es gestern so, als ich meine Post geholt habe. Es hat Klick gemacht und plötzlich erkannte ich, dass ich einen Türstopper brauche.
Zu Beginn des Ideenfindens ist es elementar, nicht allzu kritisch zu sein. Das Schlimmste, was man jemanden sagen kann, ist: Komm mir nicht auf dumme Ideen. Denn der einzige Weg zu einer grandiosen Idee ist, viele Ideen zu haben. Oder anders gesagt: Der Weg zu guten Ideen ist mit schlechten Ideen gepflastert.
Deswegen lese ich jeden Morgen den «Blick». Nicht dass ich danach gute Ideen hätte. Nein, aber «Blick» lesen hilft, dass man sich für die eigenen schlechten Ideen nicht mehr schämt. Und ohne Scham machen schlechte Ideen sogar extrem viel Spass.
Beispiel: «Suppenrezepte nennt man in Japan auch Ramenbedingungen.»
Schlechte Ideen sind besser als ihr Ruf. Wenn zum Beispiel eine Idee von allen Seiten betrachtet schlecht ist, kann man sie immer noch zu Geld machen. Als Kreiselkunst.
Warum schreiben Schriftsteller eigentlich so oft darüber, dass sie keine Ideen haben? Keine Ahnung. Denn das wahre Problem sind nicht die Ideen. Sondern die Umsetzung. Nicht umsonst heisst es: «Ideas are easy. Execution is hard.» – Jean-Jacques, 45, Henker.
Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht