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Ein Wortspiel: Hangman

Der Henker – ein Beruf, bei dem man sich eine strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben wünscht. Unser Kolumnist Jan Rutishauser hat im Novemberheft von Saiten über diese Profession nachgedacht.
Von  Gastbeitrag

Warum mache ich mir immer zu viele Gedanken bei Dingen, die nicht wichtig sind? Zum Beispiel habe ich gelesen, dass sie in Sri Lanka zum ersten Mal nach 43 Jahren wieder einen Henker suchen.

Richtig gelesen. Einen Henker. Ein Beruf, bei dem man sich eine strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben wünscht.

Das Kuriose daran ist, dass sie den Henker per Zeitungsinserat suchen. Ich frage mich, wenn das schon so förmlich abläuft, gibt es dann auch ein traditionelles Jobinterview?

«Herr Müller, warum wollen Sie diesen Job?»

«Also ich arbeite gerne mit Menschen. Und ich bin sehr gut mit Deadlines!»

«Was ist Ihre grösste Schwäche?»

«Manchmal bin ich ein wenig zu voreilig. Und ich kann niemanden hängen lassen.»

«Wie würden sie ihren Arbeitsstil bezeichnen?» «Durchschnittlich. Und das mit nur einem Hieb.»

«Warum müssen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?»

«Es hat ihn gestört, dass ich proaktiv für neue Kunden gesorgt habe.»

«Aber das ist doch nicht schlecht.»

«Ich war Bestatter. Ist die Stelle Vollzeit oder Teilzeit?»

«Sie arbeiten mit einer Guillotine, deswegen ist es zu hundert Prozent Teil-Zeit.»

Nebenbei: Was hat eine Pointe mit einer Guillotine zu tun? Beides funktioniert nur, wenn die Fallhöhe hoch genug ist. #Galgenhumor #Fallbeilspiel

Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing.

Was ich auch gerne wissen würde: Wird man als Henker auch ständig gefragt «Und…? Kann man davon leben?» Mal im Ernst: Es wäre schon krass, wenn es nur eine 30 Prozent-Stelle wäre und man bräuchte noch einen zweiten Job. Henker by day. DJ Death by night.

Spannend auch die Vorstellung des ersten Arbeitstages. Kriegt man gut gemeinte, aber nutzlose Ratschläge mit auf den Weg? Von der Mutter so: «Verhängs nöd!» Und ist man da echt nervös und spricht sich selber Mut zu? «Jan, du chasch da! Du häsch dihai g’üebt!»

Wahrscheinlich ist aber Henker einer der wenigen Berufe, wo es um Leben und Tod geht, man sich aber trotzdem ohne Stress an die Arbeit macht. Weil, ich meine, was ist so das Worst-Case-Szenario? Er überlebt!

Aber hey, wahrscheinlich mache ich mir eben wieder mal zu viele Gedanken und es gibt gar kein Jobinterview. Vielleicht kommt man ja einfach mal nen Tag lang zum Probearbeiten.

Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.

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