Warum mache ich mir immer zu viele Gedanken bei Dingen, die nicht wichtig sind? Zum Beispiel habe ich gelesen, dass sie in Sri Lanka zum ersten Mal nach 43 Jahren wieder einen Henker suchen.
Richtig gelesen. Einen Henker. Ein Beruf, bei dem man sich eine strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben wünscht.
Das Kuriose daran ist, dass sie den Henker per Zeitungsinserat suchen. Ich frage mich, wenn das schon so förmlich abläuft, gibt es dann auch ein traditionelles Jobinterview?
«Herr Müller, warum wollen Sie diesen Job?»
«Also ich arbeite gerne mit Menschen. Und ich bin sehr gut mit Deadlines!»
«Was ist Ihre grösste Schwäche?»
«Manchmal bin ich ein wenig zu voreilig. Und ich kann niemanden hängen lassen.»
«Wie würden sie ihren Arbeitsstil bezeichnen?» «Durchschnittlich. Und das mit nur einem Hieb.»
«Warum müssen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?»
«Es hat ihn gestört, dass ich proaktiv für neue Kunden gesorgt habe.»
«Aber das ist doch nicht schlecht.»
«Ich war Bestatter. Ist die Stelle Vollzeit oder Teilzeit?»
«Sie arbeiten mit einer Guillotine, deswegen ist es zu hundert Prozent Teil-Zeit.»
Nebenbei: Was hat eine Pointe mit einer Guillotine zu tun? Beides funktioniert nur, wenn die Fallhöhe hoch genug ist. #Galgenhumor #Fallbeilspiel
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Koach für Rechtschreibung und Comedy Writing.
Was ich auch gerne wissen würde: Wird man als Henker auch ständig gefragt «Und…? Kann man davon leben?» Mal im Ernst: Es wäre schon krass, wenn es nur eine 30 Prozent-Stelle wäre und man bräuchte noch einen zweiten Job. Henker by day. DJ Death by night.
Spannend auch die Vorstellung des ersten Arbeitstages. Kriegt man gut gemeinte, aber nutzlose Ratschläge mit auf den Weg? Von der Mutter so: «Verhängs nöd!» Und ist man da echt nervös und spricht sich selber Mut zu? «Jan, du chasch da! Du häsch dihai g’üebt!»
Wahrscheinlich ist aber Henker einer der wenigen Berufe, wo es um Leben und Tod geht, man sich aber trotzdem ohne Stress an die Arbeit macht. Weil, ich meine, was ist so das Worst-Case-Szenario? Er überlebt!
Aber hey, wahrscheinlich mache ich mir eben wieder mal zu viele Gedanken und es gibt gar kein Jobinterview. Vielleicht kommt man ja einfach mal nen Tag lang zum Probearbeiten.
Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.