Ich habe schon eine Ewigkeit nichts mehr von den Miss Schweiz-Wahlen gehört und es heisst ja: Man vermisst es erst, wenn man es nicht mehr hat. Und das ist bei der Miss Schweiz Wahl eben… nicht so.
Ich frage mich viel mehr: Warum gab es das so lange? Denn brauchen wir überhaupt eine physische Manifestation unserer Nation? Und falls ja, müsste die Miss Schweiz nicht auch äusserlich der Schweiz gleichen? Also klein, bergig und in die Breite gezogen.
Jan Rutishauser, 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und Coach für Rechtschreibung und Comedy Writing.
Solche Wahlen sind auch gefährlich. Denn selbst wenn du zur Miss Schweiz gekürt wirst, ein Jahr später wirst du dein Leben lang nur noch als Ex-Miss Schweiz angekündigt. Man wird dich für immer daran erinnern, dass du mal hübsch warst.
«Begrüsst nun auf der Bühne: Die Ex-Miss Schweiz von 1990!» Und alle denken: «Echt? Eine Ex-Miss Schweiz? Das sieht man ihr gar nicht an.» Wer will schon darüber definiert werden, was man nicht mehr ist?
Zum Beispiel bei mir: «Begrüsst nun auf der Bühne die Ex-Jungfrau, Jan Rutishauser!» Und alle denken: «Echt? Eine Ex-Jungfrau? Das sieht man ihm gar nicht an.»
Jetzt denkt ihr vielleicht: «Dä isch doch nume iifersüchtig.» Das stimmt nicht. Wer bei Schönheitswettbewerben mitmachen will, soll mitmachen. Das Dissen der Missen ist nicht meine Mission. Aber ich sträube mich gegen das Konzept, jemanden nur auf Grund der äusseren Erscheinung zu einer «Miss Schweiz» zu küren.
Sollten wir nicht mehr verlangen? Zum Beispiel, dass alle Kandidatinnen live im Fernsehen sowas wie einen Einbürgerungstest bestehen müssen. «Rezitieren sie den Rütli-Schwur! Auf Rätoromanisch. Alle fünf Dialekte.»
Und anstatt sinnloses Schaulaufen auf dem Catwalk sollen sie auf der Strasse Organspendeausweise verteilen. Stellt euch mal vor: Elf Miss Schweiz-Anwärterinnen, die im Bikini auf Männer zugehen und ihnen zuflüstern: «Ich will din Körper… also teilwiis.» Und zack hätten alle Männer im Land Organspendeausweise.
Und so ein Organspendeausweis ist ja eigentlich genau wie die Miss Schweiz-Wahlen, nur viel besser. Denn alle können mitmachen, es zählen wirklich nur die inneren Werte, und mit einem Organspendeausweis habe auch ich die Chance, irgendwann mal in einer Miss Schweiz zu stecken.
PS: Technisch gesehen war diese Pointe nicht unter der Gürtellinie.
Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.
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