, 30. Januar 2020
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Saiten im Februar: Notfall

Ein Heft zur Spitalpolitik. Wer sind die Player, wer sind die Gewinnerinnen und Verlierer, wo sind die Kostentreiber und die Systemfehler? Und was kostet überhaupt ein Blinddarm? Ausserdem: die Abstimmungen vom 9. Februar, der ausbleibende «Kulturwandel» an der St.Galler Uni und eine geballte Ladung Musik, Theater und Literatur.

Die Röntgenaufnahmen im Titelthema sind von Mikael Häggström und der Saiten-Redaktion.

Die Geschichte wird üblicherweise so erzählt: Die Spitäler schreiben tiefrote Zahlen, die Gesundheitskosten explodieren, es braucht harte Ein- schnitte – so aktuell im Kanton St.Gallen, wo fünf von neun Spitälern geschlossen werden sollen.

Oder die Geschichte wird so erzählt: Die Regierung will der Landbevölkerung ihre Spitäler wegnehmen, sie setzt sich über regionale Besonderheiten und Bedürfnisse hinweg. Alternativ nennt die Erzählung auch andere Schuldige: die bösen Krankenkassen, die geldgierigen Ärzte, die uneinsichtigen Spitäler, die milliardenschwere Pharmaindustrie. Ganz leise kann man zwischendurch auch mal Selbstkritik hören – an uns Patientinnen und Patienten und unserer Anspruchshaltung, sobald es um unsere eigenen Wehwehchen geht.

Die Auseinandersetzung um Spital- und Gesundheitskosten treibt Bund, Kantone und Bevölkerung seit Jahren um wie kaum ein anderes gesellschaftliches Thema. Und die Argumentation nimmt immer mehr quasi naturgesetzliche Züge an: Die Kosten steigen, weil Kosten halt steigen.

Kann man die Geschichte auch anders erzählen? Das hat sich Saiten gefragt und platzt mit diesem «Notfall»-Heft in die aktuelle Spitaldiskussion hinein, die praktisch täglich neue Schlagzeilen hervorbringt. Wer sind die Player, wer sind die Gewinnerinnen und Verlierer, wo sind die Kostentreiber und die Systemfehler? Und was kostet überhaupt ein Blinddarm?

Wir fragen den Gesundheitsdirektor, den Klinikchef, die Gesundheitsökonomin, den Arzt. Roman Hertler erklärt, wie die Ökonomie in die Spitallandschaft Einzug gehalten hat. Andreas Kneubühler bilanziert den regional aufgeheizten Konflikt um die St.Galler Spitalplanung, Corinne Riedener schildert eine Nacht in einer auf Schlaganfälle spezialisierten Klinik. Ausserdem: ein Einspruch des langjährigen Branchenbeobachters Urs P. Gasche gegen den laschen Umgang mit ärztlichen «Kunstfehlern».

Ausserdem im Heft: Stimmen zu den Abstimmungen vom 9. Februar, ein Kommentar zum ausbleibenden «Kulturwandel» an der St.Galler Uni und eine geballte Ladung Musik, Theater und Literatur. Auf einen hoffentlich gesunden, purlimunteren Februar!

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Redeplatz mit Thomas Schwager
Stimmrecht von Farida Ferecli
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
HSG-Machtpoker

Notfall

Alle wollen gesund sein, aber alle wollen am Kranksein verdienen. Auf Spitalbesuch in Herisau, St.Gallen und im Thurgau.
Von Peter Surber

Blinddarm und Baserate. Eine Musterrechnung.

Entbettung der Betten. Wie der Neoliberalismus im Gesundheitswesen Einzug hielt.
Von Roman Hertler

Eine Frage des Geldes oder: Jedes Tal ein Spital? Die regionale Diskussion um die Spitäler.
Von Andreas Kneubühler

«Die Prämien explodieren, nicht die Kosten»: Für Ökonomin Anna Sax sind Spitalschliessungen kein Allheilmittel. Das Interview.

Keine bleibenden Schäden. Eine Reportage aus der Stroke Unit, zwischen Grabs und St.Gallen.
Von Corinne Riedener

Eingeliefert – Ausgeliefert. Unzählige Körperverletzungen in Schweizer Spitälern bleiben ohne Entschädigungen.
Von Urs P.Gasche

Bilder: Röntgenaufnahmen von Mikael Häggström und der Saiten-Redaktion

Perspektiven

Repression gegen Uiguren, Tradition im Hochgebirge, Konsumrausch auf Taobao: Flaschenpost aus China, dem Land der Widersprüche.
Von Remo Wild

Über Diskriminierung, Homowitze und worum es bei der Abstimmung vom 9. Februar geht.
Von Etrit Hasler und Corinne Riedener

Kultur

Das Gesetz und die Masken: Das Theater St.Gallen spielt Kafkas Prozess mit Puppen und leibhaftigen Spielern.
Von Peter Surber

Songs für die Aufwertung der Provinz: Das zweite Dachs-Album verdient einige Bergpunkte.
Von Corinne Riedener

Tiefenentspannt in den Norden: Mitte Februar kommt die Polarregion musikalisch nach St.Gallen.
Von Corinne Riedener

400 Jahre gut bei Stimme: Der Oratorienchor St.Gallen feiert Jubiläum mit einem Buch und einer Uraufführung.
Von Peter Surber

Rindviecher gesucht: Der experimentelle No-Budget-Film Dieter Meiers Rinderfarm erkundet ein Argentinien im Aufruhr.
Von Stefan Böker

Der «gmögige Kerli» aus dem Wald: Von Förster und Baumforscher Peter Wohlleben gibt es jetzt auch den Film zum Bestseller.
Von Peter Müller

Gut gefedert: Das Gewerbemuseum Winterthur fächert ein ganzes Universum rund um Federn und Vögel auf.
Von Marlen Saladin

Wer ich einmal war: Der autobiografische Roman Das Mädchen mit dem Pagenschnitt von Beatrice Häfliger.
Von Wolfgang Steiger

Zum Kotzen schön: Bodenseeland von Sebastian Winterberg ist ein reichhaltiges Log- und Lockbuch für die Region rund um den See.
Von Veronika Fischer

Elefanten und Pinguine: Ende Februar startet in der St.Galler Lokremise zum zweiten Mal Jungspund, das Theaterfestival für junges Publikum.
Von Peter Surber

Alte Musik, neuer Jazz, alte Bronzen und politische Lieder im Kulturparcours.

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic von Julia Kubik

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