Die Geschichte wird üblicherweise so erzählt: Die Spitäler schreiben tiefrote Zahlen, die Gesundheitskosten explodieren, es braucht harte Ein- schnitte – so aktuell im Kanton St.Gallen, wo fünf von neun Spitälern geschlossen werden sollen.
Oder die Geschichte wird so erzählt: Die Regierung will der Landbevölkerung ihre Spitäler wegnehmen, sie setzt sich über regionale Besonderheiten und Bedürfnisse hinweg. Alternativ nennt die Erzählung auch andere Schuldige: die bösen Krankenkassen, die geldgierigen Ärzte, die uneinsichtigen Spitäler, die milliardenschwere Pharmaindustrie. Ganz leise kann man zwischendurch auch mal Selbstkritik hören – an uns Patientinnen und Patienten und unserer Anspruchshaltung, sobald es um unsere eigenen Wehwehchen geht.
Die Auseinandersetzung um Spital- und Gesundheitskosten treibt Bund, Kantone und Bevölkerung seit Jahren um wie kaum ein anderes gesellschaftliches Thema. Und die Argumentation nimmt immer mehr quasi naturgesetzliche Züge an: Die Kosten steigen, weil Kosten halt steigen.
Kann man die Geschichte auch anders erzählen? Das hat sich Saiten gefragt und platzt mit diesem «Notfall»-Heft in die aktuelle Spitaldiskussion hinein, die praktisch täglich neue Schlagzeilen hervorbringt. Wer sind die Player, wer sind die Gewinnerinnen und Verlierer, wo sind die Kostentreiber und die Systemfehler? Und was kostet überhaupt ein Blinddarm?
Wir fragen den Gesundheitsdirektor, den Klinikchef, die Gesundheitsökonomin, den Arzt. Roman Hertler erklärt, wie die Ökonomie in die Spitallandschaft Einzug gehalten hat. Andreas Kneubühler bilanziert den regional aufgeheizten Konflikt um die St.Galler Spitalplanung, Corinne Riedener schildert eine Nacht in einer auf Schlaganfälle spezialisierten Klinik. Ausserdem: ein Einspruch des langjährigen Branchenbeobachters Urs P. Gasche gegen den laschen Umgang mit ärztlichen «Kunstfehlern».
Ausserdem im Heft: Stimmen zu den Abstimmungen vom 9. Februar, ein Kommentar zum ausbleibenden «Kulturwandel» an der St.Galler Uni und eine geballte Ladung Musik, Theater und Literatur. Auf einen hoffentlich gesunden, purlimunteren Februar!
Peter Surber
Reaktionen/PositionenRedeplatz mit Thomas SchwagerStimmrecht von Farida FerecliNebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan RutishauserHSG-Machtpoker
Alle wollen gesund sein, aber alle wollen am Kranksein verdienen. Auf Spitalbesuch in Herisau, St.Gallen und im Thurgau.Von Peter Surber
Blinddarm und Baserate. Eine Musterrechnung.
Entbettung der Betten. Wie der Neoliberalismus im Gesundheitswesen Einzug hielt.Von Roman Hertler
Eine Frage des Geldes oder: Jedes Tal ein Spital? Die regionale Diskussion um die Spitäler.Von Andreas Kneubühler
«Die Prämien explodieren, nicht die Kosten»: Für Ökonomin Anna Sax sind Spitalschliessungen kein Allheilmittel. Das Interview.
Keine bleibenden Schäden. Eine Reportage aus der Stroke Unit, zwischen Grabs und St.Gallen.Von Corinne Riedener
Eingeliefert – Ausgeliefert. Unzählige Körperverletzungen in Schweizer Spitälern bleiben ohne Entschädigungen.Von Urs P.Gasche
Bilder: Röntgenaufnahmen von Mikael Häggström und der Saiten-Redaktion
Repression gegen Uiguren, Tradition im Hochgebirge, Konsumrausch auf Taobao: Flaschenpost aus China, dem Land der Widersprüche.Von Remo Wild
Über Diskriminierung, Homowitze und worum es bei der Abstimmung vom 9. Februar geht.Von Etrit Hasler und Corinne Riedener
Das Gesetz und die Masken: Das Theater St.Gallen spielt Kafkas Prozess mit Puppen und leibhaftigen Spielern.Von Peter Surber
Songs für die Aufwertung der Provinz: Das zweite Dachs-Album verdient einige Bergpunkte.Von Corinne Riedener
Tiefenentspannt in den Norden: Mitte Februar kommt die Polarregion musikalisch nach St.Gallen.Von Corinne Riedener
400 Jahre gut bei Stimme: Der Oratorienchor St.Gallen feiert Jubiläum mit einem Buch und einer Uraufführung.Von Peter Surber
Rindviecher gesucht: Der experimentelle No-Budget-Film Dieter Meiers Rinderfarm erkundet ein Argentinien im Aufruhr.Von Stefan Böker
Der «gmögige Kerli» aus dem Wald: Von Förster und Baumforscher Peter Wohlleben gibt es jetzt auch den Film zum Bestseller.Von Peter Müller
Gut gefedert: Das Gewerbemuseum Winterthur fächert ein ganzes Universum rund um Federn und Vögel auf.Von Marlen Saladin
Wer ich einmal war: Der autobiografische Roman Das Mädchen mit dem Pagenschnitt von Beatrice Häfliger.Von Wolfgang Steiger
Zum Kotzen schön: Bodenseeland von Sebastian Winterberg ist ein reichhaltiges Log- und Lockbuch für die Region rund um den See.Von Veronika Fischer
Elefanten und Pinguine: Ende Februar startet in der St.Galler Lokremise zum zweiten Mal Jungspund, das Theaterfestival für junges Publikum.Von Peter Surber
Alte Musik, neuer Jazz, alte Bronzen und politische Lieder im Kulturparcours.
Abgesang
Kellers GeschichtenPfahlbauerComic von Julia Kubik
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.