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Stille Tage in NYC

Nach «Carnet de Fes» (2010) legt der St.Galler Autor Florian Vetsch mit «Im Ledig House – Ein Frühling in New York» ein zweites Tagebuch vor – ein Kaleidoskop aus Jetztzeit und Rückblenden. Der Rest ist Poesie.  von Pablo Haller Vier Wochen in der Künstlerkolonie Omi bei Ghent in Upstate New York auf Einladung der Schweizer […]
Von  Gastbeitrag , 

Nach «Carnet de Fes» (2010) legt der St.Galler Autor Florian Vetsch mit «Im Ledig House – Ein Frühling in New York» ein zweites Tagebuch vor – ein Kaleidoskop aus Jetztzeit und Rückblenden. Der Rest ist Poesie.

 von Pablo Haller

Vier Wochen in der Künstlerkolonie Omi bei Ghent in Upstate New York auf Einladung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. So viel zur Ausgangslage von Florian Vetschs Tagebuch «Im Ledig House – Ein Frühling in New York». Herausgebracht hat es Axel Monte in seinem Verlag Books Ex Oriente, der bereits mit feinen Perlen wie Ira Cohens «Das grosse Reispapier-Abenteuer von Kathmandu» oder «Gesetzbuch und Ganovenehre» von Jack Black erfreute. Letzteres ist mit ein Grund, weshalb Vetsch in New York sitzt. Er, der Ira Cohen, Paul Bowles, Mohammed Mrabet u.a.m. übersetzt hat, überträgt hier Black ins Deutsche.

Vetsch geht im Ledig House aber auch Jeanne Ann Haunschilds englische Übersetzung seiner «Tanger Trance» durch, erarbeitet in der idealen abgeschiedenen Umgebung einen Essay über die Stille und schreibt Kolumnen sowie Rezensionen zu Themen, die von Robert Crumbs «Genesis» bis zu dem abgefahrenen Song «Nothing» von den Fugs reichen. Er liest (und singt) in Hudson. Feiert seinen fünfzigsten Geburtstag. Zieht Fäden zu Themen und Autoren, mit denen er sich beschäftigt. Er besucht Ira Cohen in Manhattan und Ed Sanders in Woodstock, für den er das Gedicht «Ein Nachmittag bei Ed Sanders» schreibt:

Schwarze Turnschuhe, schwarze Jeans
Schwarzes Jacket, weisser Sticker:
Imagine Peace
Ihn sticht der Gift-Efeu nicht.

Das Tagebuch erzählt vom Leben mit den Menschen im «Ledig House», dem Staff der Künstlerkolonie und der zusammengewürfelten Autorenschar, erzählt vom Hudson River, der Natur, der Lyrik, die sich immer wieder zwischen die Prosablöcke schiebt, dem Schreiben, dem Lesen (u.a. von Aphorismen aus Lawrence Ferlinghettis «Poetry As Insurgent Art»).

Vielleicht ein bisschen viel Privates, vielleicht möchte man manchmal mehr Gedanken und weniger Erlebtes lesen, doch die poetischen Stellen sind dicht und federleicht zugleich. Vetsch lässt sich oft verzaubern von dem, was ihn umgibt, und gibt dies vortrefflich an seine Leserschaft weiter. Schön sind die Träume. In einem inspiziert Vetsch die Leiche einer Nixe, zieht ihr das Schuppenkleid vom Leib herunter und findet darunter … Füsse. Mit diesem Traum war Vetsch wohl bestens vorbereitet auf die Übersetzung von Mohammed Mrabets Geschichte «David und die Meerjungfrau», die in Ricco Bilgers «Edition Sacré» in den «Stories aus Tanger» im Frühling 2012 erschienen ist.

Gegen Ende seines Aufenthalts besucht Vetsch nochmals Cohen: «Auf dem Taifor lag ein altes schwarzes Notizbuch mit versilbertem Rücken und versilberten Coverecken aus den 70er Jahren. Es barg Fotos aus Iras Kindheit, Fotos von seinen Eltern, deren Hochzeitseinladung von 1929, Gedichte aus Amsterdam, Kathmandu, den Beginn des Stauffenberg Zyklus, Fotos von Petra Vogt, von Ira in Tanger, Notizen eines Gesprächs mit Ganesh Baba… » Vetsch liebäugelt damit, ein Faksimile zu machen, kopiert dann aber in der knappen Zeit von Hand ein hauchdünnes Blatt, das in ein schwarzes Notizbuch eingelegt ist.

…as only Akbar knows silent
the sibilance of silenced sirens
under the weight of epochal close.

Dann fährt auch schon das Taxi zum JFK-Flughafen und der Tag versinkt «langsam, langsam in der Nacht».

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez