Seit Kurzem besprühen, bemalen und gestalten zehn lokale Künstler:innen die Schaufenster der Spisergasse 12 in St.Gallen und laden die nächsten zwei Wochen dazu ein, den Prozess live mitzuerleben.
Es riecht nach Lack vor dem ehemaligen «St.Galler Haus». Ein junger Typ, Gasmaske im Gesicht, Leiter neben sich, Spraydosen auf der Strasse verteilt, macht sich an die Arbeit und zerstäubt seine Farben, bringt sie flächig an – und das am helllichten Tag, inmitten der St.Galler Altstadt. Vollkommen legal. Was ist hier los?
Collektiv.ch widmet sich der Neugestaltung der derzeit leeren Räumlichkeiten an der Spisergasse 12. So ein Umbau dauert und ist doch recht langweilig für alle Nichtbeteiligten. Also wird diese Möglichkeit dazu genutzt, Kunst im öffentlichen Raum sichtbarer zu machen – in Zusammenarbeit mit der Kunstvermittlungsagentur Somwhere LAB.
Street Art sichtbarer machen
Auf eine Ausschreibung haben sich zehn junge Künstler:innen gemeldet, die sich nun austoben können. Die Motive stehen ihnen frei, genauso wie die Art der Umsetzung. Einzig das Medium Glas gilt es zu bearbeiten.
Künstlerin Masha (rechts) wird beim Aufhängen der Schablone von ihrer Mutter unterstützt.
Dazu greifen die Teilnehmer:innen zu unterschiedlichsten Methoden: Sie illustrieren die Scheiben von aussen und innen, bekleben sie oder sprayen Meter hohe Bilder. Während manche mit ihren Sujets auf die zukünftige Nutzung des Hauses eingehen, in welchem auch eine Kita eingerichtet wird, versucht Talinolou zum Beispiel Passant:innen mit Spiegeln in ihre Kunst zu integrieren und zu Selfies zu motivieren. In Lionel Davids Werk ist eine «Sprengung» des Glases zu sehen.
Es ist ein ungewohntes Treiben, das hier so öffentlich zur Schau gestellt wird, St.Gallen ist sonst nicht gerade von Street Art geprägt. Die schnelle Bewilligung des Projekts könnte mit der schriftlichen Interpellation «Street-Art im städtischen Raum sichtbarer machen» zusammenhängen, die im August 2022 vors Stadtparlament kam.
Ein bisschen Farbe in den grauen Frühling
Lionel David bleibt skeptisch, wurde im parlamentarischen Vorstoss doch auch der explizite Wunsch nach mehr freier Fläche für Kunst geäussert – in Zusammenhang mit vereinfachten Bewilligungsverfahren. Beides wurde in seinen Augen noch nicht hinreichend umgesetzt, trotz Antwort des Stadtrats, bei Street-Art-Bewilligungen den bisher beschrittenen Weg weiterzugehen und sogar auszubauen.
Trotzdem sind er und der Künstler «Drü Egg» sich einig: Es ist vor allem die zentrale Lage des Gebäudes, die es ihnen und Talinolou, LAKO, Masha, Martin Tiziani, Rouven Lemon, Petra Hilber und dem Büro Deuxtêtes möglich macht, Menschen zu erreichen, die sich sonst vermutlich weniger für ihre Kunst interessieren – oder Street Art gar nicht kennen.
Die Passant:innen, die zum Beispiel an Lionel David vorbeispazieren, während er mit seinen Spraydosen hantiert, sind grösstenteils davon begeistert. Sie beobachten live die Entstehung von temporären Kunstwerken. In den nächsten zwei Wochen werden alle Bilder fertiggestellt sein und noch bis Ende Jahr die Stadt um einige Quadratmeter Kreativfläche erweitert haben.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
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