Die Jury (Bild) hat gewählt, die Schweizer Literaturpreisträger stehen fest und gehen auf Lesetour. In St.Gallen treten am selben Abend gleich drei Preisträger auf – an zwei Orten. Konkurrenz in der Buchstadt...
Den 27. Februar müssen sich Literaturfreundinnen und -freunde doppelt merken. Die Uni-Bibliothek lädt zur Lesung mit Urs Widmer und seinem 2013 erschienenen autobiographischen Buch «Reise an den Rand des Universums». Und in der Hauptpost stellen sich zwei der diesjährigen Gewinner des neuen Schweizer Literaturpreises vor: Urs Allemann und Vera Schindler-Wunderlich (Bilder: BAK/Sébastien Agnetti).
Die Konstellation mag für eine Buchstadt, wie sich St.Gallen gern nennt, ehrenvoll sein – für das Publikum läuft sie auf die Qual der Wahl heraus. Das bedauert Richi Küttel, der für die Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur GdSL den Abend in der Hauptpost verantwortet. Der Entscheid sei bei der GdSL schnell gefallen – sie hatte schon länger für den 27. Februar ihre Hauptversammlung geplant, bot den Termin beim Bundesamt für Kultur an, das die Lesetournee der insgesamt acht Literaturpreisträger organisiert – und hatte Erfolg.
Ebenso ging es mit Urs Widmer an der HSG, sagt Gabriela Dornbierer, bei der Bibliothek für die Autorenlesungen mitverantwortlich. Die Anfrage habe man letzten Herbst, noch vor der Literaturpreis-Jurierung, beim Diogenes-Verlag gestartet und rasch die Zusage erhalten. Auch sie bedauert: «Gleichgültig lässt mich dieser Umstand natürlich nicht, dass ausgerechnet bei 364 freien Abenden 3 namhafte Autorinnen und Autoren aus der Schweizer Literaturszene gleichzeitig in St. Gallen auftreten.»
Pikant zum einen: Beide Veranstalter haben die Terminkollision bisher nicht bemerkt. Pikant zum zweiten: Urs Widmer zählt seinerseits zu den Gewinnern des diesjährigen Buchpreises, stand aber für die ausgedehnte Lesetournee der Sieger nicht zur Verfügung – wegen eigenen Leseterminen. Und zum dritten: Noch vor Jahresfrist war die Tournee der damals ersten Preisträgerinnen und Preisträger an der Ostschweiz vorbeigegangen – Eva Bachmann hatte sich in Saiten darüber mokiert, dass das BAK offensichtlich in St.Gallen keine Ansprechpartner gefunden oder gesucht hatte, und gefragt: «Haben wir zuwenig Freunde? Wir sind Buchstadt! Merkt das denn keiner?».
Voila – das Jammern hat geholfen. Fehlt nur noch das, was für eine richtige Buchstadt unverzichtbar wäre: eine funktionierende Terminkoordination. Die gäbe es, und die HSG-Bibliothek hat sie auch benutzt: Seit Oktober war der Widmer-Abend auf dem Portal werliestwo eingetragen. Auch der Verein Buchstadt bemüht sich um Vernetzung auf seiner Homepage – doch beides klappt nur, wenn die Veranstalter ihre Termine auch melden.
Jammern wir also nicht nochmal, freuen wir uns: Am 27. Februar kommt es zum Grand Slam der Literaturpreisträger, zum nicht ganz lupenreinen gemischten Doppel Schindler-Allemann gegen Schwergewicht Widmer. Zum Fernduell Lyrik in der Post gegen Prosa an der Uni. Gute Trainingsmöglichkeit für das Publikum; denn einen Monat später findet das Festival Wortlaut an diversen Schauplätzen statt, mit Dutzenden von literarischen Veranstaltungen, mit den neuen Romanen von Lukas Bärfuss oder Dorothee Elmiger und sonstigen Attraktionen.
Und auch die Region bleibt nicht literaturpreis-los: Allemann und Schindler-Wunderlich touren später nochmal in der Ostschweiz, mit Halt am 9. Mai in der Stuhlfabrik Herisau und am 22. Mai in der Kantonsbibliothek Frauenfeld.
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