Es gibt auch positive Entwicklungen im Kanton St.Gallen: die fünf populistischen Jahre, die dem letzten Spiel im Espenmoos folgten, sind vorbei.
Jetzt, wo Pius Valier nicht mehr Kommandant der Stadtpolizei ist, könnte man natürlich ein letztes Mal an seine Forderung nach der «sichersten und saubersten Stadt im Bodenseeraum» erinnern.
Doch eigentlich wollte man über eine positive Entwicklung berichten.
Nämlich vom Ende eines politisch-juristischen Komplexes, mit dem im Kanton St.Gallen jahrelang über das komplexe Thema Fussballgewalt Karrieren lanciert und der persönliche Ehrgeiz einzelner Figuren befriedigt wurde. Dafür standen drei Namen: Pius Valier, Thomas Hansjakob, Karin Keller-Sutter.
Wobei Valier in dieser repressiven Mechanik das kleinste Rädchen war.
Man kann fast auf den Tag genau sagen, wann die Geschichte anfing. Es war der 20. Mai 2008, der Tag, an dem im Espenmoos das zweite Barragespiel stattfand. Das Bild der in den Schlussminuten aufmarschierenden Polizisten in Kampfmontur prägte sich den Zuschauern wohl für alle Zeiten ein. Die Polizeiführung hatte mit ihrer Taktik die ignorante Haltung eines Klubs, der sportlich, finanziell und moralisch am Boden lag, noch übertrumpfen können. Wie die personifizierte Provokation mussten die Polizisten vor der Fankurve stehen bleiben und abwarten – bis sich die Aggressionen entluden.
Danach folgten über Jahre Gerichtsverfahren. Vor dem Kreisgericht standen nicht unbedingt diejenigen Randalierer, die zur Gruppe der gewalttätigen Anhänger gezählt werden. Dabei waren Fans, die in der aufgeladenen Atmosphäre die Nerven verloren hatten. Die Prozesse folgten immer dem gleichen Schema: Die Anklage, vertreten vom SVP-Mitglied Simon Burger, fuhr ein harte Linie. Die Strafanträge waren mehr oder weniger identisch, die Urteile ebenso.
Es folgte der Umzug in die AFG-Arena, begleitet von übertriebenen Polizeieinsätzen. Es folgten die zahlreichen Interviews von Karin Keller-Sutter über Fussballgewalt in der Sonntagspresse, mit denen sie den Ruf des Kantons St.Gallen, besonders repressiv zu sein, prägte – und ihre Karriere vorantrieb. Der Lohn: Bundesrats-Kandidatur, Wahlen in den Ständerat, in den Verwaltungsrat der NZZ, in den Vorstand von Economie-Suisse. In ihrem Windschatten konnte sich der Erste Staatsanwalt Thomas Hansjakob im politischen Schaufenster als Hardliner in Sachen Fussballgewalt profilieren. Immer wieder suchte er die Öffentlichkeit mit alarmistischen Medienmitteilungen, die den Eindruck erwecken konnten, die jugendlichen Fussballfans bedrohten ernsthaft die Zivilgesellschaft. Und Pius Valier? Er galt als Experte für Hooliganismus und schaffte es an prominent besetzte Podien sowie an diverse runde Tische. Sein Versuch, für die FDP in den Kantonsrat gewählt zu werden, war hingegen erfolglos.
Seit einigen Monaten ist vieles anders. Das Klima hat sich verändert. Die Scharfmacher-Töne sind verschwunden. Entscheidend waren wohl letztlich die Regierungswahlen. Es ist offensichtlich ein Unterschied, ob Karin Keller-Sutter das Sicherheitsdepartement leitet. Oder Fredi Fässler.
Seit dem Amtsantritt von Fässler fehlt den Trittbrettfahrern beim Thema Fussballgewalt der politische Rückenwind. Das gilt auch für den Ersten Staatsanwalt. Er hat zudem seine Plattform verloren: Für Medienmitteilungen der Staatsanwaltschaft ist seit einiger Zeit eine Presseverantwortliche zuständig. Valiers Nachfolger gilt als sachlicher Fachmann, von ihm ist nicht bekannt, dass er politische Ambitionen hegt.
Doch die fünf populistischen Jahre seit dem Barrage-Spiel haben Spuren hinterlassen. Sie zeigen sich beispielsweise beim Entscheid für den Beitritt zum Hooligan-Konkordat. Während es in Bern und Zürich zu Abstimmungen kommen wird und diverse Kantonsparlamente bei dieser Frage zumindest gespalten waren, lautete das Resultat im St.Galler Kantonsrat 96 : 16.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
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