Das Cabi hatte zur Lesung geladen, der Anlass hätte kaum tagesaktueller sein können, und die Befunde stimmten bedenklich: Der Autor und Journalist Andreas Speit (TaZ) aus Hamburg stellte sein Buch «Europas radikale Rechte – Bewegungen und Parteien auf Strassen und in Parlamenten» vor, das er vergangenes Jahr zusammen mit dem Soziologen Martin Langebach publiziert hat.
Ein Jahr lang sind Speit und Langebach auf den Spuren der radikalen Rechten quer durch Europa gereist. Dabei begegneten sie paramilitärischen Schlägertrupps in Athen, faschistischen Hausbesetzern in Rom genauso wie «demokratischen» Parteien mit Ambitionen auf Sitze im Europaparlament. Ihr Fazit ist für sämtliche untersuchten Regionen und politischen Strömungen primär das gleiche: Die Rechte hat sich ihr martialisches, aggressives und offen rassistisches Erscheinungsbild abgelegt. Sie kommt moderat und liberal daher, engagiert sich in Dorfvereinen, hilft Bedürftigen bei alltäglichen Fragen. Kurz: Sie gibt sich volksnah.
Geeint wird sie durch ein gemeinsames Feindbild: Europa und seine multikulturelle Gesellschaft. Für die Verteidigung der «abendländischen Werte und Identität» werden auch alte Feindschaften über den Haufen geworfen und neue Bündnisse geschlossen: So macht Marine Le Pens rechtsextremer Front National (im Bild eine Demonstration des FN in Paris 2013) neuerdings gemeinsame Sache mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders.
Schlechte Aussichten für EU-Wahl
Das Buch ist aber auch ein Beitrag zur aktuellen Europa-Debatte. Diese werde viel zu oft den Polemiken rechtsbürgerlichen Kräfte überlassen, die aus dem Defizit der EU politisches Kapital zu schlagen versuchen, dass diese zwar ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum, aber keine soziale Union als integratives europäisches Projekt ist. Sie sind damit äusserst erfolgreich: Ende Mai wird in den Mitgliedsstaaten der EU das Europaparlament gewählt. Gemäss Umfrageergebnissen und Experten können sich radikale rechte Kräfte beste Chancen ausrechnen. Der Front National um Marine Le Pen, der sich klar gegen die EU ausspricht, könnte gar zur stärksten französischen Kraft im EU-Parlament werden.
Das Buch zeigt auch auf, dass Wirtschaftskrisen und soziale Spannungen als Ausdruck «nervöser Gesellschaften» ein ganz bedeutender Nährboden für das Aufkommen rechter Bewegungen und Parteien sein können. Zahlreiche Beispiele, u.a. die Schweiz oder Holland, illustrieren aber auch die gegenläufige Tendenz: Auch in Ländern, denen es wirtschaftlich gut geht, gewinnen rechte Kreise aus der Angst vor dem Verlust von Wohlstand an Einfluss.
Schweizer Symptome
Wer also das Gefühl hat, das gehe die Schweiz so gar nichts an, wurde an dem Abend rasch eines Besseren belehrt. Die Autoren berichten in einem ihrer Kapitel ausführlich u.a. über die Lega dei Ticinesi, die Rütli-Feier, die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), die Hammerskins und die SVP. Letztere hatte nach ihrer gewonnenen Abstimmung am 9. Februar Beifall von zahlreichen europäischen rechtsradikalen und -populistischen Lagern geerntet. Und auch hier gibt man sich volksnah und ist damit in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Die Autoren werfen mit ihren Reportagen und Analysen die zentrale Frage auf: Wie viel «rechts» verträgt Europa noch?
Am Samstag 1. März 2014 findet um 14.30 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern eine Demo statt: für eine offene und solidarische Schweiz. Das ist zumindest ein Anfang und eine mögliche Antwort auf diese Frage.
Langebach/Speit: Europas radikale Rechte, Orell Füssli Verlag Zürich 2013, Fr. 29.90
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
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Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
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Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
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Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
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In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
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