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Zum Oberen Graben und von dort weiterreisen

Sven Bösiger zeigt in der ehemaligen Textilwerkstatt am Oberen Graben 42 unter dem Titel Paralanamao fotografische Überlagerungen und Sound-Aufnahmen – von Thun bis Varanasi. Nina Keel war dort.
Von  Gastbeitrag , 
Ein Teil von Paralanamao (Bilder: Nina Keel)

Bei der Betrachtung einer Fotografie geschieht es mitunter, dass weniger das unmittelbar auf ihr Abgebildete unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, als sie uns an eine anderweitig erlebte Situation erinnert. Sven Bösigers Aufnahmen im kürzlich leer gewordenen Ladenlokal am Oberen Graben 42 scheinen geradezu darauf angelegt zu sein: Im ersten Raum seiner rund zwei Wochen dauernden Ausstellung zeigt der Ostschweizer Künstler sieben überblendete Fotografien.

Es handelt sich je um eine Aufnahme aus New York, die er mit einem Schweizer Ort kombinierte. So kommt zum Beispiel der Thuner Bahnhof mitten im Hudson River zu liegen oder der Bad Ragazer Kleinflughafen wird in New Yorks JFK-Airport platziert. Dabei beliess Bösiger die NY-Bilder in ihrer ursprünglichen Farbigkeit und überlagerte sie mit unterschiedlich eingefärbten Schweizer Aufnahmen.

Orte über Orten

Entstanden sind die Fotografien – sowohl jene aus New York als auch diejenigen aus der Schweiz – im Jahr 2014: Für eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Arbon reiste er an verschiedene Ortschaften in der Schweiz und machte von diesen Schwarz-Weiss-Fotografien. Danach war er eine Zeit lang in New York, wo er farbig fotografierte. Vergangenen Winter hat er begonnen, die Aufnahmen von hier und aus Übersee zu überlagern und bediente sich damit einer Strategie, die in seinen Werken immer wieder auftaucht.

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Bösiger möchte mit den sieben Foto-Arbeiten in seiner jetzigen Ausstellung dem Zustand des Zwischen-Orten-Seins Ausdruck geben: Er beschreibt in Bezug auf die insgesamt mehr als siebenteilige New York/Schweiz-Serie, wie er zuweilen physisch an einem Ort sei, doch dieser ihn anrege, über eine andere Gegend nachzudenken.

Ortsgeräusche

Bösiger befasst sich aber nicht nur fotografisch mit Orten, die er bereist, sondern interessiert sich auch für deren je spezifische Geräusche, die ebenso wichtiger Bestandteil seiner aktuellen Ausstellung sind. Ein Überbleibsel aus der Textilwerkstatt – ein robuster Kleiderständer, von dem Teile auch als Festhaltevorrichtung in einem öffentlichen Bus anzutreffen sein könnten – hat ihn auf die Idee gebracht, Geräusche, die er vor längerer Zeit in Postautos, einem Tram in Porto oder einem isländischen Taxi aufgenommen hat, auf Kopfhörern abzuspielen.

Auch hier, lauschend neben dem Kleiderständer stehend, wird die Betrachterin von einer Reihe von Assoziationen heimgesucht, wobei der ursprüngliche Aufnahmeort an Wichtigkeit verliert und ein Ort der eigenen, mitunter fiktiven Vorstellung wachgerufen wird – Bösiger nennt ihn für sich Paralanamao.

Space is the (final) place

Akustisch dominiert wird das Ladenlokal durch den zweiten, abgedunkelten Ausstellungsraum, was wiederum die Assoziationen bei der Betrachtung der fotografischen Überblendungen beeinflusst. Die Schau mündet im zweiten Raum in ein klanglich-visuelles Abheben oder Verreisen in gänzlich unbekannte Sphären – eine Fahrt in den Space, wie Bösiger erklärt.

Empfohlen ist die Fahrt und auch die übrige Ausstellung allen, die auf der Suche sind nach einer gedanklichen Kurzreise, einer in sich schlüssigen Ausstellung, die in gerade einmal zwei Wochen aufgegleist wurde, oder nach einem Ort, um sich mit dem Reisen an sich zu beschäftigen.

Die Ausstellung am Oberen Graben 42 dauert bis zum 30. Juli und ist samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights