«Das Fremde ist nur in der Fremde fremd» – Sicher? Dort? Oder hier? Komplex die im Buchtitel aufgeworfenen Überlegungen, komplex auch das dahinter stehende Vorhaben: Das auf aussereuropäische Kulturen spezialisierte Museum Rietberg öffnete diesen Sommer seine Ausstellungsräume, den Park und das Schaudepot und lud rund zwanzig Schweizer Künstlerinnen und Künstler dazu ein, auf die Sammlung mit Werken aus Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien zu reagieren. Die von Damian Christinger kuratierte Ausstellung «Gastspiel im Rietberg» ist noch bis zum 9. November zu sehen.
Shirana Shabazi, Ohne Titel, 2003-2014
Das Bedeutungsnetz weiterspinnen
Die Künstler und Künstlerinnen (Yves Netzhammer, Wiedemann/Mettler, Stefan Burger, Shirana Shahbazi, San Keller, pulp.noir, Porte Rouge, Peter Weber, Peter Regli, Olaf Breuning, Nives Widauer, Naomi Leshem, Mai-Thu Perret mit Ligia Dias, Lutz & Guggisberg, Lukas Bärfuss, Jso Maeder, Fischli/Weiss, David Renggli, Caro Niederer, Fabian Marti) reflektierten mit Installationen, Performances und Texten das geografische und zeitliche, das doppelte Fremde.
Das Bedeutungsnetz aus Eingriffen und Reflexionen weitergesponnen hat das Internetmagazin «Zollfreilager» der Plattform Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), welches in journalistischen und künstlerisch-experimentellen Formaten den Blick nicht nur auf die Fremde, sondern auch auf das Eigene und die Phänomene rund um Kultur, Kunst und Migration wirft.
Vor Kurzem ist nun in der Edition Patrick Frey das Buch zur Ausstellung erschienen: «Das Fremde ist nur in der Fremde fremd». Darin wird der mit der Ausstellung begonnene Dialog weitergeführt, unter anderem dokumentiert das Künstlerbuch fotografisch die Werke der beteiligten Kunstschaffenden, auf alle Projekte nehmen Texte von Kuratorinnen und Kuratoren für zeitgenössische Kunst und des Museums Rietberg Bezug.
Yves Netzhammer, Filmstills aus «Die Gegenwart sucht ihren Mund in der Spielgelung der Suppe», 2014
Einer Zwiebel gleich
Die von Mitherausgeber und Kurator Damian Christinger aufgeworfenen Fragen sind von grosser Relevanz für Institutionen wie das Museum Rietberg: «Wie gehen wir mit dem musealen Objektkult um? Was bedeutet es, religiöse Kunst in einem weltlichen Museum auszustellen? Verstehen wir die Kriterien mit denen Menschen vor 2000 Jahren auf der anderen Seite der Welt Kunstwerke schufen? Können wir einen Zugang zu den im Museum Rietberg bewahrten Werken jenseits der exotischen Ästhetik finden?»
Das bloss mit einem schwarzen Zwirn geheftete Buch wurde von Krispin Hée und Samuel Bänziger – der auch das Saiten-Magazin gestaltet – konzipiert. «Das Buch baut sich einer Zwiebel gleich auf: Von der Mitte aus werden die Beiträge bis an die Ränder gespiegelt. Zeitgenössische Schreiberlinge (linksbündig) treffen auf diejenigen des Museums Rietberg (rechtsbündig), so dass sie sich in der Mitte treffen und verzahnen», erklärt Bänziger die Form der Publikation. Patrick Frey habe nicht einfach einen Ausstellungskatalog machen wollen, sondern ein eigentliches Künstlerbuch.
Masken, Tiere und Diener
Das ist gelungen: Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler leisteten einen eigenen Beitrag speziell für das Buch, der jeweils vom Rand her als Insert beigefügt wurde. Fragil und schwergewichtig gleichermassen ist es eine Wucht an Bildern und Texten, darunter als eigentliches Kernstück die Beiträge von Lukas Bärfuss (Masken) und Peter Weber (Dachreiter, Tiere und Diener), literarische Ergänzungen zum Diskurs.
Komplex also die Verschachtelung historischer Kunstwerke von ausserhalb Europas, zeitgenössische mit der Schweiz verbundene – was auch immer das genau heissen mag –Künstlerinnen und Künstler, Bilder ihrer Werke und Texte, die sich einerseits auf diese Kunstwerke beziehen und/oder auf das Museum an sich. Es ist ein Herumkreisen in Fragmenten, der Inhalt so fragil wie die Technik der Fadenknotenheftung, man wundert sich fast, dass es hält, haptisch und gedanklich.
«Gastspiel – Schweizer Gegenwartskunst im Museum Rietberg»: bis 9. November 2014, Infos: gastpiel.rietberg.ch «Das Fremde ist nur in der Fremde fremd»: Herausgegeben von Damian Christinger/Museum Rietberg/Edition Patrick Frey, 136 Seiten, Fr. 48.-
Bilder: «Das Fremde ist nur in der Fremde fremd», Edition Patrick Frey, 2014. Titelbild: Porte Rouge, Zeichnerische Partitur für die Aufführung und Ausstellung im Museum Rietberg.
Pipilotti Rist, 2014
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St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
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«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
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Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
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An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
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