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Freikirche ICF übernimmt Ex-Strip-Club

Der Nachtclub Chinchilla im Linsebühl war über Jahrzehnte ein legendärer Strip-Club. Nun zieht die evangelikale Freikirche ICF in das Lokal ein.
Von  Urs-Peter Zwingli

Im Golden Club an der Linsebühlstrasse riecht es noch immer nach 30 Jahren Rauch, Bierdunst und Schweiss. Die geschwungene Bühne und ein Teil der langen Bar sind aber bereits abmontiert und im Keller eingelagert. Die Tage des Strip-Clubs sind bis auf weiteres gezählt: Nach den Sommerferien eröffnet die Freikirche International Christian Fellowship (ICF) St.Gallen hier ihren Kinderhort.

Damit verankert sich ICF weiter im Quartier. Seit gut sechs Jahren mietet die Freikirche das ehemalige Kino Tiffany, gleich unterhalb des Golden Clubs an der Lämmlisbrunnenstrasse gelegen.

«Wir sind im Aufwind»

Im Tiffany treffen sich jeden Sonntag nach ICF-Angaben rund 200 Kirchgänger aus St.Gallen und Umgebung zu Gottesdiensten. ICF zählt zu den Freikirchen, die die Bibel wörtlich auslegen. Verpackt werden die konservativen Bibelbotschaften in Gottesdienste (genannt Celebrations), die meist von Livemusik begleitet werden.

Die hiesige Freikirche ist laut Urs Müller, Leiter Management und Finanzen bei ICF St.Gallen, im Aufwind. «Unsere Besucherzahlen steigen stetig an. Auch das ist ein Grund, warum wir uns schon länger nach weiteren Räumen in der Nähe umgesehen haben», sagt Müller.

Im Mai wurde schliesslich der Mietvertrag unterschrieben, nachdem der Golden Club schon rund ein Jahr leer gestanden war. Einen Mieter, der das Lokal wieder als Strip-Club betreiben wollte, hatte die St.Galler Immobilienfirma Brüschweiler offenbar nicht mehr finden können.

Mysteriöser Abgang aus dem Club

Damit wird ein weiteres Lokal Geschichte, das den Ruf des Linsebühl als Rotlicht-Quartier mitbegründet hatte: Goldene Zeiten erlebte der Club unter dem Namen Chinchilla in den 1980er-Jahren. Weil sich das Linsebühl seit den 1990er-Jahren immer mehr zum Wohnquartier wandelte und das Rotlichtmillieu in die Aussenquartiere und die Agglo abwanderte, machte das Chinchilla schliesslich 2004 dicht.

Laut einem «Tagblatt»-Artikel von 2005 machte sich Chinchilla-Betreiber Louis Pfenniger (ein ehemaliger Rennradprofi) über Nacht aus dem Staub –  nicht ohne zuvor sämtliches Mobiliar aus den Räumen zu reissen und mitzunehmen. Brüschweiler Immobilien soll danach den Club auf eigene Kosten wieder ausgebaut haben. Im Golden Club, der 2006 auf das Chinchilla folgte, läuft nun seit mindestens einem Jahr nichts mehr.

Umbau mit Spenden finanziert

Jetzt also folgt das ICF: In Fronarbeit bauen die Kirchgänger derzeit die Räume um. Die Bar wird zur Kaffeebar, es gibt eine Spielecke. Bis zu 30 Kinder sollen hier Platz finden. Angedacht ist ein Kinderhort, der aber nur am Sonntagmorgen geöffnet sein wird. Dann nämlich läuft im Tiffany die erste von zwei Celebrations: An dieser wird unverstärkte, christliche Musik gespielt. Es treffen sich eher Erwachsene und Familien, für die der Kinderhort gedacht ist. «Eine Kinderkrippe mit Tagesbetreuung ist aber im Moment kein Thema», sagt ICF-Vertreter Müller.

Miete und Umbau des Lokals werden wie alles beim ICF durch Spenden der Kirchgänger finanziert. Aus aktuellem Anlass habe man für den Kinderhort zudem extra einen Spendenaufruf gemacht, sagt Müller.

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