Im Golden Club an der Linsebühlstrasse riecht es noch immer nach 30 Jahren Rauch, Bierdunst und Schweiss. Die geschwungene Bühne und ein Teil der langen Bar sind aber bereits abmontiert und im Keller eingelagert. Die Tage des Strip-Clubs sind bis auf weiteres gezählt: Nach den Sommerferien eröffnet die Freikirche International Christian Fellowship (ICF) St.Gallen hier ihren Kinderhort.
Damit verankert sich ICF weiter im Quartier. Seit gut sechs Jahren mietet die Freikirche das ehemalige Kino Tiffany, gleich unterhalb des Golden Clubs an der Lämmlisbrunnenstrasse gelegen.
«Wir sind im Aufwind»
Im Tiffany treffen sich jeden Sonntag nach ICF-Angaben rund 200 Kirchgänger aus St.Gallen und Umgebung zu Gottesdiensten. ICF zählt zu den Freikirchen, die die Bibel wörtlich auslegen. Verpackt werden die konservativen Bibelbotschaften in Gottesdienste (genannt Celebrations), die meist von Livemusik begleitet werden.
Die hiesige Freikirche ist laut Urs Müller, Leiter Management und Finanzen bei ICF St.Gallen, im Aufwind. «Unsere Besucherzahlen steigen stetig an. Auch das ist ein Grund, warum wir uns schon länger nach weiteren Räumen in der Nähe umgesehen haben», sagt Müller.
Im Mai wurde schliesslich der Mietvertrag unterschrieben, nachdem der Golden Club schon rund ein Jahr leer gestanden war. Einen Mieter, der das Lokal wieder als Strip-Club betreiben wollte, hatte die St.Galler Immobilienfirma Brüschweiler offenbar nicht mehr finden können.
Mysteriöser Abgang aus dem Club
Damit wird ein weiteres Lokal Geschichte, das den Ruf des Linsebühl als Rotlicht-Quartier mitbegründet hatte: Goldene Zeiten erlebte der Club unter dem Namen Chinchilla in den 1980er-Jahren. Weil sich das Linsebühl seit den 1990er-Jahren immer mehr zum Wohnquartier wandelte und das Rotlichtmillieu in die Aussenquartiere und die Agglo abwanderte, machte das Chinchilla schliesslich 2004 dicht.
Laut einem «Tagblatt»-Artikel von 2005 machte sich Chinchilla-Betreiber Louis Pfenniger (ein ehemaliger Rennradprofi) über Nacht aus dem Staub – nicht ohne zuvor sämtliches Mobiliar aus den Räumen zu reissen und mitzunehmen. Brüschweiler Immobilien soll danach den Club auf eigene Kosten wieder ausgebaut haben. Im Golden Club, der 2006 auf das Chinchilla folgte, läuft nun seit mindestens einem Jahr nichts mehr.
Umbau mit Spenden finanziert
Jetzt also folgt das ICF: In Fronarbeit bauen die Kirchgänger derzeit die Räume um. Die Bar wird zur Kaffeebar, es gibt eine Spielecke. Bis zu 30 Kinder sollen hier Platz finden. Angedacht ist ein Kinderhort, der aber nur am Sonntagmorgen geöffnet sein wird. Dann nämlich läuft im Tiffany die erste von zwei Celebrations: An dieser wird unverstärkte, christliche Musik gespielt. Es treffen sich eher Erwachsene und Familien, für die der Kinderhort gedacht ist. «Eine Kinderkrippe mit Tagesbetreuung ist aber im Moment kein Thema», sagt ICF-Vertreter Müller.
Miete und Umbau des Lokals werden wie alles beim ICF durch Spenden der Kirchgänger finanziert. Aus aktuellem Anlass habe man für den Kinderhort zudem extra einen Spendenaufruf gemacht, sagt Müller.
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.