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Kunst kommt von Kaffee

Kinder, Junge und Alte im Dialog über Bilder oder Alltagsgegenstände: Das Projekt «Generationen im Museum» hat Pioniercharakter, beteiligt sind auch Ostschweizer Museen. Jetzt ist ein Buch dazu erschienen.
Von  Peter Surber , 

Sponsored by Migros: Das galt noch vor kurzem für zahlreiche Museen, in der Ostschweiz etwa für den Kunstverein, für die Kunsthalle St.Gallen, das Textilmuseum oder das Museum im Lagerhaus. 2012 jedoch kippte die Migros Genossenschaft Ostschweiz ihre Fördertätigkeit für die Bildende Kunst – jetzt kommt die Unterstützung zumindest als Kulturvermittlung durch die Hintertür der Abteilung Kultur und Soziales des Kulturprozents teilweise zurück.

GiM_Kunstmuseum_SG_low_038Auslöser ist das Projekt «Generationen im Museum» (GiM). Es ist 2013 von der Migros ins Leben gerufen worden. Über 400 Gäste in 31 Museen nahmen teil und erfanden Geschichten rund um frei gewählte Museumsobjekte. Letzte Woche ist das Buch zum Projekt im Kunstmuseum St.Gallen präsentiert worden. «Auf Augenhöhe», im Verlag Hier und Jetzt, stellt alle beteiligten Museen, vom Bahnmuseum Albula bis zur Sukkulenten-Sammlung Zürich, mit je einer Geschichte und im Bild vor, ergänzt um Aufsätze von Fachleuten. Komplett findet man die insgesamt 150 Geschichten zudem online auf dem Blog gim-geschichten.ch.

Das Buch liest sich unterhaltend und amüsant. Der «Austausch im Möglichkeitsraum» Museum, wie einer der Beiträge im Buch betitelt ist, hat unterschiedlichste Stories hervorgebracht.

Sinnieren über Sonnier

Im Kunstmuseum St.Gallen ist es ein Gemälde von Keith Sonnier, das die Fantasie anregt. Aus den bräunlichen Latexschlieren auf dem Bild «In Between II» von 1969 werden in der Bild-Geschichte von Daniel (14) und Oliver (33) kurzerhand Kaffeespuren. Ihre Geschichte lautet:

«An eine Kaffeeparty in St.Gallen wurden 50 Gäste eingeladen, die aber nicht erschienen. Die Organisatoren waren sehr enttäuscht. Aus Wut spritzten sie den Kaffee an die Wand. Danach schauten sie sich die Wand genauer an und bemerkten, dass das gar nicht so schlecht aussah. Also beschlossen sie, dies als Markenzeichen zu benutzen. Sie montierten eine grosse Glasscheibe auf die Kaffeewand und hängten zwei Lampen daneben. Schnell sprach sich das herum. Nächstes Jahr werden nicht 50, sondern 500 Gäste kommen.»

Neben dem St.Galler Kunstmuseum sind aus der Ostschweiz auch das Museum im Kornhaus Rorschach und die Ziegelhütte Appenzell vertreten. Die Versuchsanordnung lautete überall gleich: Je zwei Menschen mit mindestens 15 Jahren Altersunterschied sind miteinander im Museum unterwegs und denken sich zu einem selbst gewählten Objekt eine Geschichte aus.

Solche «partnerschaftlichen Generationenbeziehungen» seien angesichts des demographischen Wandels in der Schweiz dringend nötig, sagt Jessica Schnelle, beim Migros Kulturprozent für das Projekt zuständig: Die Babyboomer dominieren, die Zahl der «neuen Alten» nimmt zu, jene der Jungen ab – und alle seien aufeinander angewiesen.

GiM_Kunstmuseum_SG_low_024«Authentische Seherfahrung»

Was GiM für die Museen selber bedeutet, strich Katrin Meier, die Leiterin des St.Galler Amts für Kultur, an der Buchvernissage heraus: Fachleute gäben hier einen Teil ihrer «Deutungshoheit» über die ausgestellten Objekte ab und teilten ihre Autorität mit den Besuchern. Roland Wäspe, Direktor des St.Galler Kunstmuseums, sah es ähnlich: Dank dem Boom der Bildenden Kunst seien Kunstmuseen heute in einer «Poolposition», die dazu verpflichte, das Museum als Kommunikationsort neu zu denken und weiteren Kreisen zu öffnen.

Mehr noch: «Im Zeitalter unbeschränkt verfügbarer Bilder durch die Medien und das Internet werden die authentische Seherfahrung und das Wissen um deren Funktionsweisen und deren Manipulationsanfälligkeit zu einem Schlüssel für ein autonomeres Weltbild», sagte Wäspe. Museen seien einer der wenigen Orte, die solche authentische Erfahrung «vor Originalen und ohne Filter» heute leisten könnten.

Was bei solchem filterfreien Sehen herauskommen kann, zeigt auch die Geschichte von Annina (27) und Laurin (9) – die abstrakte «Komposition in Gelb, Schwarz, Oliv» des Appenzeller Malers Carl Walter Liner wird gegenständlich:

«Max fährt wie jeden Sonntag mit seinem gelben, schnellen Motorrad von Appenzell nach Eggerstanden, um im Funpark Tricks zu üben. Dort fährt er über Schanzen und Rampen und macht allerhand Verrücktes. Auf dem Bild sitzt Max kopfüber auf seinem Motorrad. Zum ersten Mal schafft er heute sogar einen Salto.»

Auf Augenhöhe, Verlag Hier & Jetzt, Zürich 2014, Fr. 34.90

Die GiM-Veranstaltungen im Kunstmuseum St.Gallen fotografierte Ladina Bischof.

 

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,