«Jazz ist nicht tot, meine Damen und Herren», sagte Frank Zappa einmal, «er riecht nur komisch.»
Das unterschreiben wir.
Zuerst müsste man jedoch fragen, was das eigentlich ist, das so «komisch riecht»: Louis Armstrong? Blue Notes? Etwas mit Saxofon? Ein ganzes Genre oder nur ein Musikstil? Oder doch eine Lebenshaltung? Um diesen und anderen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir Fachleute beigezogen: Bruno Spoerri, Richard Butz und Marc Jenny – Jazz- Trio Nummer eins – unterhalten sich über Herausforderungen, Chancen und Potenziale im zeitgenössischen Jazz. Und auch ein wenig über das Gestern.
Unsere zweite Frage war, ob Jazz wirklich so «komisch riecht», wie Zappa meint. Wir sagen: hin und wieder. Ein bisschen. Aber gerade das macht ihn aus. Jazz irritiert. Jazz ist unbequem. Nichts für Gewohnheitstiere. Er fordert heraus. Jazz heisst in Bewegung bleiben. Improvisation. Zusammenspiel. Auflösung. Grenzen suchen, ausloten und überschreiten. Und Scheitern. Kein Wunder hat Jazz ein Imageproblem. Erst recht, wenn es um die Frauen geht. Mehr dazu, vielstimmig, unter anderem von Helvetiarockt und mit einer wild zusammengewürfelten, komplett unrepräsentativen Umfrage zum Stichwort «Jazz ist…».
Drittens die Ostschweiz: Wie duftet sie? Weniger ausgeprägt als auch schon, haben wir uns sagen lassen. Jazz-Trio Nummer zwei – Nathalie Maerten, Sandro Heule und Markus Bischof – spricht über die Gründe, weiss aber auch, was es bräuchte, damit es im Osten öfters wieder «komisch riecht». Michael Hasler hat das Gespräch geführt.
Früher hat St.Gallen definitiv anders gerochen: In der Saiten-Jazz-Nummer vom März ’97 zum Beispiel war sogar von einem «Jazz-Überangebot» die Rede. Offenbar ärgerte man sich in der Szene, dass aufgrund «mangelnder Koordination und Kommunikation» gleich zwei Jazz-Konzerte «exakt zur selben Zeit» stattfinden konnten. Wow.
Davon kann St.Gallen heute nur träumen. Jazz ist an den Rand gedrängt worden, die Szene überschaubar. Der Verein Gambrinus Jazz Plus (gjp), mit dem dieses Heft entstand, ist nach wie vor ein Dreh- und Angelpunkt für viele Ostschweizer Jazztäterinnen und -täter. 2011 musste er sich allerdings mangels Lokalitäten neu erfinden, seither versteht er sich als «stadtweiter Club» – improvisierend, von Ort zu Ort ziehend. Im November feiert Gambrinus sein 20-jähriges Bestehen, Peter Hummel vom Vorstand hat für diese Nummer in der Vereinsgeschichte gewühlt.
Und der wunderbare niederländische Zeichner Jordy van den Nieuwendijk spielt mit Farbstift «seinen» Jazz.
Ausserdem im Oktober: Bücherherbst, Wahlherbst mit Kunsthallen-Direktor Giovanni Carmine aus Tsüri, Arber Bullakaj aus Wil und dem Doppelweber in Ausserrhoden. Nicht zu vergessen: die üblichen Verdächtigen.
Corinne Riedener
Saiten: happy! Wieso? Gukkst du Oktoberheft.Posted by Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin on Donnerstag, 24. September 2015
Saiten: happy! Wieso? Gukkst du Oktoberheft.
Posted by Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin on Donnerstag, 24. September 2015
DER INHALT:
Reaktionen / PostionenBlickwinkel von Marco KamberWahlkampf plakativRedeplatz mit Arber BullakajEinspruch von Franz Hohler
JAZZ IST…
Quotes
«Der Jazz kopuliert mit allem»Jazztrio I: Ein Kritiker, ein Bassist und ein Elektropionier im Gespräch.von Peter Surber
Free Jazz oder was man dafür hältJazz ist, wo die Bastarde wohnen.von Corinne Riedener
«Wir müssen einander gegenseitig mehr feiern»Jazztrio II: Eine Sängerin, ein Pianist und ein Bassist im Gespräch.von Michael Hasler
Jazz-Täter
Der stadtweite Jazzclub20 Jahre Gambrinus: Ein nomadisches Lokalvon Peter Hummel
Wer gibt schon gerne die Bühne frei?Noch immer fehlen dem Jazz die Frauen – das soll sich ändern.von Regula Frei
Jazz-Lyrik
Die Illustrationen zum Titelthema stammen von Jordy van den Nieuwendijk. Die Jazztrios fotografierte Sebastian Schneider.
PERSPEKTIVEN
Flaschenpost von Christoph Keller aus New YorkAppenzell AusserrhodenVorarlbergRapperswil-JonaThurgauStimmrecht von Yonas Gebrehiwet
KULTUR
«Ganz hyänenmässig»Historische Entdeckungen auf dem Jahrmarkt.von Peter Müller
Politiker statt Kunsthallen-Chef?Giovanni Carmine im Gespräch mit Etrit Hasler
Der Bücherherbst: Solidarische Landwirtschaft. Demenz. Maag & Minetti. Tschuttende Mädchen. Erdbeben. Gedichte.
Happy End mit SchiltepuurManuel Stahlbergers zweites Soloprogramm.von Peter Surber
Zehn Städte an einem TagHam-E und E.S.I.K. lancieren ihre EP mit einer schrägen Konzertreise.von Corinne Riedener
Rufmord in St.GallenEine mediale Hetzjag zerstört im Fernsehfilm Verdacht ein Leben.von Urs-Peter Zwingli
Weiss auf schwarz: Staatlich geschützter Rassismus.
ABGESANG
Kellers GeschichtenCharles Pfahlbauer jr.Boulevard
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann