Urs C. Eigenmann, 11. Oktober 2015 um 16:14 Uhr Jazz ist… – mein Feedback zur Oktober-Ausgabe 2015 der Kulturzeitschrift SAITEN Eine vielseitige und interessante Oktober-Ausgabe hat die Monatskulturzeitschrift Saiten mit dem Thema „Jazz ist…“ herausgegeben. Beim Durchblättern entdeckte ich zur grossen Überraschung einen Beitrag über mich, betitelt mit „Der Don Quichote“. Die Interpretation dieser „Geschichte“ sei dem Lesepublikum überlassen. Ich finde sie lustig und mich mit wenigen Worten grob umschrieben. Ich bin zwar nicht einer, der gegen Windmühlen kämpft, sondern einer, der für würdige und angemessene Auftritts-Szenerien in jeder Beziehung einsteht. „The average person thinks of jazz as ambiance music… background music. They don’t regard it as a classical art form. And when a performer is playing, respect should be given”, schrieb Lori Williams (Washington D.C.), die am kürzlichen jazzin (6. Festival St. Gallen) aufgetreten ist, an das Piano-Urgestein Klaus Koenig, dessen Konzert sie im Rahmen des Festivals angehört hat. Dieser Meinung bin ich auch. Die „Brüche und Umwerfungen“, wie Saiten schreibt, kann ich an einer Hand abzählen, so zum Beispiel mit dem Wirt des Weinlokals 1733, der mir unter anderem aufgrund eines Streits, für dessen Ursache ich mich entschuldigt habe, ein generelles Hausverbot auferlegt hat, was ich im Interesse der Sache nicht verstehen kann, zumal die Konzertreihe „live im 1733“ schliesslich meine Idee unter meiner Leitung war und noch als eigentlich einziger, regelmässiger Eigen-Anlass des Vereins „gambrinus jazz plus“ funktioniert. Beim Vereinsvorstand „Night Music“ in Flawil, dessen Konzertreihe „Monday Night Music“ und Gründung ich auch initiiert habe, und die im 8. Jahr immer noch stattfindet, bin ich ebenfalls kein gern gesehener Gast, weil ich mein Defizit-Darlehen des jazzin 2010 von beinahe siebentausend Franken eingefordert und – leider dann per Anwalt – zurückerhalten habe. Da kann ich beim besten Willen kein persönliches Fehlverhalten feststellen. Eigenartig empfand ich in einem Interview die Frage Michael Haslers an meine Musikerkollegen Sandro Heule und Markus Bischof „… wie wichtig ist das jazzin-Festival für die Szene?“. Es sei „eine Eigenproduktion“, „eine wertvolle Einzelproduktion eines Einzelnen“ und „es wäre allerdings von Vorteil, wenn das Festival etwas breiter abgestützt wäre.“ Das jazzin gibt es seit 2008. Anfänglich war es ein fast 30-köpfiges Komitee. Heute sind wir 14 Komiteemitglieder, mit mir als Präsidenten. Das Festival hat vor dem Kanton St. Gallen den Nachweis erbringen müssen, dass es mit seinen Stilen Swing, Funk, Soul & Acid-Jazz kein regionales Festival konkurrenziert. Mit der Werbekooperation des „gambrinus jazz plus“ sind wir in dieser Beziehung schon mal sehr breit abgestützt, kommt vor allem die Vielzahl von Unterstützern und Unterstützerinnen mit meist nennenswerten Beiträgen und gar einem Vierjahresvertrag hinzu, das seinesgleichen sucht. So kann gesagt werden, dass das jazzin zu einem der breitabgestütztesten Anlässe hierzugegen zählt. Der Verein jazzin ist seit Frühjahr 2013 ein eigenständiger Verein, der nebst dem Festival auch eine weitere Jazzkonzertreihe – in diesem Jahr „ton im krug“ in der Krug-Bar St. Gallen – organisiert und sich zum Ziel gesetzt hat, ausschliesslich Jazzmusik der besagten Stile zu präsentieren. Zum Konzept gehört der festgelegte Eintrittspreis und die angemessenen Festgagenzahlungen. Am Festival erhielten die Auftretenden für die neu konzipierten Samstagabendprojektkonzerte „CH meets…“ (3 Bands mit ausländischen Musikmachenden) bis annähernd tausend Franken pro Person, exklusive Hotelübernachtungen, Proberaummieten, ev. Flugspesen, Verpflegung, etc. Zum persönlichen Traum von Michael Hasler, einem Festival auf dem roten Platz in St. Gallen „mit unbedingt internationalen Impulsen“, kann ich nur hoffen, dass es nicht zu einem quasi weiteren Gratisanlass mit Kollekte kommen wird, der den weiteren Niedergang der schon ziemlich kaputten Jazzszene fördert. Denn ich kenne keine andere Kunstszene, als die des Jazz, die sich Gratiseintritte und freiwillige Kollekte – dies bei meist unwürdiger Gage – erlaubt. Dieser Entwicklung müsste möglichst rasch Einhalt geboten werden, meint der „kauzige und nimmermüde Vorkämpfer UC“ (Zitat Saiten). Keep Swingin‘ – seid stolz darauf, seit Jahren ein breit abgestütztes, professionelles Festival mit internationalen Impulsen auf höchstem Niveau und mit junger Tradition – jetzt während 4 Tagen – in St. Gallen zu haben. Wir – der Verein jazzin – freuen uns auf euren Konzertbesuch, mit dem das Festival dann definitiv und effektiv allerbreitestens abgestützt würde. Wie sagt doch Sandro Heule im Saiten-Interview so schön: „Wir müssen den Jazz feiern“. Urs C. Eigenmann St. Gallen, 11. Oktober 2015