Die Unterschriften, ungefähr 250 sind es bis jetzt, werden in einer Woche mit einem offenen Brief an die private Bauherrschaft geschickt, an die Helvetia-Versicherungen, an die Schützengarten AG und die Acrevis Bank. Mit an der Aktion ist auch Stettlers Ami-Schiff, ein 1952er DeSoto Custom, den er sich im November gekauft hat. Auto, Äste, Säge – die Symbolik seiner Aussage: Auto gegen Baum, Bauherren gegen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.
Stettler, der ehemalige Gemeinderat, weiss, dass er mit politischen oder juristischen Mittel nicht gegen die Bauherren vorgehen kann. Politisch nicht, seit der Stadtrat eingeknickt ist gegenüber den Bauherren und ihnen die Konzession in Aussicht gestellt hat, obwohl das Stimmvolk dagegen war. Juristisch nicht, weil nur noch die Anstösser der geplanten Union-Garage Einsprache erheben können. So steht er auch gestern wieder beim Vadian-Denkmal, von morgens bis abends, und sammelt Unterschriften.
Neben dem Oldtimer steht ein kleiner Tisch, darauf eine Karte vom Stadtzentrum, eingezeichnet die Grünzonen zwischen Bahnhof und Marktplatz, auch eingezeichnet: die innerstädtischen Parkgaragen. Daneben eine Dreieckstafel, sie gibt Auskunft über das geplante Bauprojekt, zeigt aber auch Alternativen auf, die Stettler und dem Komitee lieber wären: eine lauschige Gartenbeiz unter den imposanten Bäumen statt einem Kreisel mit Einfahrt zur Parkgarage.
Auf der Tafel kleben Post-It, angebracht von Passanten, die ihrem Ärger Luft machen wollen: «Braucht es eine neue Garage, wenn gleichzeitig für die FHS-Garage TV Werbung gemacht werden muss?», fragt jemand. Und eine andere Person findet: «St.Gallen soll sich schämen, solche Stadträte zu haben!»
Die Aktion findet Anklang bei der Bevölkerung. Auch wenn es Passanten gibt, die vor allem stehen bleiben, um den hellblauen «DeSoto» zu bewundern. Stettlers Bilanz: «Das Interesse ist gross und der Groll der Bevölkerung spürbar, St.Gallen wehrt sich.»
Am Donnerstag, 26. Juni lädt das «Komitee vernünftiger Marktplatz» zu einer Begehung vor Ort. Treffpunkt ist ab 17 Uhr vor dem Union Gebäude.
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.
Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.
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Filmfestival in Frauenfeld
Buch zur Migration in die Ostschweiz