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Wenn Bürger ein Schloss retten

Es war eine der erfolgreichsten Bürgerbewegungen der letzten Jahrzehnte in der Ostschweiz: der Kampf um die Erhaltung von Schloss und Park Wartegg. Otmar Elsener erzählt in seinem Wartegg-Buch davon.
Von  Peter Surber

«Unsere Vision eines Naherholungsgebiets in einer inzwischen ziemlich verbetonierten Landschaft hat sich erfüllt.» So wird im Buch Christian Ledergerber zitiert, eine der zentralen Figuren der «wundersamen Rettung» (wie Buchautor Otmar Elsener sie nennt) des heute als Restaurant und Hotel bekannten Schlosses hoch über dem Bodensee.

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Vor der Renovation: verbarrikadierte Türen, zerfallende Mauern.

Gegen den Zerfall…

In den 1960er-Jahren war das Schloss dem Zerfall nahe. Der deutsche Schreibmaschinen-Industrielle Gustav Mez hatte es in den Jahrzehnten zuvor renoviert und bewohnt, seine Nachkommen mussten es 1957 jedoch verkaufen, 1962 zog eine «Mobiliar-Liquidation» Hunderte an, das Schloss wurde buchstäblich geplündert; 1965 übernahm die in Schmidheiny-Besitz befindliche Sagimo AG das Schlossgut, Überbauungs- und Abrisspläne wurden gewälzt.

In den Siebzigerjahren wendete sich das Blatt ein erstes Mal. Zum einen stellte der Kanton einen Teil des grandiosen Park unter Schutz, zum andern initiierte der Journalist Christian Ledergerber in der «Ostschweiz» eine Kampagne «Pro Wartegg». Vorerst gelang es so, das Schloss vor dem gänzlichen Zerfall zu bewahren – dieses ging 1994 samt dem geschützten Teil des Parks in den Besitz von Angelika und Christoph Mijnssen über, die es mustergültig renovierten und als Hotel zu neuem Glanz brachten.

Die Bilder im Buch machen deutlich, in welch verheerendem Zustand das 1557 errichtete Schloss zuvor gewesen sein muss. Unter anderem hatte es den Hausschwamm, Böden waren unbegehbar, die technischen Einrichtungen unbrauchbar.

 

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November 1990: Begehung im Rahmen der Initiative «Umzonung Warteggpark».

… und für die Bäume

Der westliche Parkteil blieb jedoch bedroht – mehrfach gab es Überbauungsprojekte. Die Opposition versuchte es über Umzonungen und mit öffentlichen Protesten. Schritt um Schritt Erfolg hatten schliesslich die Interessengemeinschaft «Freunde des Warteggparks» von Eva Lobeck und die Stiftung «Landschaftspark Wartegg» des früheren Gemeindepräsidenten Ernst Tobler, die das Gelände im Jahr 2009 von der Swisscanto erwerben und dauerhaft schützen konnte.

Die wechselhafte Geschichte der Auseinandersetzung um den Park macht bis heute Eindruck als Musterbeispiel einer erfolgreichen Bürger(innen)bewegung. Wartegg reiht sich ein in andere Basisrebellionen – denen allerdings ein ähnlicher Erfolg verwehrt blieb: dem Widerstand gegen den Waffenplatz Neuchlen-Anschwilen oder gegen den Ausbau des Flughafens Altenrhein. Und dabei ging es hier um ein Objekt mit ausgeprägt aristokratischer Vergangenheit: Die blaublütige Prominenz reichte vom Erbauer Kaspar Blarer von Wartensee bis zum österreichischen Kaiser Karl, dessen Witwe Zita eine Zeitlang Bewohnerin des Schlosses war.

Das ist die republikanische oder eher ökologische Pointe der Wartegg-Geschichte, die im Buch nicht weiter thematisiert wird: Im Kampf um Wartegg dominierten naturschützerische Anliegen; die Perspektive, an dieser privilegierten Lage Wohnraum zu schaffen, war dagegen offensichtlich weniger gefragt.

Otmar Elsener, Rorschacher Lokalhistoriker, erzählt das 450jährige Auf und Ab rund ums Schloss lebendig und kenntnisreich. Heute abend ist Buchvernissage im Schloss.

 

Otmar Elsener:Wartegg. Schloss und Menschen, Appenzeller Verlag Schwellbrunn, Fr. 34.-.
Buchvernissage: 30. April, 19.30 Uhr (Anmeldung erforderlich)

 

Bilder: Appenzeller Verlag

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