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30 Jahre volle Säle

Während die Kinos verzweifelt um Publikum buhlen, füllt die «Zauberlaterne» spielend ihre Ränge. Jetzt feiert der Filmklub für Kinder den 30. Geburtstag, mit Jubiläumsvorstellungen in der ganzen Schweiz.
Von  Corinne Riedener , 

Immer wieder liegt er am Boden, der namenlose Landstreicher mit Melone, Stock und Schnauz. Oder er wird von Polizisten verprügelt. Oder als kleiner Arbeiter fast vom unaufhaltsamen Zahn der modernen Zeit zermalmt. Doch stets bleibt er guter Dinge, klopft sich den Dreck von der viel zu grossen Hose und geht seiner Wege.

Charlie Chaplins «Tramp»-Figur ist so ikonisch wie seine Filme gesellschafts- und sozialkritisch waren. Und man muss nicht erwachsen sein, um sie zu verstehen. 1992, bei der ersten Vorstellung der Zauberlaterne in Neuchâtel, wurde Chaplins Materialismuskritik Goldrausch gezeigt.

Der Saal war ausverkauft, 500 Kinder sahen ihm dabei zu, wie er seine Schuhe vertilgte und mit den legendären Brötchen tanzte. 2022 spielt Chaplins «Tramp» wieder eine Rolle bei der Zauberlaterne, als Würdigung ihrer Anfänge.

Bild: pd, Guillaume Peret

Das Konzept der Zauberlaterne funktioniert seit 30 Jahren. Es führt Kinder von sechs bis zwölf Jahren spielerisch zum Film und zum Kino. Neun Filme aus aller Welt werden pro Saison gezeigt, das Programm ist chronologisch aufgebaut, quasi als Streifzug durch die Filmgeschichte und die diversen filmischen Mittel.

Eine Woche zuvor erhalten die Mitglieder eine illustrierte Klubzeitung zur Vorbereitung, am Spieltag selbst werden sie von zwei Moderator:innen und einer szenischen Performance eingegroovt. Seit 2016 gibt es auch die «kleine Laterne», ein Format für Vier- bis Sechsjährige und ihre Erwachsenen.

Jubiläumsvorstellungen in der Ostschweiz:

3. September, 10:30 Uhr, Kino Roxy, Romanshorn
10. September, 9:30 und 11:30 Uhr, Kinok St.Gallen
17. September, 10:30 Uhr, Kino Kiwi, Winterthur

lanterne-magique.org

Die Zauberlaterne ist eine Erfolgsgeschichte. Es gibt fast 80 Klubs in der ganzen Schweiz mit rund 20‘000 Kindern als Mitglieder. 800 Freiwillige, 150 Moderator:innen und 650 Gastkünstler:innen stemmen zusammen über 1000 Vorstellungen pro Jahr. 1999 eröffneten die ersten internationalen Zauberlaternen, mittlerweile gibt es Klubs in mehr als zehn Ländern. Während das klassische Kino verzweifelt die Säle zu füllen versucht, scheint das die Zauberlaterne spielend zu schaffen. Ein Grund dafür dürfte die faire Preispolitik sein: Die Saisonmitgliedschaft kostet nur 40 Franken.

Anders als sonst sind die 80 Gratisvorführungen zum Jubiläum ausnahmsweise auch für Erwachsene offen. Für einmal dürfen sie hinter die Kulissen blicken. Und all jene, die als Kind selber im Klub waren, können in Erinnerungen schwelgen. Vielleicht ein weiterer Grund für den Erfolg der Zauberlaterne: Cinephilie ist vererbbar.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

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Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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