Nicht jede und jeder ist hier willkommen, weder jede Pflanze noch jeder Mensch: Im Garten ist die Natur von Menschenhand geordnet. Hier verwirklichen Gärtnerinnen und Gärtner ihre Vorstellungen vom Nützlichen und Schönen, hierher kommen sie und ihre Gäste, um zu verweilen, hier finden sie Musse, hier sind sie unter sich – der Garten ist ein Refugium, ob mit oder ohne Hag. Mit seinen geregelten Zugängen, seiner Ordnung und seiner Fülle ist er das ideale Bild für Sehnsuchts und Zufluchtsorte in grösserem Massstab.
Es gibt also kaum einen besseren Ort, um sich künstlerisch mit Grenzen auseinanderzusetzen, als einen Garten, einen Garten wie den Kulturort Weiertal. Hier am ländlichen Rande von Winterthur summt und zwitschert es zwischen den Rosensträuchern, hier spenden alte Obstbäume Schatten. Über den Weiher und entlang den Bachläufen weht selbst an heissesten Sommertagen ein kühlendes Lüftchen.
Seit Jahren ist dieser idyllische Garten auch ein Ausstellungsort, und heuer findet bereits die 5. Weiertal Biennale statt. Unter dem Motto «Refugium» hat Kuratorin Kathleen Bühler über 20 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Sicht auf den paradiesischen Zustand, seine Verlockungen und Grenzen zu präsentieren.
Viele der Kunstschaffenden reagieren mit eigens entwickelten Arbeiten auf den Ort. Yves Netzhammer beispielsweise arrangiert Gartenutensilien in einem Schuppen zu einem rätselhaften und unterschwellig abgründigen Einbildungsvorrat. Gabriela Gerber und Lukas Bardill ermöglichen den Perspektivwechsel mit ihrem Doppelstall, und Mia Diener lädt akustisch zu einer Gedankenreise über Das Vermächtnis vom Weiertal.
Weiertal Biennale: bis 10. September, Weiertal Winterthur weiertal.ch
Besonders hintergründig ist der vergoldete Weidedraht, den die Brüder Huber.Huber um einen Teil des Gartens ziehen. Steht er tatsächlich unter Strom oder ist er nur ein Symbol für die Wohlstandsschweiz? Eigentlich kommt es aufs physische Zwicken nicht so sehr an, wenn bereits das Denken aktiviert worden ist. Dies gelingt der Ausstellung immer wieder, drum: Ab in den Garten!
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller