Die Idylle trügt, auch im Weiertal. Zwei Weiher, ein Bachlauf in der Wiese, kleine Brücken darüber. In den Rosenbüschen summt und flirrt es. Die Obstbäume, selbstverständlich alles Hochstämmer, tragen reichlich Früchte. Im gemähten Gras dürfen die Gänseblümcheninseln weiterwachsen. Leiser Wind säuselt durch die Blätter.
Alles wäre so schön, rumorten da nicht unheimliche Wesen. Sind es tierische Laute? Menschliche? Ausserirdische? Sie ertönen aus einem Stahltank auf der Wiese. Zu klein für ein Silo, zu gross, um übersehen zu werden. Ein Fremdkörper im Grün, einer von vielen.
Wieder einmal ist im Kulturort Weiertal bei Winterthur die Kunst gelandet. 40 Künstlerinnen und Künstler der IG Archiv Ostschweizer Kunstschaffen präsentieren ihre Arbeiten zwischen Baum, Bach und Gartenhaus und im umgebauten Pferdestall. Sie reagieren auf die üppige und doch gestaltete Natur mit grellbunten Objekten. Sie setzen Interventionen und provozieren Irritationen.
Hat da tatsächlich jemand einen zusammengeknoteten Plastiksack vergessen? Schmelzen dort fremdartige Hutpilze in der mitteleuropäischen Sommerhitze dahin? Wer hat die Frucht vom Baum der Erkenntnis verloren? Hineinzubeissen empfiehlt sich nicht, der riesige Apfel ist aus Stein, aber zartes Streicheln offenbart seine Qualitäten als Handschmeichler. Anfassen erlaubt.
Galerie Weiertal: bis 11. September, Rumtalstrasse 55, Winterthur galerieweiertal.ch
Die Hemmschwellen sind gering in diesem wunderbaren Garten. Die Kunst ist nahe, präsentiert sich auf Augenhöhe im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Die Zehenspitzen sind nur nötig für manche der kleinen Holzboxen, die nistkastengleich an den Stämmen hängen. Es sind kleine Bühnen für die grossen Namen, für da Vinci, Vallotton, Breughel oder Botticelli. Bloss keinen übersehen.
Der Rundgang gerät zur Entdeckungsreise. Manches ist gut versteckt, die kleinen Metallplaketten an den Stämmen etwa. Für einmal enthalten sie nicht die botanisch korrekten Bezeichnungen der Bäume, sondern laden zum Seitensprung oder auch nur zur grossen Liebe.
Über allem baumelt das Motto der Ausstellung Just a perfect day im Wind und erinnert an Lou Reeds melancholisches Lied. So ist der Garten nicht nur Paradies, er ist auch Ort des Sündenfalles. Der Stacheldraht ist bis in die Wipfel gelangt und am Eingang zum Garten erinnert ein Miniaturgebirge aus Gletscherabdeckvlies an die Gefährdung der Natur.
Der Schwan auf dem Weiher wird plötzlich verrückt und speit Wasser. Die Ameisen bauen unbeirrt an ihrem Nest, bis sie sich im weissen Rauschen auflösen. Nur der Hügel bleibt und der Garten wartet.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.