Einst als vernunftbegabt wahrgenommene Menschen verlieren sich da in Spekulationen über eine «globale Elite», die wahlweise von Geheimgesellschaften, Ausserirdischen, manipulierten Regierungen, «den Juden» oder von all diesen gemeinsam gebildet wird. Sie versuchen mir zu erklären, dass wir dank eines geheimen Programms «der Regierung» aus Flugzeugdüsen mit Gift besprüht werden, dass 9/11 ein «inside job» der amerikanischen Regierung gewesen und dass die Rettung der Welt in einem System «ohne Zins und Zinseszins» zu suchen sei. Spätestens an diesem Punkt geht bei mir die Historisches-Gedächtnis-Warnlampe an.
War nicht die sogenannte Brechung der Zinsknechtschaft eines der Ziele des Nationalsozialismus und seit dem frühen 20. Jahrhundert immer wieder eine Quelle des Antisemitismus unter dem Deckmantel der Kapitalismuskritik?
Wenn ich nun in Kommentarspalten eine solche Frage in die Diskussion werfe, werde ich in kürzester Zeit und in hoher Kadenz mit Links auf YouTube-Videos bedient, die ich mir doch bitte erst einmal anschauen soll, bevor ich den Skeptiker gebe. Sie würden mir die Augen öffnen und überhaupt ALLES erklären. Als forschender Mensch, mit einem ungebrochenen Glauben an umfangreiche Recherche, wundere ich mich dann, mit welchen Quellen man mir die Welt da zu erklären versucht. «KenFM», «Compact Magazin», «Kopp Verlag», «Russia Today», und gelegentlich ist sich sogar jemand nicht zu schade, auf «Sasek TV» zu verlinken.
Glauben, man habe die Wahrheit erkannt, weil man sich ein YouTube-Video angeschaut hat, ist das eine. Glauben, man habe die Wahrheit erkannt, weil man unreflektiert braun-esoterische Quellen verlinkt, auch wenn darin scheinbar unverdächtige Menschen wie ein Jean Ziegler ein Statement abgeben, ist verstörend.
Wenn der Kontext, in dem sich jemand präsentiert, kein relevanter Faktor mehr sein soll, geht die Taktik der neuen Rechten auf, sich tief im demokratischen Lager einzunisten und über dieses seine verqueren Ideologien gesellschaftlich akzeptiert zu verbreiten.
Wenn in naher Zukunft nicht «ois Oasch» sein soll, sind wir gut beraten, historische Zusammenhänge nicht zu vergessen und Quellen gut zu prüfen.
Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.