Städtebau vergisst oft die Umgebung der Häuser. Das Problem zeigt sich rund um die Fachhochschule auf der Nordseite des St.Galler Bahnhofs exemplarisch: Die Strassenfront zur Rosenbergstrasse ist hermetisch verriegelt. Das Schulhaus hat zwar eine Hausnummer an der Rosenbergstrasse – die 59 – aber keinen Eingang. Auch an der Ostseite ist das Gebäude abweisend zu. Auf der Westseite öffnet die Fassade ihren Schlund zur Parkgarage.
Anlieferungsrampe, Pausenplatz, Veloroute…
Der Eingang samt Anlieferung liegt auf der Südseite. Davor die schiefe Ebene, auf der sich Studierende in den Pausen aufhalten, über die Waren angeliefert werden, über die im Ernstfall die Feuerwehr zufahren müsste – und über die die Veloroute führt.
Ansicht von Osten: «beispiellose Kälte». (Bilder: René Hornung)
Der Platz gibt seit der Eröffnung der Schule zu reden. Kulturwissenschafter und Stadtentwicklungsexperte Peter Röllin sprach damals von «einer beispielslosen Kälte» rund um den Neubau. Dieser Platz gleiche «einer seelenlosen Anlieferungsrampe». Sein damaliges Fazit: «Quartierstrukturen und Nischen für eine lebendige Stadt wurden hier regelrecht entsorgt.» Die Reaktion waren acht Kunststoffsäcke mit einigermassen grossen Birken, die wenigstens im Sommer eine gewisse Stimmung bringen – jetzt im Winter aber verloren dastehen.
Weil man draussen vor dem Restaurant «Gleis 98» zwar an einem sonnigen Plätzchen, aber auf der schiefen Ebene sitzt, sollen nun abgetreppte Podeste hinter Mäuerchen die Situation «aufwerten». Statt der acht Birkensäcke haben dann laut Plan noch drei etwas grössere Bäume Platz. Doch jetzt hat der VCS gegen dieses Baugesuch Einsprache eingereicht, denn mit dem wesentlich vergrösserten Aussenbereich des Restaurants, mit neuen Mäuerchen und den Treppen zu den Podesten würde es eng: Für Fussgänger und Velos blieben an der schmalsten Stelle nur noch 3,5 Meter.
Wenn dort dann auch noch ein Zulieferauto stehe, werde es für ein Velo mit Kinderanhänger oder für ein Cargobike neben den herumstehenden oder querenden Studierenden viel zu schmal. Laut VCS braucht es mindestens 5 Meter. Kommt dazu, dass wegen der Mauern und Treppen die Velos künftig Kurven fahren müssten.
Ansicht von Westen: Es wird eng.
Nicht zuletzt geht es dem VCS ums Prinzp. Man könne in der Stadt St.Gallen nicht immer nur von Veloförderung reden, dann aber neue Hindernisse bauen. Nicht nur hier, sondern auch auf dem Güterbahnhofareal, wo künftig die Appenzellerbahn ein neues Trassee bekommen wird, dann aber die Strasse queren muss. Eine Barriere wird dann den Veloverkehr ausbremsen.
Eine neue Veloinitiative
Zwar sieht der Plan für die «Aufwertung» des Platzes vor der Fachhochschule auch einen neuen Velounterstand auf der Ostseite mit 22 Plätzen vor. Doch das versöhnt weder den VCS noch die SP: Die Partei jedenfalls kündigt in ihrer Publikation «Links» eine neue Veloinitiative an. Sie will einen Verpflichtungskredit von 15 Millionen verlangen, mit dem der Veloverkehr in der Stadt bis 2030 gegenüber heute verdoppelt werden soll. Dazu brauche es nicht nur Tiefbauarbeiten, sondern auch Planungskapazitäten – auch dafür soll das Geld dann ausgegeben werden.
Die letzte Veloinitiative der SP stammt von 1986 – nach bald 35 Jahren sei es Zeit für einen neuen Schub.
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