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Bastelei und Bildanalyse

Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger treiben ein verführerisches Spiel mit ikonischen Bildern der internationalen Fotogeschichte. Ihre Werke sind unter dem Titel «Double Take» ab 2. Juni in der Fotostiftung zu sehen.
Von  Katharina Flieger , 
Setting zu Making of «Paul Simonon at the New York Palladium, September 21st, 1979» (von Pennie Smith, 1979), 2016. © Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger

Die verheerende Tsunamiwelle von 2004 im indischen Ozean? Watte. Die Wasseroberfläche des Loch Ness, aus der das Monster «Nessie» auftaucht: Klarsichtfolie. Und die vermeintliche Mondoberfläche, in die sich der geschichtsträchtige Fussabdruck Edwin Aldrins 1969 eingräbt: Zementpulver.

Making of «AS11-40-5878» (von Edwin Aldrin, 1969), 2014. © Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger

Mithilfe solcher Materialien bauen die Zürcher Fotografen Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger Aufnahmen, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben, als dreidimensionale Modelle nach und fotografieren diese anschliessend ab. Die Bilder zeigen nicht nur ein verblüffendes Abbild der ikonischen Vorlage, sondern auch das Drumherum, die Ateliersituation. Scheinbar wahllos liegengelassene Utensilien, Abfall und Notizen vermitteln den Eindruck, als sei die Arbeit gerade eben abgeschlossen worden. Über vierzig dieser raffinierten Spielereien sind in der Ausstellung «Double Take» in Winterthur zu sehen.

Making of «Tian’anmen» (by Stuart Franklin, 1989), 2013. © Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger

Als forensische Detektive bezeichnen sich die beiden Künstler. Erst wird die Kamera fix positioniert, anschliessend bauen Cortis und Sonderegger die Szenerien vor der Linse nach – bis zu tausend digitale Bilder schiessen die beiden zum Abgleich von Modell und Vorlage, bevor sie mit dem Resultat zufrieden sind. Akribische Bildanalyse und Bastelei über mehrere Wochen oder gar Monate hinweg – und am Ende werden die Modelle zerstört.

Nichts für Eilige: Dekonstruktion und Rekonstruktion

Sascha Renner, Kurator der Ausstellung, erklärt seine Faszination für Cortis und Sondereggers Schaffen: «Die Arbeit ist raffiniert, humorvoll und tiefgründig zugleich. Sie lädt ein zu einem vergnüglichen Streifzug durch die Fotogeschichte, lässt uns aber auch immer wieder daran zweifeln, was unsere Augen sehen. Damit wecken diese Werke unsere Schaulust: Als Betrachter will man das Geheimnis des Making-ofs entschlüsseln, hinter die Illusion blicken.»

Making of «Le Grand Prix A.C.F.» (von Jacques-Henri Lartigue, 1913), 2016. © Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger

Die Spurensuche in den grossformatigen Bildern fordert allerdings ihre Zeit. Man muss sich erst auf Zement und Leim, auf Unordnung und scheinbar unbedeutende Details einlassen können, bis Referenzen und Bezüge erkennbar werden. Beim Bild «Fall of Saigon» etwa ist neben Spraydosen, Materialresten und Klebern an den Wänden ein Zeitungsartikel zu sehen, auf dem das Original von 1975 abgedruckt ist. Am linken Bildrand sind weitere ikonisches Dokumente aus dem Vietnamkrieg erkennbar, darunter die weltbekannte Aufnahme des «Napalm Girl».

Manipulierbarkeit und Wahrheitsgehalt

In den Räumen der Fotostiftung werden die grossformatigen Bilder so gehängt, dass untereinander Dialoge entstehen; ergänzt werden sie mit kurzen Filmen sowie ausgewählten Utensilien. «Double Take» erweckt alte Ikonen zu neuem Leben, widmet sich aber auch weniger bekannten Werken. Die Serie sei eine Hommage an all jene Fotografen, deren Fotos sie verwendet haben – «auch an die, die nicht sonderlich berühmt sind und deren Fotografien vermutlich nicht als so ikonisch gelten wie die der anderen», so Adrian Sonderegger.

«Double Take» – 2. Juni bis 9. September

Sonderveranstaltungen: 17. Juni und 2. September: Künstlerführung mit Cortis und Sonderegger
27. Juni: Führung mit Gerhard Paul, zu Fragen von Authentizität und Ikonisierung.

Fotostiftung Winterthur

Kennengelernt haben sich die beiden an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie zusammen Fotografie studiert und 2006 abgeschlossen haben. An der Serie mit den ikonischen Bildern arbeitet das Duo seit 2012, die bereits an zahlreichen internationalen Festivals zu sehen war.

Warum werden sie nun auch in Winterthur gezeigt? Sascha Renner verweist dabei auf das Schlagwort des «Postfaktischen»: «Fotografien waren schon immer vielschichtige Bedeutungsträger, offen für Interpretation und Manipulation. Heute werden wir jedoch vermehrt mit Informationen konfrontiert, die schwer überprüfbar sind. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt von Fotografie stellt sich daher mit neuer Dringlichkeit. Das Werk von Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger lässt uns dies auf eindrückliche Weise erfahren.»

Dieser Artikel erschien zuerst im Winterthurer Kulturmagazin Coucou.

Making of «9/11» (von Tom Kaminski, 2001), 2013. © Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

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Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

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Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

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Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

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Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

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Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

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01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

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FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

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«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

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VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

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Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,