UFF. Wie treffend. Dieses Album ist ähnlich abgefuckt wie die Zeit, in der wir leben. Wobei, nach den Ereignissen vom Mittwoch in den USA ist es schon fast eine Wohltat, wieder «nur» ein bisschen Pandemie und Kapitalismus in den Ohren zu haben.
Davon handelt UFF nämlich grösstenteils. Mit allen substanziellen Auswüchsen, die so ein Lockdown mitbringt, sofern man (noch) keine Kinder zu versorgen hat oder 80-Stunden-Wochen in einem systemrelevanten Betrieb schiebt.
Wie so oft bei Göldin und Bit-Tuner ist alles ein bisschen szenig, kryptisch, zynisch, doppeldeutig. Gespickt mit diversen Zitaten und Versatzstücken. Keine Ahnung, ob ein Satz genau so gemeint oder eine Referenz auf irgendein mega cooles popkulturelles Werk ist, das mir selbstverständlich völlig unbekannt ist. Mais bon, ich war schon immer zu uncool für Göldin & Bit-Tuner.
Dabei will ich doch eigentlich auch so verdammt cool sein und meine Kaputtness öffentlich zelebrieren und abfeiern können. Und nebenbei Pflastersteinsätze ballern wie: «Alte Ma stirbt, chlises Meitli läbt – Fairtrade.»
So endet der Opener #mikeskinner, eine Abrechnung mit neun Monaten Corona-Ausnahmezustand, in denen mehr gefickt und mehr gestorben wurde als normalerweise. Der Track ist eine, wenn man so will, zeitgenössische Adaption von The Streets Ansage Turn The Page (2002), inklusive Jungle, Garage Beats und Jimi Hendrix.
Auch Russisch? Bulgarisch? würde ich gerne können. Dann hätte ich möglicherweise verstanden, was Raw Flaw in Albisriede Altstette Hardbrugg Milchbuck rappt. Tönt jedenfalls sexy und hat wohl etwas mit rassigem Autofahren zu tun. Darf man ja noch während Corona. Obwohl man die 30 Kilometer auch mit dem Velo machen könnte – was bei der aktuellen Wetterlage auch sehr, sehr cool wäre.
Auch Manuel Stahlberger wurde mit Corona noch cooler. Er singt jetzt auf Autotune, während Göldin & Bit-Tuner auf Martini, Cognac und anderen Substanzen in White Dreams Weisse Träume abgleiten. Sehr eingängig, man kann den dreien nachfühlen. Gerade am Mittwoch in Washington hat man ja wieder sehen können, dass die White Dreams eben eher wahr werden als die der anderen.
Bring da Ruckus wäre eine Antwort darauf, auf die systemische Ungerechtigkeit und allgemein auf den Zustand der Welt. Leider können die Wu Tang-Schwerter wohl nicht viel ausrichten gegen schmelzende Polkappen, unterbezahltes Pflegepersonal oder den Überwachungsstaat. Da hilft wohl nur noch die Liebe, die Milena Patagônia like Erykah Badu famos besingt.
Göldin & Bit-Tuner: UFF. Erschienen bei Blaublau Records.
Oder ein Ausflug ins Dolder Spa mit Christoph Liniensnief und einem Gramm Koks im Sack. Auch das ein ganz cooler Dude. Hockt im Grand Hotel Abgrund mit seiner Versace-Jacke und nimmt das Ganze eher gelassen. Wer will da nicht mitziehen.
Wobei die Nachwehen beträchtlich wären. Und ebenso das Loch im Portemonnaie. Also doch zurück zur Liebe. Jede gute Platte braucht ein Liebeslied, hat mal jemand gesagt, und in diesem Fall heisst es Hungry Hearts. Milena Patagônia, Göldin & Bit Tuner orientieren sich dafür an Miike Snows Heart is Full – und plötzlich will man alt werden, statt jung und wild zu sterben. So schön kanns gehen.
Wäre da nicht der Rest der Welt, der nicht eben auf Liebe und Eintracht getrimmt ist. Der Soundtrack zur kapitalistischen Endlosgeisterfahrt, auf der mit der Pandemie immer neue Geschwindigkeitsrekorde gebrochen werden, müsste Alli Gege Alli heissen. Genau so stetig und monoton wird unser Untergang.
Was nicht heisst, dass wir es uns währenddessen nicht noch ein bisschen gutgehen lassen können wie die Skifahrerinnen landauf und landab. Hin und wieder einen Kommentar zur Lage der Nation hören und uns mit Christoph Liniensnief hinter dem BAG verkriechen. Falco und die Jungen Roemer habens vorgemacht, bis zum bitteren Abgang.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
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Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.