Pünktlich wie ich bin, habe ich gegen halb neun an der Palace-Kasse meinen Unterarm mit dem Tintenstempel tätowiert. Offenbar bin ich nicht der pünktlichste in St.Gallen. Alle Sitze des alten Kinos waren bereits besetzt mit Personen im Alter meiner Eltern. Dieser Zustand änderte sich jedoch in kürzester Zeit, denn wie zu erwarten, war auch die zweite Stahlberger-Show kurz vor Beginn ausverkauft.
Wie immer an allen Stahlberger-Konzerten ist das Publikum gut durchmischt. Viele kannten nicht mal das neue Album Dini Zwei Wänd. Sie wären einfach hier weil: «Alles, was Stahlberger macht genial ist und sich jeder damit identifizieren kann.» Solche Aussagen kamen von älteren wie auch ganz jungen Leuten. In der der heutigen Zeit mit allen Streaming-Anbietern ein Konzert zu besuchen, ohne die neuen Songs zu kennen, sei zwar «risky», aber der Effekt zugleich betörend bei positiver Darbietung.
Um etwa viertel vor zehn startet auch das Konzert. Als die Herren die Bühne betreten, bebt das ganze Palace unter dem Beifall. Manuel Stahlberger betont am Anfang, dass sie viele Songs der neuen Platte spielen. Dabei gucke ich meinen Gesprächspartner von vorhin nochmals an: Blick gespannt nach vorne, völlig gefangen zwischen Texten und Tönen bei Songs wie Schäbikon und Wieder i de Schuel.
In Gedanken schwebend beim Song Chliine Fisch, in der es um eine Frau geht, die gefangen im Alltag ist und am Ende einfach verschwindet. Düster aber ehrlich sind die Texte, und sie widerspiegeln unsere Gesellschaft, in der ja oft alles Schöne mit «Osterkuchen» vom Himmel gepredigt wird.
Vielleicht liegt es genau daran, dass ich überhaupt keine Handys in der Luft sehe. So muss ein Konzert. Bewegen, inspirieren oder anders gesagt: «Eine vor dä Latz».
In einem Punkt sind sich alle einig. Stadtyeti ist der beste Song des neuen Albums. Auch mein Gesprächspartner scheint Gefallen daran zu finden: Kinnlade ganz unten, glasige Augen inklusive. Er schwebt in den sphärischen Klängen, die vor allem Marcel Gschwend alias Bit-Tuner zu verdanken sind.
Am Ende Des Songs fragt er mich, wer denn jetzt dieser Yeti sei? Meine Antwort: «Hast du nicht zugehört? ‹Agmolte Hydrant›, vielleicht ‹en Pfoschte›, aber du darfst dich gerne auch als Stadtyeti bezeichnen.»
Nach einigen Songs mehr ist die Setlist bereits abgearbeitet und das «Zugabe»-Spiel beginnt. Ich bin überhaupt kein Fan dieses Akts. Völlige Zeitverschwendung, wenn ihr mich fragt, und das Ganze ist sowieso «scripted».
Regebogesidlig erscheint im neuen elektronischen Gewand und ich habe noch nie so viele Leute gehört, die dem Klimawandel so viel Stimme verleihen.
Alles in Allem, behaupte ich, ist Dini Zwei Wänd bis jetzt der beste Release der Band Stahlberger. Und vielleicht heisst ja der Stadtyeti mit Vornamen Walter…
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.