70 Geldgeber (mutmasslich männlich) mit je 100’000 Franken: Das ist das Startkapital der Klartext AG rund um Ex-Bankier Konrad Hummler, die den «Nebelspalter» neu herausgibt. Das gemeine Fussvolk zahlt 16 Franken pro Monat fürs Abo, um die Texte lesen zu können.
Mit dem Geld wurde zumindest in Technik investiert: Video-Talks in aller Breite sollen Quote bringen. Originellerweise interviewt zum Auftakt Reto Brennwald Markus Somm, Selbstbespiegelung geht immer. Ähnlich das als «Friendly Fire» betitelte, vierzehntäglich geplante Streitgespräch zwischen Somm und «Aktion-Libero»-Mitgründerin Laura Zimmermann. Die Themen: Bundespolitik und Royal Family. Die Tonlage: Wir sind per Du und mögen uns.
Im übrigen ist der neue «Nebelspalter» so, wie man es von der «Boygroup von Journalisten» (O-Ton CH-Media) rund um Markus Somm erwarten musste: Die Männer erklären die Welt, die Frauen erklären die Frauen.
Ein rundes Dutzend gestandene Schreiber wissen besser, wie man richtige Corona-Politik, EU-Politik, Basler oder Zürcher Politik, Klimapolitik, Subventionspolitik, Gesundheitspolitik machen müsste. Viel Behauptung, kaum Recherche, die bekannten Positionen.
Die (wenigen) Frauen dagegen sind mit sich beschäftigt. Claudia Wirz hält dem «linksfeministischen Tunnelblick» 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts entgegen: «Dafür, dass 1971 eine Mehrheit der Männer für die Einführung des Frauenstimmrechts votierte, gebührt den Männern Anerkennung, nicht Häme.» Dominique Feusi reflektiert die Problematik von Skinny Jeans. Tamara Wernli macht sich über die «armen Frauen» lustig. Und Gioia Porlezza mutmasst, dass Frauen sich Sexismus verdienen müssen und warum gerade sie von Somm geholt worden sei. Nein, nicht weil sie «no e Frau bbruucht händ».
Willkommen im dicksten muffigsten Gendernebel.
Ah ja, Satire. Gibt es auch: eine Karikatur über Geflüchtete in Mallorca aus der untersten rassistischen Schublade, dem noch weiter existierenden gedruckten «Nebelspalter» entnommen. Carl Böckli alias Bö, der den «Nebi» einst gross gemacht hat, würde sich im Grab umdrehen und am Bö-Museum im ausserrhodischen Heiden den Laden herunterlassen.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.