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Bö würde sich im Grab umdrehen

Den «Nebelspalter» gibt es seit Donnerstag neu als Online-Magazin. Viel Palaver, null Satire und ein muffiges Geschlechterverhältnis: Willkommen in der Rückwärts-Schweiz.
Von  Peter Surber
Carl Böckli. (Bild: pd)

70 Geldgeber (mutmasslich männlich) mit je 100’000 Franken: Das ist das Startkapital der Klartext AG rund um Ex-Bankier Konrad Hummler, die den «Nebelspalter» neu herausgibt. Das gemeine Fussvolk zahlt 16 Franken pro Monat fürs Abo, um die Texte lesen zu können.

Mit dem Geld wurde zumindest in Technik investiert: Video-Talks in aller Breite sollen Quote bringen. Originellerweise interviewt zum Auftakt Reto Brennwald Markus Somm, Selbstbespiegelung geht immer. Ähnlich das als «Friendly Fire» betitelte, vierzehntäglich geplante Streitgespräch zwischen Somm und «Aktion-Libero»-Mitgründerin Laura Zimmermann. Die Themen: Bundespolitik und Royal Family. Die Tonlage: Wir sind per Du und mögen uns.

Im übrigen ist der neue «Nebelspalter» so, wie man es von der «Boygroup von Journalisten» (O-Ton CH-Media) rund um Markus Somm erwarten musste: Die Männer erklären die Welt, die Frauen erklären die Frauen.

Ein rundes Dutzend gestandene Schreiber wissen besser, wie man richtige Corona-Politik, EU-Politik, Basler oder Zürcher Politik, Klimapolitik, Subventionspolitik, Gesundheitspolitik machen müsste. Viel Behauptung, kaum Recherche, die bekannten Positionen.

Die (wenigen) Frauen dagegen sind mit sich beschäftigt. Claudia Wirz hält dem «linksfeministischen Tunnelblick» 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts entgegen: «Dafür, dass 1971 eine Mehrheit der Männer für die Einführung des Frauenstimmrechts votierte, gebührt den Männern Anerkennung, nicht Häme.» Dominique Feusi reflektiert die Problematik von Skinny Jeans. Tamara Wernli macht sich über die «armen Frauen» lustig. Und Gioia Porlezza mutmasst, dass Frauen sich Sexismus verdienen müssen und warum gerade sie von Somm geholt worden sei. Nein, nicht weil sie «no e Frau bbruucht händ».

Willkommen im dicksten muffigsten Gendernebel.

Ah ja, Satire. Gibt es auch: eine Karikatur über Geflüchtete in Mallorca aus der untersten rassistischen Schublade, dem noch weiter existierenden gedruckten «Nebelspalter» entnommen. Carl Böckli alias Bö, der den «Nebi» einst gross gemacht hat, würde sich im Grab umdrehen und am Bö-Museum im ausserrhodischen Heiden den Laden herunterlassen.

 

 

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