Im Jahr 2012 beschloss Mohamad Fakhro, Vize-Direktor des Nationalmuseums in Aleppo, zusammen mit seinem Team, Ausstellungsstücke und Kulturgüter zu retten und in Sicherheit zu bringen. Der Bürgerkrieg war ein Jahr zuvor ausgebrochen und es zeichnete sich ab, dass sich die Situation verschlimmern würde. Während vier Monate kopierten Studierende der Universität Aleppo 120’000 Objekte des Nationalmuseums. Die Originale und Kopien liess Fakhro dann an sicherere Orte wie nach Damaskus transportieren.
Er selbst blieb im Museum, lebte und arbeitete dort drei Jahre lang, während draussen die Bomben einschlugen. «Es gab Monumente und Statuen im Museum, die zu gross und schwer waren für den Transport und wir experimentierten mit verschiedenen Möglichkeiten, sie vor dem Krieg zu schützen. Damit hatten wir bislang keine Erfahrung», sagte er am Mittwoch beim Syrien-Abend im Historischen und Völkerkundemuseum in St. Gallen.
Schutzbauten im Nationalmuseum von Aleppo.
So stapelten er und sein Team zunächst Sandsäcke um die Statuen im Park und im Inneren des Museums. Das Ganze erwies sich aber als zu instabil. Als nächstes zimmerten sie Holzwände um die Monumente und Statuen herum und füllten entweder Sand oder Zement hinein. «Mit dieser Methode konnten wir die Kunstwerke zumindest vor Einschüssen, Geschossen und herumfliegenden Splittern schützen», sagte er. Und fügt an: «Bis jetzt ist uns die Rettung des Museums gelungen.»
Artefakte auf Ebay
240 Monumente wurden seit Kriegsbeginn alleine im Zentrum von Aleppo zerstört, landesweit sind es 5000, schätzt Fakhro. «Das sind mindestens 50 Prozent aller archäologische Sehenswürdigkeiten, Kulturgüter und Fundstätten.» Zu den berühmtesten Orten, die zerstört oder teilweise zerstört wurden, gehören die Zitadelle von Aleppo, die grosse Moschee von Aleppo, der historische Markt von Aleppo, die Kreuzritterburg und das Unesco-Weltkulturerbe Crac des Chevaliers im Westen Syriens, Teile der Antiken Ruinenstadt Bosra, die berühmten toten Städte und die Oasenstadt Palmyra. Dort sprengten die Dschihadisten mehrere Tempel und den Triumphbogen.
Die zerstörte Zitadelle von Aleppo. (Bilder: Mohamad Fakhro)
Hinzu kommt der Schaden durch Grabräuber, welche die Artefakte verkaufen. 9000 syrische Artefakte sind so auf den Markt gelangt, schätzt der Archäologe Manar Kerdy, der derzeit an der Universität Basel doktoriert. «Auf Plattformen wie Ebay und Amazon findet man überall archäologische Objekte aus Syrien», sagt er. Sogar im Brockenhaus habe er kürzlich zwei historische Artefakte gefunden.
«Syrische Archäologen berichten» war Teil der Veranstaltungsreihe «Archäologie aktuell. Von Syrien bis zum Zürichsee» im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen. Weitere Anlässe bis 12. März.
Die Ausstellung «Guge. Vergessenes Königreich in Westtibet» gibt Einblick in eine uralte Kultur, die ihrerseits von Zerstörung bedroht oder bereits zerstört worden ist: bis 11. Juni.
Infos: www.hvmsg.ch
Bevor der Krieg ausbrach, arbeitete Kerdy in Syrien zusammen mit Basler Forschern an einer Grabung. Diese luden ihn ein, in Basel seine Doktorarbeit zu schreiben. In Syrien hätte Kerdy nach Kriegsbeginn sowieso nicht bleiben können. Archäologen sind in den Augen der Terrormiliz Ketzer. Der 82-jährige Chef-Archäologe von Palmyra etwa wurde enthauptet.
Forschen für den Wiederaufbau
«Sobald der Krieg vorbei ist, wollen wir zurückgehen und unser Land wieder aufbauen. Das ist unsere Mission», sagt Mustafa Al Najjar, der wie sein Studienkollege Manar Kerdy an der Universität Basel doktoriert. Und Kerdy ergänzt: «Gerade aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die Flüchtlinge Zugang zum Schweizer Bildungssystem erhalten. Wir brauchen eure Unterstützung für die Zukunft unseres Landes.»
Auch Vize-Museumsdirektor Mohamad Fakhro ist mit seinen Gedanken und mit seiner Forschung in Syrien und bei dessen Wiederaufbau. An der Universität Bern arbeitet er derzeit an seiner Doktorarbeit zum Wiederaufbau von Museen und archäologischen Städten in Nachkriegszeiten.
Die Archäologen aus Syrien im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen. (Bild: Nina Rudnicki)
«Die Lage in Aleppo ist alles andere als stabil. Die Rebellen befinden sich nur fünf Kilometer von der Stadt entfernt. Aber wir haben Hoffnung auf ein Ende des Krieges», sagt er. «Jetzt ist daher der richtige Zeitpunkt, um zu planen, Teams und Experten für die Restauration und den Aufbau zusammenzustellen. Die Restauration selbst ist erst der nächste Schritt.»
Ziel sei es, dass Syrien einst wieder das ist, was es vor dem Krieg war: Eines der schönsten und vielfältigsten Länder. Ein Land, in dem – wie Sarah Leib, Kuratorin am Historischen und Völkerkundemuseum in ihrer Einleitung sagte – seit Tausenden von Jahren Menschen mit verschiedenen Glaubensrichtungen, Ethnien und Kulturen lebten. Ein Land, in dem Mesopotamier, Assyrer, Perser, Griechen und Römer ihre Spuren hinterliessen und das für seine sechs Unesco-Weltkulturerbestätten bekannt war.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch