Die Freude ist gross: Die Bibliothek in der Hauptpost geht auf. Sie ist zwar ein Provisorium, aber ein «wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Public Library», wie Regierungsrat Martin Klöti sagte, und «eine Investition für kommende Generationen», wie Stadtpräsident Thomas Scheitlin ergänzte. Viele schöne Worte wurden an der Eröffnungsfeier gesagt. Das schönste zitierte der Slammer Richi Küttel aus dem Roman «Schlafgänger» von Dorothee Elmiger: «Esther blickte ernst aus dem Fenster, sie habe eine Veränderung festgestellt in der Stadt, sagte sie, aber genau benennen könne sie sie nicht.»
Benennen wir die Veränderung: St.Gallen hat endlich eine Hauptstadt-Bibliothek. Und der Anstoss kam von unten, aus dem Volk.
Wir sind das Volk zum ersten: Dass heute die Bibliothek in der Hauptpost eröffnet werden kann, ist das Verdienst der Bibliotheksinitiative. Ohne sie und ihre über 10’000 Unterschriften hätten die Behörden nach dem «Nein» der Kantonsregierung keinen Finger gerührt. Einer der vielen Blumensträusse am Donnerstagabend hätte den Initianten um Ralph Hug und Johannes Stieger gehört. Der einzige, erst noch leicht zu überhörende Satz von Kulturdirektor Martin Klöti an die Adresse der Bibliotheksinitianten war entschieden zu wenig.
Wir sind das Volk zum zweiten: Dass die Männer die Strippen ziehen und die Frauen arbeiten, hätte sich kaum symbolträchtiger illustrieren lassen als durch die Schlüsselübergabe. Vier Mann (die Regierungsräte Martin Klöti und Willy Haag, die Stadträte Thomas Scheitlin und Markus Buschor) überreichten den omnipotenten, von der Künstlerin Andrea Vogel gestalteten Schlüssel an die Damen vom Kanton (Kulturamtsleiterin Katrin Meier, Kantonsbibliothekarin Sonja Abun-Nasr) und Stadt (Christa Oberholzer, Leiterin der Stadtbibliothek, und Marlies Angehrn, Leiterin des Schulamts). Die Kantonsbibliothekarin sagte dann zum Dank sehr kurz, aber präzis das Entscheidende: Sie nehme den Schlüssel stellvertretend für die Bevölkerung entgegen.
Wir sind das Volk zum dritten: Dass das Provisorium keine Dauereinrichtung sein wird, wurde an der Eröffnung zwar angedeutet, aber nicht in aller Klarheit gesagt. Die Wahrheit lautet: Das Hauptpost-Gebäude muss längerfristig grundlegend saniert werden, die Post verlässt in einigen Jahren den Ort definitiv, und wenn es dann ums Renovieren geht, muss die Bibliothek entweder vorübergehend zügeln oder (falls ein anderer Standort auftaucht) dauerhaft wieder ausziehen. Für das Lese-Volk heisst es deshalb: Erobert die neue Bibliothek, solange es sie gibt!
Jemand hat nach der gestrigen Eröffnung gesagt: Sie glaube jetzt wieder ein bisschen mehr an diese Stadt.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
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Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
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Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.