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«Dann wird plötzlich von Leuchttürmen gesprochen»

Iris Betschart über die Kommunikation mit den städtischen Behörden und die schwierige Suche nach Kultur- und Atelierräumen in St.Gallen.
Von  Corinne Riedener
Iris Betschart, 1978, ist Kulturschaffende und Künstlerin. Sie lebt in St.Gallen. (Bild: Tine Edel)

Saiten: Fünf Parteien gibt es in eurem Atelierhaus an der Hinteren Bahnhofstrasse. Wie viel gibst du für deinen Raum aus?

Iris Betschart: Ich habe mein Atelier seit bald 20 Jahren in diesem Haus, am Anfang war ich noch Untermieterin. Der Preis ist mit der Zeit etwas gestiegen, heute zahle ich knapp 300 Franken. Das ist okay, denn es setzt mich wirtschaftlich noch nicht unter Druck. Ab 400 Franken wird es eng und dann unmöglich. So geht es den meisten bei uns.

Ende Januar müsst ihr raus aus dem Haus. Du hast bereits
etwas Neues gefunden – wie gestaltete sich die Suche nach einem neuen Atelier?

Ich habe mir in den letzten Monaten etwa acht Räume angesehen. Die meisten waren entweder zu klein oder der Preis war überrissen. Wenn der Preis mal stimmte, fehlte das fliessende Wasser oder es hatte keine Heizung. Auch in den «günstigeren» Stadtteilen sind die Vermieter gierig geworden und argumentieren mit «bester Lage». Ein weiteres Problem war das «Flair»: Viele Räume, die ich mir angeschaut habe, waren ziemlich neu und steril – nicht wie unser Haus an der Hinteren Bahnhofstrasse, wo wir ungeniert schalten und walten können und uns nicht jedes Mal überlegen müssen, ob wir diesen Nagel wirklich in die Wand schlagen können.

Die Stadt hat eure Liegenschaft per 1. September im Baurecht
an die Firma Okutex abgegeben. Ihr kritisiert die Kommunikation des Liegenschaftenamts. Was ist da genau passiert?

Wir beschweren uns nicht, weil wir raus müssen, sondern weil wir vom Liegenschaftenamt nicht früher und konkreter informiert wurden. Die Nachricht zum Besitzerwechsel kam erst am 29. August. Ein Tag vorher habe ich sogar noch mit dem Liegenschaftenamt telefoniert – weil sie meine Mailadresse wollten. Dann habe ich eine Email erhalten, in der stand, dass die Liegenschaft samt unseren Verträgen abgegeben wurde und wir die Miete ab 1. September 2016 künftig an Okutex überweisen sollen. Wir bekamen aber weder den Kontakt zum neuen Besitzer noch sonstige Informationen, und erst als wir nachgefragt haben beim Liegenschaftenamt, sagte man uns, dass wir das Haus wohl zu 99 Prozent verlassen müssen – Kündigungsfrist: zwei Wochen. Das sei normal bei Ateliers. Also drei Monate für Wohnraum, sechs für das Gewerbe und zwei Wochen für Ateliers?

Wie hat Okutex reagiert?


Zum Glück sehr verständnisvoll! Als wir angerufen haben, um zu fragen, ob und wann wir ausziehen müssen, wurde uns versichert, dass wir ganz bestimmt nicht innert zwei Wochen gehen müssen und wir sicher eine Lösung finden werden. Uns fiel ein Stein vom Herz. Und als wir uns einige Tage später mit dem neuen Besitzer getroffen haben, bestätigte sich dieser Eindruck: Er bedauerte es, dass wir nicht schon viel früher informiert worden waren und zeigte sich sehr kooperativ. Kurz darauf wurde uns dann auch mitgeteilt, dass wir sicher noch bis Ende Januar 2017 bleiben können. Damit können wir gut leben, denn nun bleibt uns genug Zeit für den Abschied und den Umzug. Und mittlerweile haben auch alle einen neuen Ort gefunden.

Wie kommt man an solche Räume?


Es ist nicht einfach. Am besten fragt man überall herum. Einerseits gibt es in der Stadt seit mehreren Jahren freistehende Liegenschaften, zum Beispiel das Hotel Ekkehard, den Kino-Corso-Komplex am Burggraben oder die Migros am Unteren Graben, andererseits weiss man oft gar nicht, an wen man sich wenden muss, weil vieles ja in privater Hand ist. Wie kann es sein, dass Liegenschaften nahe am Zentrum über Jahre hinweg langsam zerbröckeln?

Und wenn man einfach beim Grundbuchamt nachfragen würde?

Natürlich. Ich würde mir aber wünschen, dass eine unter- stützende Organisation in St.Gallen vorhanden wäre. Weniger Schranken. Klar gibt es auch Projekte, die von der Stadt unterstützt werden, das Lattich-Quartier beim Güterbahnhof oder das Werkhaus 45 etwa, aber da kann man sich auch fragen: Ist das wirklich der Stadt zu verdanken? Meistens braucht es ja den öffentlichen Druck oder mindestens die Hilfe der Fachstelle Kultur, bis sich wirklich etwas tut…

Es gibt auch Leute, die sagen, dass bei den Behörden ein Unterschied gemacht werde: «gute» Kultur vs. «böse» Kultur.

Sicher. Es braucht viel, bis es einmal heisst: Hey, die machen ja echt gute Sachen! Werkbeiträge sind meistens gute Wegbereiter dafür – dann wird plötzlich von Leuchttürmen gesprochen. Absurd wird es dann, wenn man denkt: Ich bräuchte dringend wieder einmal einen Werkbeitrag, sonst kann ich mir die Miete nicht mehr leisten. Oder wenn ein Stadtratsmitglied sagt, es habe doch diesem und jenem Künstler geholfen, etwas zu verwirklichen. Das ist unfair. Man sollte die Kulturschaffenden viel selbstverständlicher unterstützen von behördlicher Seite – auch jene, die keinen heissen Draht zum Stadtrat haben.

Knecht Ruprecht:
1. bis 18. Dezember, jeweils Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 22.30 Uhr, Hintere Bahnhofstrasse 11, St.Gallen

knechtruprecht.ch

Zum Abschied wird ab Dezember das Projekt «Knecht Ruprecht» an der Hinteren Bahnhofstrasse einziehen. Was erwartet uns da?

Knecht Ruprecht ist nicht Nikolaus; da ist alles ein bisschen improvisierter, ein bisschen weniger perfekt, dafür umso heimeliger. Knecht Ruprecht ist eine gemütliche Stube mit Bar, Kaffee, Kuchen und Suppe. Dazu gibt es kleine Konzerte, eine Bastel- und Spielecke, Lindyhop, ein Kinderkino und vieles mehr. 2014 waren wir mit diesem Projekt im Eiscafé Gecko in der Engelgasse zu Gast – ein Erfolg und mehr als gut besucht. Letztes Jahr wollten wir es an einem anderen Ort machen, haben aber nichts Passendes gefunden, weil wir ja nicht wirklich Miete bezahlen können. Mit dem bevorstehenden Umzug – und auch dank dem Goodwill von Okutex – nutzen wir nun die Gelegenheit und weiten Knecht Ruprecht etwas aus: Dieses Jahr gibt es neu einen Pop-Up Store im ersten Stock und ein Yoga-Studio im zweiten Stock.

Dieses Gespräch erscheint im Dezemberheft von Saiten.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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Cy­borg-Ka­ker­la­ken

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Contrapunkt 1 martin fluege

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Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

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Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

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St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

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Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

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Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

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An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

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Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

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2609 Redeplatz Karin Tobias 01

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Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

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2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

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Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

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Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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