Zum Beispiel der «Adler» in Herisau: eine Beiz für Menschen mit grossem Hunger und fest getakteten Arbeitspausen. Die Portionen sind reichlich, die Wartezeiten kurz, die Decken niedrig, die Fenster klein und an den Wänden hängen … Sonnenuntergänge?! Ölgemälde von Sonnenuntergängen sind nicht das, was üblicherweise eine Beiz im Appenzellerland schmückt, auch nicht den «Adler». Gemalt und platziert hat sie Francisco Sierra. Er bricht damit gleich mehrere Tabus: Er verweist Sennenbilder vom Platz, holt artfremden Kitsch in die Gaststube und verleiht dem meisttrivialisierten Landschaftsmotiv künstlerische Ausstrahlung.
Neun Jahre nach «hitz ond brand»
Sierra ist einer von 35 Kunstschaffenden, die seit 2002 einen Werkbeitrag der Ausserrhodischen oder der Innerrhoder Kunststiftung erhalten haben; Kunstschaffende, deren Werke in beiden Kantonen selten präsent sind, da Ausstellungsräume fehlen.
Schon das Projekt «för hitz ond brand» machte im Jahre 2007 aus dieser Not eine Tugend und nutzte die bestehenden, meist historisch-ethnologisch ausgerichteten Museen für die zeitgenössische Kunst. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler reagierten mit spezifischen Werken auf die Sammlungen der jeweiligen Häuser und sorgten für gute Dialoge, nicht nur zwischen den Werken, sondern auch beim Publikum.
Nun nimmt «à discrétion» diesen Faden wieder auf. Diesmal allerdings nicht in Museen, sondern in Wirtshäusern. Einst zum Nebenerwerb gegründet von Bauern, Bäckern oder Metzgern, dann ausgebaut mit Tanzsälen und Gastzimmern, steht heute manches Gasthaus leer. Andere konnten sich halten, manche sind zum Hotel herangewachsen, wieder andere haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt.
Präzise Interventionen
Beizen sind Orte des Austauschs geblieben. Hier begegnen sich Wirtsleute und Gäste, Ausflügler und Einheimische und nun auch Kunstschaffende und ihre Besucher. Dreissig Künstlerinnen und Künstler sind der Einladung der Kunststiftungen gefolgt und präsentieren eigens entwickelte Arbeiten in selbst gewählten Gasthäusern. Darunter sind sowohl grosse, bekannte Gastronomiebetriebe, aber auch kleine, feine Beizen abseits der Hauptrouten.
Eröffnungsfest: Sonntag, 21. August 2016, 14 Uhr Dorfplatz und Kronensaal Gais.
Interventionen von Nora Rekade/Thomas Stüssi, Nicole Schmid, Karin Karinna Bühler und Steven Schoch. Musik: Blechbläserquintett Trio Herzschmerz
Ebenso vielfältig wie die Gastgeber sind die künstlerischen Positionen. Es gibt Interventionen, die so wirken, als seien sie immer schon da gewesen, die aber umso wirkungsvoller sind, wenn sie bemerkt werden, wie Christian Hörlers Einbauten in der Bar der «Krone» in Heiden. Es gibt passgenaue Stücke im Aussenraum etwa von David Berweger, ebenfalls in Heiden, oder von Thomas Stüssi und Nora Rekade, die auf der Ebenalp den Alpstein verdoppeln. Vera Marke hat nach umfangreichen Recherchen den Eingangsbereich der «Krone» in Hundwil neu ausgemalt und nimmt die Zierelemente der Rokokomarmorierung des Hauses wieder auf. Jeannice Keller und Peter Stoffel haben unabhängig voneinander das Thema der Fahne für sich entdeckt, einmal vor dem «Schlössli» in Appenzell und einmal auf der Ebenalp und dem Schäfler. Stefan Inauen renoviert das zur Grümpelkammer abgewertete Heim des Schützenvereins im Hof Weissbad und Barbara Brülisauer bringt einen Baum neben dem Stoss zum Sprechen.
Fotografie, Plastik, Malerei, Video, Tischgespräch oder die Mental Sculpture wie von Karin K. Bühler – das Spektrum ist so breit wie das einer ausgewogenen Speisekarte. Damit möglichst viel davon genossen werden kann, hat die Projektgruppe hinter «à discrétion» Tourenvorschläge erarbeitet. Ob mit dem Velo, zu Fuss oder mit Postauto und Bähnli – sie laden ein, sich auf den Weg zu begeben, um Gaumen, Augen und Hirn gleichermassen anzusprechen. Vorerst aber wird am Sonntag in Gais zur Eröffnung aufgetischt.
Infos hier.
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
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Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
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Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
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Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
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Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.