Austauschprojekte verlaufen oft relativ einseitig – noch immer ist es die viel häufigere Praxis, dass Europäerinnen zu Forschungszwecken nach Afrika reisen, nicht umgekehrt.
Das ist einer der Gründe, weshalb das gemeinsame Projekt «Learning for (Ex)change» der Universitäten Basel und Namibia entstand. Es zielt darauf ab, den Austausch gleichberechtigt zu gestalten. Genauso lange wie die Studierenden der Schweiz sich mit Namibia befassen, beobachten die namibischen Studierenden anschliessend die Schweiz. An beiden Orten werden Fragen zum laufenden und vergangenen Strukturwandel gestellt.
Die Diamantenstadt
Oranjemund liegt im Süden Namibias, auf der Nordseite der Orange River-Mündung. Das Nordufer des Flusses bildet gleichzeitig die Grenze zu Südafrika. Die Stadt wurde in den 1930er-Jahren als Lager für Diamantminenarbeiter gebaut und war bis 2011 im Privatbesitz des Diamantenkonzerns Namdeb. Von oben betrachtet ist die Stadt eine überraschend grüne Fläche mitten in der Wüste.
Öff. Präsentation der ersten Feldforschungsergebnisse: 16. Juli, 17.30 Uhr, Haus Erika, Gonten
Unter der früheren Besatzung Namibias durch Apartheid-Südafrika wurde Oranjemund zu einem Zentrum der Wanderarbeit: Für den Betrieb der Mine wurden tausende von Arbeitern in Nordnamibia rekrutiert und nach Oranjemund gebracht. Die meisten von ihnen mussten ihre Familien zurücklassen. Für weisse Arbeiter war es häufiger möglich, sie mitzubringen. Bis heute sieht man in der ganzen Stadt die Spuren der Apartheid. Gute Infrastruktur, Freizeitangebote und Zugang zu diversen Gütern stand den Weissen zu. Sportclubs, Häuser und Friedhöfe waren nach Hautfarbe getrennt.
Mit zunehmender Verlagerung der Diamantenförderung in den Atlantik und den damit verbundenen Plänen, das Diamantensperrgebiet in einen Nationalpark umzuwandeln, wurde Oranjemund vor zwei Jahren zu einer öffentlichen Stadt. Seit Oktober 2017 ist sie frei zugänglich. Zuvor konnte man sie nur mit einer Sonderbewilligung betreten, wenn man nicht dort wohnte. Noch ist unklar, ob und wann die Mine endgültig schliesst. Bis heute bildet sie den Hauptwirtschaftszweig für Oranjemund. Die Frage, wie die Stadt ohne Mine überleben könnte, bleibt offen.
Man sagt, alle können in Oranjemund einen Diamanten finden. Aber es wäre besser, ihn sofort ins Meer zu werfen oder liegen zu lassen, da es strikt verboten ist, als Privatperson Diamanten aus diesem Gebiet mitzunehmen.
Um mehr über mögliche Entwicklungen in der Region herauszufinden, setzten sich die Sudierenden in fünf Gruppen mit verschiedenen Schwerpunkten auseinander: Food production, Main economic sector(s), Built environment/Infrastructure, Toursim und Future and Visions.
Ebenfalls Teil dieser Gruppen waren fünf «Young Professionals»; Personen zwischen 23 und 30 mit verschiedenen Berufserfahrungen und jeweiligem Lokalbezug. Zwei aus der Schweiz, zwei aus Oranjemund und eine junge Berufstätige aus Windhoek, die in Oranjemund aufwuchs. Ziel dieser Einbindung war die gegenseitige Inspiration; ein neuer, eher praktischer Blick auf Kleinstädte für die Studierenden und akademische Inputs für die Young Professionals. Die Fachbereiche der Studierenden setzen sich zusammen aus African Studies, Geschichte, Geografie, Tourismus und Umweltwissenschaften.
Die Built Environment/Infrastructure-Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse.
Die Tage in Oranjemund gingen schnell vorbei – zum einen, weil gerade Winter ist in Namibia und ab 17.30 Uhr optisch die Nacht beginnt, zum andern, weil unser Domizil in Windhoek war, was zweimal zwei Tage Busfahrt bedeutete und somit nur noch sieben eigentliche Oranjemund-Tage übrig blieben. Diese wurden mit Interviews, Umlandserkundungen und Stadtstreifzügen gefüllt. Am letzten Abend fanden Präsentationen der vorläufigen Beobachtungen der Gruppen statt, vor einer kleinen, interessierten Öffentlichkeit im Zentrum von Oranjemund.
Über- und Untertourismus
Am 9. Juli ging es weiter mit Teil zwei der Gruppenarbeit in der Schweiz, der mit einem Crashkurs über Appenzeller Geografie und Geschichte an der Universität in Basel begann. Seither bewohnt die Gruppe ein Haus in Gonten, von wo aus sich ebenfalls viele Erkundungstouren machen lassen.
Die Gruppen und Themen bleiben gleich, die Bedingungen und Ausprägungen des Strukturwandels sind aber sehr verschieden. Der grösste Wandel im Appenzellerland geschah schon lange – er begann mit dem Niedergang der Textilindustrie und der Handstickerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber auch die Reaktionen auf den Wandel sind sehr unterschiedlich.
Zwar setzen sowohl Appenzell als auch Oranjemund zum Beispiel auf Tourisms, aber während dieser Wirtschaftszweig in Oranjemund von Grund auf neu geschaffen werden musste, kann Appenzell auf eine lange Geschichte von Kur- und Bädertoursimus aufbauen. Ausserdem sind die finanziellen und staatlichen Unterstützungen in Oranjemund minimal und die Distanzen zu Städten riesig. Während in Appenzell zur Hauptsaison beinahe ein Überinteresse und -Angebot besteht, gibt es in Oranjemund noch keinen erwähnenswerten Tourismus.
Was für neue Erkenntnisse und Erfahrungen hinzukamen und welche Vergleiche trotz aller Unterschiede sinnvoll sind, wird sich zeigen – spätestens am 16. Juli. Dann findet im Haus Erika in Gonten die zweite öffentliche Präsentation statt – alle sind herzlich willkommen. Anschliessend geht es für die letzten drei Tage weiter nach La Chaux-de-Fonds, wo der Rückgang der Uhrenindustrie in den 1970er-Jahren bis heute grosse Auswirkungen auf die Stadt hat.
Julia Kubik ist Saiten-Comiczeichnerin und Autorin und war in diesem Projekt als Young Professional beteiligt.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
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Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
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Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.