Erlebnisse und Erinnerungen sind unweigerlich mit dem Ort verbunden, an dem sie stattgefunden haben. Wenn Fussballfans in der Vergangenheit schwelgen, ist die Nostalgie oft mit Erinnerungen an Stadien verbunden. Vermutlich haben Stadionnamen auch deshalb eine so grosse Bedeutung für Fussballfans. Und vielleicht sträuben sich auch deshalb so viele gegen den Verkauf der Namensrechte von Stadien, weil sie Angst haben, einen Teil ihrer Geschichte, einen Teil ihrer Identität zu verlieren.
Gerade bei neuen Stadien scheint diese Angst vorzuherrschen. Verständlich: Ein Sponsor wird den Namen nie auf ewig für sich beanspruchen. Zum Glück!, werden die Fans des deutschen Vereins Greuter Fürth sagen, deren Stadion zwischenzeitlich schon mal «Playmobil-Stadion» oder «Trolli Arena» hiess. Namenwechsel sind also vorprogrammiert. Ein Fan will sich aber beim Rückblick nicht überlegen müssen, war das jetzt noch in der «AOL Arena», in der «HSH Nordbank Arena» oder in der «Imtech Arena», wie es die Fans des Hamburger SV tun müssen.
Nicht so schön: «Neues Stadion St.Gallen»
Nachdem der FC St.Gallen fast 100 Jahre im Quartierstadion im Osten, dem Espenmoos, beheimatet war, spielt er nun seit 2008 in der AFG-Arena. Damit haben sich viele Fans nie anfreunden können. Mit dem Namen schon gar nicht. Unter dem Verkauf der Namensrechte der Arena im Westen leiden die FCSG-Fans seit Beginn, seit sieben Jahren. Man versucht sich mit Kürzeln wie NSSG – für «Neues Stadion St.Gallen» – zu behelfen. So richtig schön ist das aber auch nicht.
Wenn in drei Jahren der Vertrag mit der Arbonia-Forster Gruppe ausläuft, wird wohl ein anderer Sponsor kommen, denn die AFG durchlebt turbulente Zeiten. Ein erneutes Sponsoring wird kaum zur Debatte stehen. Das ist die Chance, eine Diskussion anzustossen. Unsere Heimat hat einen Namen verdient, der nicht wie ein Spieler ausgewechselt wird. Und wenn er nur inoffiziell ist. Der Espenblock heisst schliesslich auch nicht offiziell so, trotzdem kennt kaum einer den «richtigen» Namen. Doch wie soll dieser Name lauten?
Nicht so prickelnd: «Stadion Winkeln»
Die Umgebung des Stadions gibt leider nicht viel her. «Stadion an der Zürcher Strasse» fällt aus offensichtlichen Gründen weg. «Stadion Winkeln» klingt auch nicht so prickelnd. «Gründenmoos» wäre auch wegen der sprachlichen Anlehnung an Espenmoos schön, ist aber leider vergeben. Das Breitfeld liegt um die Ecke, aber ein Open Air-Parkplatz will man ja auch nicht sein. Regionale Bezüge taugen also wenig.
Vielleicht sind daher geschichtliche Anleihen besser? «Amoah-Stadion»? «Zellweger-Arena»? Hat zwar etwas für sich, ist aber irgendwie dann doch noch zu aktuell. Blicken wir länger zurück. Vielleicht sogar ganz zu den Anfängen des FC St.Gallen? Das Stadion nach den Gründervätern zu benennen, wäre naheliegend. Zwar sind hier Namen bekannt, vom ersten Präsidium weiss man sonst aber praktisch nichts. Heikel. Wer weiss, was das für Leute waren.
Nicht so falsch: «Stadion» statt «Arena»
Aber, wenn wir nur ein paar Jahre weiterschauen, sticht ein Name heraus: Emil Gretler. Er hat – wie im SENF #02 nachzulesen ist – viel Engagement in den Club gesteckt. Und er hat schon 1919 den FC St.Gallen als Pionier bezeichnet. Der Beitritt des FCSG in den Club of Pioneers wäre eine Genugtuung für ihn gewesen, hat er doch damals gesagt: «Das war […] richtige Pionier-Arbeit, als es noch hiess, etwas zu betreiben, für das niemand Verständnis aufbrachte, sondern nur Spott und Gelächter übrig hatte […] Ohne irgendwelche behördliche Subventionierung, ja an vielen Orten gegen die grössten Schwierigkeiten seitens der Obrigkeit, musste der Platz erobert werden.»
Doch welchen Zusatz hängt man dem Namen an? Ein «Arena» verbietet sich – zu Gretlers Zeiten hiess wohl kaum ein Stadion so. Sportplatz würde da schon eher hinkommen, aber es muss ja auch ein bisschen in die Zeit passen, zum modernen Stadion. Man sollte die Heimstätte des FCSG wohl wirklich als das sehen, was es ist: ein Stadion. Das «Emil-Gretler-Stadion»?
Welchen Namen würdet ihr der Arena im Westen der Stadt geben? Wir freuen uns über Einsendungen an info@senf.sg oder via unsere Facebook-Seite!
Bild: Senf
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