«Musik, die von der Seele kommt»: Wie das tönt, kann man erstmals heute Abend im Dachstock des Hofs zu Wil erleben. Zum Beispiel so wie im Stück Cuarto de Tula: groovend und raffiniert zugleich – samt einem vertrackten, auf Anhieb nicht aufzuschlüsselnden und für Mitwipper anspruchsvollen Takt:
«De», spanisch, und «jan», aserbeidschanisch für «Seele» oder «Familie», sind die Wörter, aus denen sich der Bandname zusammensetzt. Sie widerspiegeln den multinationalen Hintergrund des Quartetts: Bassist Han Beyli kommt aus Aserbaidschan beziehungsweise der Ukraine, Aníbal Cruz, Pianist und Komponist, sowie Perkussionist Keisel Jimenez sind Kubaner, und Sängerin Joana Elena Obieta hat ostschweizerische und argentinische Wurzeln: Sie ist die Tochter des Kontrabassisten Francisco Obieta und der Cembalistin Marie-Louise Dähler.
«Geboren in den unterschiedlichsten Kulturen und Traditionen dieser Welt, bilden die Bandmitglieder eine Seelenfamilie, die sich dem World Jazz verschrieben hat – eine Verschmelzung von lateinamerikanischem Lebensgefühl und Melodien aus dem Nahen Osten», schreiben DEJÀN auf ihrer Website. «Ihre Musik erzählt von Reisen durch die Kulturen dieser Welt, von Unterschieden und Gemeinsamkeiten und lebt von universellen und verbindenden Sprache der Kreativität.»
Die Gemeinsamkeit haben die vier während der Ausbildung am Berklee College of Music in Boston entdeckt. Den Ausbildungsort beschreibt Joana als «einen Schmelztiegel der Kulturen und Traditionen» und als idealen Ort, Gleichgesinnte zu finden.
Hier eine Aufnahme aus Berklee: Alfonsina y el Mar mit Joana Elena & Aníbal Cruz.
Die DEJÀN-Tournee startet dieses Wochenende in der Ostschweiz, in Wil und Untereggen, führt dann nach Zürich, Bern, Feldkirch oder Wien und endet am 9. Juli im St.Galler Lattich. Im Anschluss daran ist DEJÀN am Jugend-Sommer-Camp im Kinderdorf Pestalozzi Trogen engagiert. Rund 160 Jugendliche aus allen möglichen Ländern kommen hier während zweier Wochen zusammen und üben sich im interkulturellen Austausch; dazu gehören auch musikalische Workshops und ein öffentliches Konzert am Donnerstagabend.
DEJÀN live: 22. Juni 20 Uhr Hof zu Wil, 23. Juni 18 Uhr Sommerfest «Trubezucker» Untereggen, 9. Juli 20 Uhr Lattich St.Gallen
12. Juli 21 Uhr Kinderdorf Pestalozzi Trogen
dejanmusic.com
Camp und Konzerte hätten ein identisches Anliegen, sagt Joana Obieta: den interkulturellen Dialog zu fördern und Vorurteile abzubauen. Dazu scheint die Band prädestiniert mit ihrem grenzüberschreitenden musikalischen und biographischen Background. Während rundherum Mauern aufgerichtet und neue soziale und nationale Barrieren aufgezogen werden, steht DEJÀN für eine offene, neugierige und das Fremde umarmende Welt-Haltung.
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