Es gab eine Zeit, da schaute die Welt nach Südafrika. Auch St.Gallen. In den Achtziger Jahren hat sich hier eine Anti-Apartheid-Bewegung gegründet, die Veranstaltungen in der Grabenhalle und Mahnwachen vor dem Bankverein (ehem. Rösslitor) organisierte. Pius Frey von der Comedia schreibt im aktuellen Programmheft des Kinok darüber.
Der Sieg des ANC unter Führung von Mandela (er wurde 1994 zum Präsidenten gewählt), bedeutete nicht nur ein Ende des Apartheid-Regimes, sondern schuf auch Ängste vor einem drohenden Bürgerkrieg. Darum ging 1990 mit der Freilassung Nelson Mandelas kein langer Kampf zu Ende. 1990 ging mit der Freilassung Nelson Mandelas ein langer Kampf in die entscheidende Runde. Er schaffte, was niemand glaubte: die friedliche Überführung Südafrikas in eine Demokratie. Er schaffte, Schwarze wie Weisse, unter der neuen Flagge zu vereinen. Versöhnung war sein Programm. Reconciliation.
Mit dem Film «Reconciliation: Mandela’s Miracle» beginnt die Filmreihe im Kinok. Der preisgekrönte Dokumentarfilm von Michael Henry Wilson, versucht zu fassen, wie es Mandela gelang, die abertausenden, einzelnen bitteren Gefühle, die Wut und den Hass zu bändigen. Als Wilson in Südafrika seinen Dokumentarfilm drehte, fanden auch Dreharbeiten zu Clint Eastwoods «Invictus» statt, der dieselbe Frage mit einer Episode beantwortet. Mandelas Support des südafrikanischen Rugby-Teams, das für viele noch immer für das Apartheidsregime stand.
Während im Film die grosse Aufbruchszeit um 1994 im Fokus steht, als die Welt noch nach Südafrika schaute, geht die Geschichte des ANC weiter. Alle fünf Jahre kommen die Zweige des ANC zusammen. Dieses Jahr vom 16. bis zum 20. Dezember werden der ANC in Mangaung über Arbeitslosigkeit, Landreform und HIV diskutieren – und sie werden ihren Präsidenten wählen. Aktuell steht dem ANC Jacob Zuma vor, der Präsident Südafrikas.
Doch es scheint, dass der Elan der bewegenden Aufbruchszeit in den Neunziger Jahren unter Korruptionsvorwürfen, schleppenden Reformen und maroden Wirtschaftssystemen verschüttet wurde. Dazu später mehr.
Kinok, Cinema in der Lokremise St.Gallen. Samstag, 3. November, 17.30 Uhr Dienstag, 13. November, 18 Uhr
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.