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Die grosse Zeit der Versöhnung ist eine Weile her

Es gab eine Zeit, da schaute die Welt nach Südafrika. Auch St.Gallen. In den Achtziger Jahren hat sich hier eine Anti-Apartheid-Bewegung gegründet, die Veranstaltungen in der Grabenhalle und Mahnwachen vor dem Bankverein (ehem. Rösslitor) organisierte. Pius Frey von der Comedia schreibt im aktuellen Programmheft des Kinok darüber. Warum das genau jetzt, wo die Welt kaum […]
Von  Andrea Kessler

Es gab eine Zeit, da schaute die Welt nach Südafrika. Auch St.Gallen. In den Achtziger Jahren hat sich hier eine Anti-Apartheid-Bewegung gegründet, die Veranstaltungen in der Grabenhalle und Mahnwachen vor dem Bankverein (ehem. Rösslitor) organisierte. Pius Frey von der Comedia schreibt im aktuellen Programmheft des Kinok darüber.

Warum das genau jetzt, wo die Welt kaum mehr nach Südafrika schaut, ein Thema ist? Nun, der Afrikanische Nationalkongress (ANC) ist dieses Jahr 100 geworden. Diese damals kleine Organisation, die sich für Landrechte einsetzte, wurde in den fünfziger Jahren zu einer breiten Widerstandsbewegung gegen das Apartheidsregime und von diesem ziemlich bald, für ziemlich lange verboten (1960 bis 1990). Heute bestimmt der Afrikanische Nationalkongress die südafrikanische Politik und stellt den Präsidenten des Landes. Das Kinok nimmt das hundertjährige Jubiläum zum Anlass für eine kleine südafrikanische Filmreihe.

Der Sieg des ANC unter Führung von Mandela (er wurde 1994 zum Präsidenten gewählt), bedeutete nicht nur ein Ende des Apartheid-Regimes, sondern schuf auch Ängste vor einem drohenden Bürgerkrieg. Darum ging 1990 mit der Freilassung Nelson Mandelas kein langer Kampf zu Ende. 1990 ging mit der Freilassung Nelson Mandelas ein langer Kampf in die entscheidende Runde. Er schaffte, was niemand glaubte: die friedliche Überführung Südafrikas in eine Demokratie. Er schaffte, Schwarze wie Weisse, unter der neuen Flagge zu vereinen. Versöhnung war sein Programm. Reconciliation.

Mit dem Film «Reconciliation: Mandela’s Miracle» beginnt die Filmreihe im Kinok. Der preisgekrönte Dokumentarfilm von Michael Henry Wilson, versucht zu fassen, wie es Mandela gelang, die abertausenden, einzelnen bitteren Gefühle, die Wut und den Hass zu bändigen. Als Wilson in Südafrika seinen Dokumentarfilm drehte, fanden auch Dreharbeiten zu Clint Eastwoods «Invictus» statt, der dieselbe Frage mit einer Episode beantwortet. Mandelas Support des südafrikanischen Rugby-Teams, das für viele noch immer für das Apartheidsregime stand.

Während im Film die grosse Aufbruchszeit um 1994 im Fokus steht, als die Welt noch nach Südafrika schaute, geht die Geschichte des ANC weiter. Alle fünf Jahre kommen die Zweige des ANC zusammen. Dieses Jahr vom 16. bis zum 20. Dezember werden der ANC in Mangaung über Arbeitslosigkeit, Landreform und HIV diskutieren – und sie werden ihren Präsidenten wählen. Aktuell steht dem ANC Jacob Zuma vor, der Präsident Südafrikas.

Doch es scheint, dass der Elan der bewegenden Aufbruchszeit in den Neunziger Jahren unter Korruptionsvorwürfen, schleppenden Reformen und maroden Wirtschaftssystemen verschüttet wurde. Dazu später mehr.

 

Kinok, Cinema in der Lokremise St.Gallen.
Samstag, 3. November, 17.30 Uhr
Dienstag, 13. November, 18 Uhr

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