Ich befinde mich derzeit mitten in den Proben zu „Silvester“. Ein Theaterstück des Österreichischen Autors Peter Turrini. Sein Markenzeichen: schwarzer, bösartiger Humor, der wahrscheinlich in dieser Form nebst den Engländern nur den Ösis eigen ist. Gesellschaftskritik ist beinahe ein Muss für Turrini. Und er attackiert seine Landsleute am liebsten mit heimatverbundenen Stücken, die richtig provokant werden. So auch „Silvester“, Anfang des Jahres in Klagenfurt uraufgeführt. Herr Turrini, immerhin heuriger Nestroy-Preisträger für sein Lebenswerk, lässt zu Silvester Randexistenzen der Gesellschaft aufeinandertreffen. Da gibt es den einsamen, alternden Schwulen, die ebenso alte Diva, deren Privat- und Berufsleben den Bach runtergegangen ist. Und schlussendlich noch den geistig zurückgebliebenen Heimbewohner, der nie eine Familie gehabt hat. Die drei verbringen gemeinsam Silvester und suchen, jeder auf seine Weise, Anschluss. So weit so gut, das ist alles noch keine moralische Attacke. Eher karg poetisch und tragisch-komisch schön. Doch was da an diesem Abend noch so alles passiert und wer welche üblen Vorhaben hat, das macht das Stück wiederum zur spannenden Provokation. Mehr sei hier noch nicht verraten. Als ich erfahren habe, dass ich einen geistig Behinderten auf der Bühne spielen darf, habe ich mich sehr gefreut. Erst recht, da ich das Stück sehr mag und auch Regie und Kollegen. Bis ich irgendwann überlegt habe, wie das denn genau zu sein hat? Was hat er denn, dieser Herbert? Im Stück heisst es nur, er sei geistig leicht behindert, nicht schwer, sondern „normal behindert“ …! Nachdem ich das Stück zum ersten Mal gelesen hatte, switchte mein Hirn zwischen Forrest Gump, Rain Man und diesem fantastischen Spasti von Leonardo di Caprio in “ What’s Eating Gilbert Grape?“ hin und her. Zwischen den Behinderten halt, die ich bis dahin kannte. Sagt man das: Spasti? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber sagt man überhaupt noch behindert? Oder „Geistig zurückgeblieben?“, oder „geistig schwach“? Könnte man das, was Herbert sagt und was über ihn gesagt wird, Richtung Autismus auslegen? Ich fühlte mich wie ein kleiner Detektiv, der mehr herausfinden will. Also habe ich ein Praktikum im Tandem Abtwil gemacht. Während zwei Tagen habe ich Heimbewohner kennengelernt. Wie sie leben, wie sie sprechen, wie ihre Zimmer ausschauen, was sie den ganzen Tag tun, wie ihre BetreuerInnen mit ihnen umgehen. Habe erfahren: alle haben Wahrnehmungsstörungen in spezifischer Ausprägung. Ich habe in den kommenden Tagen so richtig gestohlen. Mit den Augen und mit den Ohren, alles auf meinen Herbert übertragen. Mein Detektiv wurde zum Dieb. Ich fühlte mich wie in einem dieser Biopic-Filme, wo Schauspieler erzählen, wie sie stundenlang die Körpersprache oder Stimmklang von diesem oder jenem verstorbenen Star einstudiert haben.
Und je länger ich Zeit im Heim verbracht habe, desto mehr sind mir die Svens und die Andis ans Herz gewachsen. Und mit der Zuneigung kam plötzlich das Wissen um die grosse Verantwortung, die eine solche Rolle mit sich bringt: Einen Menschen zu spielen und keinen halben. Einen, der ans Herz wächst. Denn wer in diesem Stück NORMAL und wer NORMAL BEHINDERT ist, davon müsst ihr euch selbst überzeugen.
„Silvester“ von Peter Turrini, Premiere 21.12, 20 Uhr Lokremise
http://www.theatersg.ch/spielplan/silvester
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.