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Diese flüchtigen, ewigen Momente

In der Kunsthalle Arbon ist derzeit eine Ausstellung von Barbara Signer zu sehen. Für die St.Galler Künstlerin ist es die erste Einzelausstellung dieser Grösse. Darin geht es um Momente der Transformation und des Übergangs. von Larisa Baumann
Von  Gastbeitrag
Barbara Signer neben ihrer Arbeit «Endless Necklace (The law of plastic harmony)» in der Kunsthalle Arbon. (Bilder: Larisa Baumann)

Die Kunsthalle Arbon ist eine ehemalige Fabrikhalle für Metallwaren. Sie steht auf dem Gebiet des früheren Stadtgrabens – deshalb auch die Adresse «Grabenstrasse». Sie ist somit an einem Ort gebaut, an dem sich früher die Grenze beziehungsweise der Übergang zwischen Stadt und Land vollzog. Auch hat sie eine Umwandlung von der Industrie- zur Kunsthalle erfahren. Genau darum geht es in der Einzelausstellung «The First the Last Eternity» von Barbara Signer: um Zustände und Momente der Transformation und des Übergangs.

Ein visueller Moment der Vergangenheit

Den Auftakt in die Ausstellung bildet ein Torbogen, als ein Symbol des Übergangs zwischen Vergangenheit und Zukunft, als Anfang und Ende, Ein- und Ausgang. Das Tor erinnert bewusst an Ballontore, wie sie an Festen, beispielsweise Hochzeiten oder Geburtstagen, verwendet werden. Anders als bei diesen sind die weiss- und pastellfarbenen Ballone von Gate I (Eternity) jedoch aus langlebigem Polyurethan gefertigt. Barbara Signer hat für jeden einzelnen ihrer Ballone aus Pulverpigmenten eine Farbe gemischt und diese in einen seriell hergestellten Luftballon gefüllt. Dieser wurde im Anschluss aufgeblasen sowie in einem Rotationsgussverfahren in Polyurethan umgesetzt.

Der Torbogen «Gate I (Eternity)» als Auftakt in die Ausstellung von Barbara Signer.

Einige der weissen Ballone haben einen dunklen Punkt in der Mitte. Das lässt verschiedene Assoziationen zu, wobei der Künstlerin eine besonders wichtig ist: diejenige des Augapfels beziehungsweise des Auges. Für Kunstschaffende wie sie sei es oft ein visueller Moment der Vergangenheit, der bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird und der die Entstehung eines materiellen Kunstwerkes in der Zukunft auslöst, sagt Barbara Signer. Dieser Prozess trifft nicht nur auf die Schaffensweise von Künstler:innen zu, sondern kann auf das Leben jedes Einzelnen angewendet werden. Es sind häufig flüchtige Momente die uns prägen, in uns weiterleben und durch uns neue Formen annehmen. Diese Verbindung der Vergangenheit und der Zukunft bis in die Ewigkeit ist es, die Barbara Signer fasziniert und der sie die Ausstellung – übrigens ihre erste Einzelausstellung dieser Grösse – widmet.

Verbindung zwischen den Objekten

Auf Gate I (Eternity) folgen unter anderem drei weitere Werke mit den Titeln Gate II (Looking into a very deep pond), Gate III (Warten) und Gate IV (New Directions). Diese Bezeichnungen stellen nicht nur eine offensichtliche Verbindung zwischen den skulpturalen Objekten her, sondern legen auch eine Reihenfolge fest und es entstehen Narrative. Wie bei (Lebens-)Stationen gibt es Momente des Neubeginns, des Unfassbaren, Beängstigenden, des Wartens oder des bewussten Entscheidens.

Gewissermassen als Kumulation hängt am Ende der Kunsthalle die Skulptur Endless Necklace (The law of plastic harmony) von einem Stahlträger bis zum Boden herab, wo sie eine Möbiusschleife bildet. Zu dieser Arbeit inspiriert habe sie die Endlose Säule (1937/38) des rumänischen Bildhauers Constantin Brancusi, erzählt Barbara Signer. Zusammen mit ihrem Vater, dem Künstler Roman Signer, sei sie diesem Werk in einer Ausstellung in Philadelphia begegnet. Es sei damit eines der ersten Kunstwerke, an das sie sich erinnern könne.

Elemente aus früheren Werken zu neuem Leben erweckt

Barbara Signer bedient sich für ihre Arbeiten unterschiedlichster Materialien. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sie für ihre Installation in der Kunsthalle Arbon sowohl auf Elemente aus früheren Arbeiten zurückgreift als auch neue realisiert. Einem Ballontor wie Gate I (Eternity) konnte man zum Beispiel bereits 2021 im Dorfkern Appenzells im Rahmen des Buch-Kunst-Festivals «Kleiner Frühling» begegnen, bevor es mutwillig von Unbekannten zerstört wurde.

Für das «Heimspiel 21/22» realisierte Signer schliesslich ein neues: Gate I (Resurrection). Die Strassenlaterne aus dem Werk Gate II hat sie bereits in früheren Installationen verwendet. Es handelt sich um eine ausgemusterte Laterne aus einem Bezirk Tokios, die Signers Gepäck auf der Heimreise nach einem Japanaufenthalt bereicherte. Beim Gate IV beleuchten drei Lampen, die früher an der Fassade eines Berner Kaufhauses ihre Dienste leisteten, die vorgegebenen Richtungen.

Spiel zwischen künstlichem und natürlichem Licht

Überhaupt ist Licht ein Element, das die Künstlerin reizt und in vielen ihrer Arbeiten zu finden ist. Da ist das künstliche Licht in ihren Werken, aber auch das natürliche Licht, das als Oblicht in die Ausstellung strömt. Das künstliche Licht kann schliesslich auch als Verweis auf das natürliche Licht als Quelle unseres Seins gesehen werden oder als Licht der Ewigkeit. Nicht zuletzt ist das Licht der Sterne als eindrückliche Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart für alle erlebbar.

Spiegelung in «Gate II (Looking into a very deep pond)».

Barbara Signer, die Ausstellungen gern nach Liedtiteln benennt, macht auch hier keine Ausnahme: The First the Last Eternity heisst ein Popsong von Snap! aus dem Jahr 1994, der die Künstlerin seit ihrer Teenagerzeit begleitet. Ihre poetisch-philosophische Installation lässt bewusst Raum frei. Freiraum, der mit eigenen Überlegungen und Fragen gefüllt werden kann, beispielsweise zum Ursprung oder Sinn des Lebens, zu eigenen Erinnerungen oder zur Ewigkeit. Diesen Gedanken in der Ausstellung nachzuhängen ist aber nicht ewig möglich. «The First the Last Eternity» läuft noch bis am 23. Juli.

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