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Drei Tage Wortlaut und -leise

Am kommenden Wochenende ist St.Gallen nicht nur behauptete, sondern gelebte Buch-Stadt: Drei Tage lang wird gelesen, geslammt und auf die Gasse gehauen an den 7. Literaturtagen Wortlaut.
Von  Peter Surber

Einer Besucherin war das letztjährige Programm (Bild oben: die Lesung von Lukas Bärfuss 2014) in den falschen Hals gekommen: «Ach, am Wortlaut gab es auch noch Literatur nebst Comics und Slam?», fragte sie am Tag danach ironisch auf saiten.ch. Die Antwort liess, ebenfalls per Kommentar, nicht auf sich warten: «Falsch. Am Wortlaut gabs Literatur in allen möglichen Formen. Und die beinhaltet auch Comics und Slam und Theater und Performances. Ein Literaturfestival ist halt ein bisschen mehr als eine Buchmesse. Darüber darf man sich ruhig freuen – muss aber wohl nicht.»

Vier «geschliffene» Programmreihen

Ein Jahr später gibt es jetzt vom 27. bis 29. März (mit Vorlauf am 26. in Appenzell) erneut viel Comic und Slam – und erneut geschriebene bzw. gelesene Literatur in allen Facetten. Die vier Reihen seien noch einmal «geschliffen» und präzisiert worden, sagt Richi Küttel von der Programmkommission: «Laut» steht für das kabarettistische, auch gesungene Wort. «Luise» bringt Neuerscheinungen in insgesamt acht «klassischen» Autorenlesungen, Autorinnen natürlich inklusive. «Lechts» ist die Comicreihe, «Rinks» die Plattform für Spoken-Word-Artisten.

Prominente Stimmen im diesjährigen Programm sind zahlreich. Christoph Simon, der Berner Autor, präsentiert nach seinem hochgelobten «Spaziergänger Zbinden» jetzt ein Kabarettprogramm «Wahre Freunde». Angelika Overath stellt «Sie dreht sich um» vor, Guy Krneta liest aus «Unger Üs», Ruth Schweikert aus «Wie wir älter werden», und Urs Mannhart liest NICHT aus «Bergsteigen im Flachland» – dem Buch, das wegen einer Plagiatsklage momentan weder verkauft noch beworben werden darf. Dafür diskutiert er mit Bettina Spoerri laut Programm «über Recherchieren und die Unterscheidung zwischen fictum und factum».

Eher zur Kategorie «Entdeckungen» gehören Teresa Präauer, Jess Jochimsen, Kristof Magnusson oder der Berliner Spoken-Word-Poet Ahne mit seinen «Zwiegesprächen mit Gott».

Gassenhauer wird neoliberal

Gesprochen wird auch aus dem Saiten-Erker an der Schmiedgasse 15. Zum vierten Mal knallt dort der «Gassenhauer» auf das Publikum herab. Vor Jahresfrist, Sie erinnern sich: Diana Dengler und Marcus Schäfer vom Theater am Tisch waren gerade so richtig warmgelaufen mit ihren Tiraden aus dem Pelikanerker hinunter auf die Gasse…

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…als sich aus dem circa dritten Obergeschoss des Nachbarhauses ein Wasserschwall auf die Zuhörerköpfe ergoss. Einige wurden pflotschnass. Eine kalte Dusche gibt es hoffentlich diesmal nicht wieder. Die Moral von der Geschicht’ wiederholen wir hier aber gern noch einmal: Hütet Euch vor Literatur! Und tragt immer breitkrempige Hüte, wenn Ihr Euch in den St.Galler Gassen bewegt!

War 2014 die Einwanderungsgesellschaft das grosse Thema, wird es diesmal ganz modern. Nämlich: Gassenhauer goes PWC – die neoliberale Logik hat jetzt auch das Theater am Tisch und Saiten erreicht. Am Samstag, 28. März nachts um elf wird knallhart saniert. Mit Diana Dengler (Emmi) und Bruno Riedl (Der Neue). Die Frage ist: Wo bleibt Marcus Schäfer?

 

Das vollständige Programm: www.wortlaut.ch

Gassenhauer am Wortlaut: Erker an der Schmiedgasse 15, Samstag 28. März 23 Uhr.

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