Einer Besucherin war das letztjährige Programm (Bild oben: die Lesung von Lukas Bärfuss 2014) in den falschen Hals gekommen: «Ach, am Wortlaut gab es auch noch Literatur nebst Comics und Slam?», fragte sie am Tag danach ironisch auf saiten.ch. Die Antwort liess, ebenfalls per Kommentar, nicht auf sich warten: «Falsch. Am Wortlaut gabs Literatur in allen möglichen Formen. Und die beinhaltet auch Comics und Slam und Theater und Performances. Ein Literaturfestival ist halt ein bisschen mehr als eine Buchmesse. Darüber darf man sich ruhig freuen – muss aber wohl nicht.»
Vier «geschliffene» Programmreihen
Ein Jahr später gibt es jetzt vom 27. bis 29. März (mit Vorlauf am 26. in Appenzell) erneut viel Comic und Slam – und erneut geschriebene bzw. gelesene Literatur in allen Facetten. Die vier Reihen seien noch einmal «geschliffen» und präzisiert worden, sagt Richi Küttel von der Programmkommission: «Laut» steht für das kabarettistische, auch gesungene Wort. «Luise» bringt Neuerscheinungen in insgesamt acht «klassischen» Autorenlesungen, Autorinnen natürlich inklusive. «Lechts» ist die Comicreihe, «Rinks» die Plattform für Spoken-Word-Artisten.
Prominente Stimmen im diesjährigen Programm sind zahlreich. Christoph Simon, der Berner Autor, präsentiert nach seinem hochgelobten «Spaziergänger Zbinden» jetzt ein Kabarettprogramm «Wahre Freunde». Angelika Overath stellt «Sie dreht sich um» vor, Guy Krneta liest aus «Unger Üs», Ruth Schweikert aus «Wie wir älter werden», und Urs Mannhart liest NICHT aus «Bergsteigen im Flachland» – dem Buch, das wegen einer Plagiatsklage momentan weder verkauft noch beworben werden darf. Dafür diskutiert er mit Bettina Spoerri laut Programm «über Recherchieren und die Unterscheidung zwischen fictum und factum».
Eher zur Kategorie «Entdeckungen» gehören Teresa Präauer, Jess Jochimsen, Kristof Magnusson oder der Berliner Spoken-Word-Poet Ahne mit seinen «Zwiegesprächen mit Gott».
Gassenhauer wird neoliberal
Gesprochen wird auch aus dem Saiten-Erker an der Schmiedgasse 15. Zum vierten Mal knallt dort der «Gassenhauer» auf das Publikum herab. Vor Jahresfrist, Sie erinnern sich: Diana Dengler und Marcus Schäfer vom Theater am Tisch waren gerade so richtig warmgelaufen mit ihren Tiraden aus dem Pelikanerker hinunter auf die Gasse…
…als sich aus dem circa dritten Obergeschoss des Nachbarhauses ein Wasserschwall auf die Zuhörerköpfe ergoss. Einige wurden pflotschnass. Eine kalte Dusche gibt es hoffentlich diesmal nicht wieder. Die Moral von der Geschicht’ wiederholen wir hier aber gern noch einmal: Hütet Euch vor Literatur! Und tragt immer breitkrempige Hüte, wenn Ihr Euch in den St.Galler Gassen bewegt!
War 2014 die Einwanderungsgesellschaft das grosse Thema, wird es diesmal ganz modern. Nämlich: Gassenhauer goes PWC – die neoliberale Logik hat jetzt auch das Theater am Tisch und Saiten erreicht. Am Samstag, 28. März nachts um elf wird knallhart saniert. Mit Diana Dengler (Emmi) und Bruno Riedl (Der Neue). Die Frage ist: Wo bleibt Marcus Schäfer?
Das vollständige Programm: www.wortlaut.ch
Gassenhauer am Wortlaut: Erker an der Schmiedgasse 15, Samstag 28. März 23 Uhr.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».