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Wohneigentum im Fünfeck-Hochhaus

Vor eineinhalb Jahren präsentierte die Immobilien-Entwicklerfirma Halter die Idee für ein Hochhaus an der St.Galler Bogenstrasse, gegenüber der Kreuzbleiche. Jetzt hat der Sachverständigenrat für Städtebau grünes Licht für die weitere Planung gegeben.
Von  René Hornung
Der Turm in der Kreuzbleiche soll dereinst 74 Meter hoch werden, weshalb er hier in der Visualisierung kaum ins Querformat passt. (Bild: pd)

Am Donnerstag lud die Entwicklerfirma Halter nach eineinhalb Jahren zum zweiten Mal die Quartierbevölkerung ein, um dieser das Projekt des Hochhauses am Rand des Kreuzbleiche-Areals vorzustellen, auch anhand von zwei Modellen. Einleitend fand es Stadtrat Markus Buschor wichtig zu betonen, dass die Verdichtung innerhalb der Quartiere erfolge. Klar sei aber, dass an ein solches Grossprojekt an diesem exponierten Ort hohe Anforderungen gestellt werden. Das Hochhauskonzept sieht verschiedene Quartiere in der Stadt vor, in denen Türme gebaut werden können, eines ist das Bahnhofquartier, wo mit Rathaus, Fachhochschulzentrum und Bundesverwaltungsgericht bereits hohe Häuser stehen. Hier soll nun ein weieres dazukommen.

Viermal habe sich der Sachverständigenrat für Städtebau mit dem Projekt befasst, bis man zur nun vorliegenden Lösung gekommen sei, schilderte Robert Hösl, Architekt im bekannten Basler Büro Herzog & de Meuron. Der Turm soll 74 Meter hoch werden, was 23 Stockwerken entspricht, und einen fünfeckigen Grundriss mit Einkerbungen bekommen. Das ermöglicht in den Wohnungen Loggien übereck. Pro Etage ist die Rede von vier Eigentumswohnungen.

Kutlurelle Nutzung möglich – aber zu Marktkonditionen

Für das Hochhaus werden die Tankstelle an der Bogenstrasse und die Garage dahinter abgebrochen. Die bereits umgenutzten Shedhallen von Bischoff Textil sollen als Zeugen der St.Galler Textilgeschichte denkmalgeschützt werden und das Haus mit dem Restaurant Castello bleibt entgegen ersten Überlegungen nun doch erhalten bleiben. Der künftige Turm steht dabei so, dass eine seiner fünf Ecken auf den Verbindungsbau zwischen den beiden Shedhallen zeigt. Hier soll ein öffentlicher Durchgang entstehen, eine direkte Fussgängerverbindung Richtung Bahnhof über den Hügel bei der St.Leonhardskirche.

Auch zu den Nutzungen gibt es bereits Überlegungen: In der nördlichen Shedhalle ist ein Gastrobetrieb mit Aussenrestaurant auf der Strassenseite vorgesehen. Die südliche Halle könnte kulturell genutzt werden, es müsste sich aber eine Trägerschaft finden. Dies wurde schon bei der ersten Präsentation vor eineinhalb Jahres kritisch beurteilt, denn die Hallen bleiben im Eigentum von Bischoff Textil und werden – wie es damals hiess – zu Marktbedingungen vermietet.

Das Erdgeschoss des künftigen Hochhauses soll öffentlich sein, doch die Dachterrasse des Turms wird den Bewohner:innen zur Verfügung stehen. Statt des Restaurants Castello ist ein kleinerer Lebensmittelladen angedacht. Das Areal rundum soll fürs Publikum zugänglich sein und begrünt werden, so Landschaftsplaner Andy Schönholzer vom Büro Westpol. Die Bushaltestelle vor dem Castello soll dann ein Dach bekommen – das war einer der vielen Wünsche der Quartierbewohner:innen anlässlich der ersten Präsentation. Auch weitere Erwartungen seien erfüllt worden, etwa das Aussenrestaurant und die Begrünung, so Robin Neuhaus von Halter.

Städtischer Wunsch nach Architekturwettbewerb missachtet

Stadtplaner Florian Kessler zeigte auf, wie es nun weitergeht. Nach dem grundsätzlichen Okay des Sachverständigenrates braucht es einen Sondernutzungsplan und eine Zonenplanänderung. In einem zusätzlichen Vertrag wird die Mehrwertabschöpfung aus der Aufzonung geregelt, aber auch die Mitbenutzung der Parkgarage Kreuzbleiche für die künftigen Wohnungseigentümer. Erst wenn all diese Verträge rechtskräftig sind kann das eigentliche Baugesuch eingereicht werden. Das wird frühestens in zwei Jahren der Fall sein. Baustart ist – wenn alles gutgeht – 2027. Bis dann haben die Architekten noch vieles zu planen und zu entscheiden, namentlich das Material und damit das Erscheinungsbild der Fassade des Turms. Dazu gibt es noch keine konkreten Pläne.

Das Projekt kommt auf Grundstücken zu stehen, die Bischoff Textil, Halter und der Brauerei Schützengarten gehören. Die Grundeigentümer hatten als private Investoren auf einen Architekturwettbewerb verzichtet und den Auftrag direkt ans renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron vergeben, obwohl die Stadt im Vorfeld mehrmals ein Wettbewerbsverfahren gewünscht hatte.

Im Hintergrund verdeckt die Sporthalle Kreuzbleiche: Das Modell verdeutlich nochmals die Dimensionen des geplanten neuen Hochhauses. (Bild: rho)

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