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Ein Herz für Provisorien

Madeleine Herzog, oberste Kulturförderin der Stadt St.Gallen, wechselt im Oktober nach Zürich: Sie übernimmt die Leitung der Fachstelle Kultur des Kantons. Nach neun Jahren: Was wurde in St.Gallen erreicht, was fehlt?
Von  Peter Surber

Madeleine Herzog, was erwartet Sie in Zürich?

Die Aufgaben sind grundsätzlich ähnlich wie in St.Gallen – allerdings habe ich ein achtköpfiges Team. Auf diese Teamdynamik freue ich mich, ebenso darauf, eine andere Kulturlandschaft kennenzulernen. Nicht zu vergleichen sind die Dimensionen: Der Kanton Zürich hat ein Kulturbudget von rund 100 Millionen, und auch wenn ein grosser Anteil beim Opernhaus gebunden ist, bleibt doch viel Gestaltungsspielraum.

Was ist in den neun Jahren in St.Gallen geglückt?

Verglichen mit 2005 hat sich viel geändert. Erstens ist es uns gelungen, die kleineren und mittleren Institutionen zu konsolidieren: Lagerhaus, Kinok und so weiter können heute auf solider Grundlage arbeiten. Zweitens zu nennen ist die Museumsstrategie. Das neue Naturmuseum ist im Bau, das Historische und Völkerkundemuseum ist renoviert, fehlt noch der Umbau des Kunstmuseums – das hätte ich gerne noch begleitet. Und drittens ist die Bibliothek einen grossen Schritt vorwärtsgekommen. Zwar als Provisorium – aber das ist vielleicht der typische St.Galler Weg.

Provisorien statt grosse Würfe?

Die kleinen Würfe funktionieren besser, weil solche Initiativen in der Basis verankert sind. Das beste Beispiel dafür ist das Palace.

Trotz Palace fehlen weiterhin Kulturräume – das zeigt die Initiative für die Reithalle, über die wir im September abstimmen.

Es wird immer Bedarf für neue Räume geben, weil es immer neue Akteure gibt. In den letzten Jahren ist eine ganze Reihe privater Räume entstanden: Kult-Bau, Theater 111, Kaffeehaus, Oya, Buena Onda und so weiter. Das zeigt: Es sind Bedürfnisse da, und daraus entsteht Neues. Ein grosser Konzertsaal fehlt allerdings in der Stadt. Wie dringend er ist, kann man diskutieren. Angesichts der Finanzlage der Stadt halte ich einen solchen Saal für 800 oder mehr Leute nicht für prioritär. Der Betrieb muss ja auch finanzierbar sein.

Stichwort Spardruck: Ist die städtische Kulturförderung in Gefahr?

Nein. Die Kultur hat zwar auch ihren Anteil am Sparprogramm leisten müssen, aber mit rund 140000 Franken Einsparungen auf gesamthaft 16 Millionen sind wir glimpflich davon gekommen. Und ich bin zuversichtlich, dass es im Moment keine weiteren Sparaufträge gibt.

Mitte Juni hat der kulturpolitische Dokumentarfilm «A Little Mountain Village» über die Stadt St.Gallen Premiere. Was wünschen Sie dem kleinen Alpendorf für die kulturelle Zukunft?

Ich wünsche ihm, dass die Kulturszene ihre Lebendigkeit und Vielfalt behält, die sie in den letzten Jahren gehabt hat. Und wenn man schaut, was alles entstanden ist, dann habe ich auch keine Zweifel daran. Darüberhinaus wünsche ich mir, dass der letzte Mosaikstein in der Museumsstrategie gelingt: der Umbau des Kunstmuseums.

 

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