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Ein Literaturhaus für alle

Aussenansicht der renovierten Villa Franziska und Iwan Rosenthal in Hohenems. (Bild: pd)

Aussenansicht der renovierten Villa Franziska und Iwan Rosenthal in Hohenems. (Bild: pd)

Das Literaturhaus Vorarlberg in Hohenems beginnt ein neues Kapitel: Anfang April öffnet die restaurierte Villa Franziska und Iwan Rosenthal ihre Türen und wird zum festen Sitz der überregional tätigen Kulturinstitution.

Die Wur­zeln des Li­te­ra­tur­hau­ses Vor­arl­berg rei­chen bis ins Jahr 2018 zu­rück, als das da­ma­li­ge Netz­werk li­te­ra­tur.ist – in­zwi­schen der Trä­ger­ver­ein – be­gann, sich mit Fo­kus auf die Vor­arl­ber­ger Li­te­ra­tur­sze­ne im Be­reich der Bil­dungs­zu­sam­men­ar­beit und Kul­tur­ver­mitt­lung zu en­ga­gie­ren. Die Idee, ein ei­ge­nes phy­si­sches Li­te­ra­tur­haus zu ent­wi­ckeln, ent­stand nach ei­ner Um­fra­ge un­ter der An­hän­ger­schaft so­wie in Ab­stim­mung mit den Nut­zungs­plä­nen für die Vil­la Ro­sen­thal der Stadt Ho­hen­ems und des Lan­des Vor­arl­berg.

Die Wahl der ehe­ma­li­gen Fa­bri­kan­ten­vil­la des Ehe­paars Fran­zis­ka und Iwan Ro­sen­thal als Stand­ort ist je­doch am­bi­va­lent: Ei­ner­seits bie­tet die Vil­la, die ur­sprüng­lich von der jü­di­schen Fa­mi­lie er­baut und 1938 nach dem An­schluss Ös­ter­reichs an Na­zi-Deutsch­land ent­eig­net wur­de, ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Am­bi­en­te; An­de­rer­seits trägt das Li­te­ra­tur­haus die Ver­ant­wor­tung, ei­nen an­ge­mes­se­nen Um­gang mit die­sem his­to­ri­schen Er­be zu fin­den. Zu­gleich hebt die be­son­de­re Au­ra des ba­ro­cken Stand­orts das kul­tu­rel­le An­se­hen des Li­te­ra­tur­hau­ses auf ei­ne neue Stu­fe – ei­ne Ent­wick­lung, die auch Fra­gen der Zu­gäng­lich­keit für ver­schie­de­ne Ge­sell­schafts­grup­pen in Vor­arl­berg auf­wirft, ei­nem Bun­des­land, das in sprach­li­cher und kul­tu­rel­ler Di­ver­si­tät über dem ös­ter­rei­chi­schen Durch­schnitt liegt.

Kul­tur­po­li­ti­sche Ziel­set­zun­gen

Die­sen Her­aus­for­de­run­gen be­geg­net das Li­te­ra­tur­haus mit ei­nem of­fe­nen Kon­zept, das durch die Ein­bin­dung von Ex­pert:in­nen und der lo­ka­len Be­völ­ke­rung die Zu­gangs­mög­lich­kei­ten zur Li­te­ra­tur er­wei­tern so­wie gleich­zei­tig Bar­rie­ren ab­bau­en soll. Mit ei­nem viel­schich­ti­gen und in­klu­si­ven Pro­gramm star­tet es nun als lo­ka­le In­sti­tu­ti­on mit über­re­gio­na­ler Strahl­kraft sein Vor­ha­ben, Li­te­ra­tur für al­le er­leb­bar zu ma­chen.

Das zeigt sich in der Agen­da in­so­fern, als dass der Zu­gang zur Li­te­ra­tur für all je­ne er­leich­tert wer­den soll, die bis­her we­nig Be­rüh­rungs­punk­te mit dem Schrei­ben und Le­sen hat­ten – ins­be­son­de­re für Men­schen, de­ren Erst­spra­che nicht Deutsch ist. So ent­stan­den Pro­jek­te wie die Samm­lung von Re­de­wen­dun­gen aus den vie­len Spra­chen in Ho­hen­ems oder das «Stadt­flüs­tern», bei dem Se­ni­or:in­nen ih­re Er­in­ne­run­gen an mar­kan­ten Or­ten der Stadt tei­len. Mit QR-Codes las­sen sich die­se Ge­schich­ten auf dem Smart­phone ab­spie­len und bil­den ei­ne Art di­gi­ta­les Kol­lek­tiv­ge­dächt­nis der Stadt.

Wo früher Musiker beim Diner aufspielten, werden im Literaturhaus die Stimmen der Gegenwartsliteratur hörbar. (Bild: pd)

Wo früher Musiker beim Diner aufspielten, werden im Literaturhaus die Stimmen der Gegenwartsliteratur hörbar. (Bild: pd)

Vol­les Pro­gramm im ers­ten Mo­nat

Die ur­sprüng­lich für 2023 ge­plan­te Wie­der­eröff­nung der Vil­la ver­zö­ger­te sich, doch die län­ge­re Vor­be­rei­tungs­zeit er­mög­lich­te dem Team des Li­te­ra­tur­hau­ses ei­ne ge­ziel­te in­halt­li­che Pla­nung für den Er­öff­nungs­mo­nat. Be­reits wäh­rend der Um­bau­pha­se wur­den die Räu­me für Ver­an­stal­tun­gen ge­nutzt – ein Pro­zess, der das Ge­bäu­de, sei­ne zu­künf­ti­gen Mit­ar­bei­ten­den und das Pu­bli­kum früh mit­ein­an­der ver­bun­den ha­be, sagt Frau­ke Kühn, Lei­te­rin des Li­te­ra­tur­hau­ses.

Das Pro­gramm in den ers­ten Ta­gen nach der Er­öff­nung ver­spricht vor al­lem Ab­wechs­lung: Un­ter an­de­rem gibt es ei­nen Ein­blick in die Pra­xis ei­nes Live-Lek­to­rats mit dem Vor­arl­ber­ger Au­tor Chris­ti­an Fut­scher und sei­nem Lek­tor Flo­ri­an Hu­ber, wäh­rend ei­ne Si­lent-Re­a­ding-Par­ty zum ge­mein­sa­men Le­sen ein­lädt. Zu­dem gibt es eta­blier­te For­ma­te wie Schreib­work­shops und ei­nen Bü­cher­klub.

Auch Hoch­schu­len wer­den ver­stärkt ein­be­zo­gen: Stu­die­ren­de kön­nen prak­ti­sche Er­fah­run­gen im Kul­tur­ma­nage­ment sam­meln, et­wa durch die Ku­ra­ti­on der di­gi­ta­len Ly­rik­hör­büh­ne in|:sta:|ge auf dem In­sta­gram-Ac­count des Li­te­ra­tur­hau­ses oder bei der Lan­gen Nacht des Schrei­bens, die ver­schie­de­ne Schreib­sti­le be­leuch­tet.

Von Pod­cast bis Poet­ry-Slam

Im Mai steht mit der «Was­ser­glas­le­sung» ei­ne Live-Über­set­zung auf dem Pro­gramm: Die Au­torin Mo­ni­ka Hel­fer und ih­re dä­ni­sche Über­set­ze­rin Dorthe Sei­fert ge­ben Ein­blick in die Kunst des li­te­ra­ri­schen Über­set­zens. Ein wei­te­res Bil­dungs­pro­jekt ist die «wri­ters:class», die Schü­ler:in­nen al­ler Al­ters­stu­fen – be­son­ders in sprach­lich he­te­ro­ge­nen Klas­sen – Zu­gän­ge zu ei­nem krea­ti­ven Um­gang mit Spra­che er­öff­net. Er­gän­zend da­zu bie­ten die Schreib-Sprech­stun­den Un­ter­stüt­zung beim Schrei­ben von schu­li­schen und aka­de­mi­schen Tex­ten.

Ge­plant sind aus­ser­dem Shared Re­a­dings, Ge­sprä­che mit Gäs­ten aus der Vor­arl­ber­ger Li­te­ra­tur­sze­ne, li­te­ra­ri­sche Pick­nick­kör­be zum Aus­lei­hen und ei­ne Poet­ry-Slam-Büh­ne so­wie lang­fris­tig an­ge­leg­te Pro­jek­te wie ein par­ti­zi­pa­ti­ves li­te­ra­ri­sches Ar­chiv der Träu­me. Ziel sei es, die ver­schie­de­nen Sta­di­en der li­te­ra­ri­schen Pro­duk­ti­on sicht­bar zu ma­chen und die Re­fle­xi­on dar­über zu för­dern, so Frau­ke Kühn.

Das Pro­gramm zur Er­öff­nung des Li­te­ra­tur­hau­ses Vor­arl­berg spie­gelt das am­bi­tio­nier­te, auf In­klu­si­on aus­ge­rich­te­te Vor­ha­ben nur be­dingt wi­der: Ne­ben zwei Ar­chi­tek­tur­füh­run­gen durch die denk­mal­ge­schütz­te Vil­la und den ob­li­ga­to­ri­schen Er­öff­nungs­re­den ge­hö­ren auch drei Kut­schen­fahr­ten zum Pro­gramm. Die­se un­ter­strei­chen zwar den herr­schaft­li­chen Stil der Vil­la, ste­hen je­doch mit Blick auf das Tier­wohl im Wi­der­spruch zu den sonst eher pro­gres­si­ven In­hal­ten des Li­te­ra­tur­hau­ses.

 

Er­öff­nung Li­te­ra­tur­haus Vor­arl­berg: 5. April, 
10 bis 18 Uhr, Vil­la Ro­sen­thal, Ho­hen­ems.
li­te­ra­tur.ist

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Badhuette rorschach

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