Am ersten Maisonntag circa Viertel vor elf wird sich in Trogen Ungewöhnliches ereignen. Von allen Seiten werden sich Akteurinnen und Akteure allen Alters und unterschiedlichster Herkunft auf den historischen Platz zubewegen.
Sie werden per Handy in allen möglichen Sprachen mit der Welt palavern, man wird es durch die imaginären und durch reale Kabel rauschen und sausen hören; sie werden den Platz und einander begutachten, aus dem Gewimmel werden sich Ordnungen bilden, Rudel und Strudel, Zugehörigkeiten und Ausschlüsse, es wird zum Stillstand kommen und schliesslich zum grossen Aufbruch mit musikalischen Ensembles aus diversen Stilrichtungen.
Paukenschläge, spielerisch
Das «Rauschen» ist der Abschluss eine Reihe von Aktionen, welche die evangelische Kirche Trogen zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation initiiert und zusammen mit der Choreographin Gisa Frank entwickelt hat. Zuerst gab es am Bettag 2016 einen Flugblattabwurf (Bild oben), dann ertönten am Reformationssonntag die «Paukenschläge für eine neue Zeit». Dem Finale jetzt geht ein Gottesdienst der Landeskirche voraus, mit katholischer Beteiligung notabene. Dann folgt das «Rauschen» auf dem Landsgemeindeplatz mit rund hundert Mitspielerinnen und Mitspielern.
rauschen.info ref-arai.ch
Für Gisa Frank steht die Lust und die Bereitschaft zum Spielen im Vordergrund – und das Interesse, «gesellschaftliche Themen in ein darstellendes gemeinsames Spiel umzusetzen». Dafür braucht es Mitspielerinnen und Mitspieler, insgesamt hundert – noch sind einige Plätze frei, wer sich dafür interessiert, beim «Rauschen» mitzutun, kann sich melden unter: rauschen.info. Voraussetzung ist Spiellust. Und Zeit: am 29. April für die Gesamtprobe sowie am 7. Mai für die Performance.
Visionen auf Postkarte
Zu den Aktionen des Reformations-Gedenkens gehörte auch das Sammeln und Formulieren von «neuen Thesen» oder Visionen, dies in Anlehnung an Luthers Thesenanschlag 1517 in Wittenberg, der die Initialzündung zur Reformation war. Diese Visionen sind nachzulesen auf rauschen.info und auf Postkarten. «In der Stille ist es hörbar.» – «Auf nicht nachlassende Differenzierung!» – «Lerne eine neue Sprache.» – «Wie kommt der Mensch in Form?»: Das Spektrum der Anregungen ist weit, manches ist umstürzend in seiner schlagenden Einfachheit wie dieser Satz: «Es sind nicht die Anderen.»
Am 7. Mai auf dem Dorfplatz von Trogen wird die Wahrheit dieses Satzes und vieles andere rauschend zu erleben sein. Der Anlass ist zugleich Auftakt für diverse Reformations-Aktivitäten der ev. Landeskirche beider Appenzell bis Dezember 2017.
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