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FCSG vs. Lugano 0:1 – St.Gallen unterliegt nach VAR-Penalty

Der FC St.Gallen kassiert gegen die Tessiner die erste Niederlage im neuen Jahr. Maric verwandelte einen Elfmeter, der nach einer Intervention des VAR gegeben wurde. Der SENF-Liveticker zum Nachlesen.
Von  SENF Kollektiv
Bild: SENF

FCSG – Lugano 0:1

17.51 Uhr – Das Spiel ist aus. St.Gallen verliert zuhause gegen Lugano mit 0:1. Die Niederlage ist nachvollziehbar. Auch die Leistung der Tickerer. Schliesslich dachten sie, dass sie heute um 16 Uhr in Genf antreten würden und nicht im St.Galler Stadion gegen Lugano.

Minute 90 + – Die Stabilo-orangen Luganesi erhöhen beinahe auf 2:0. Schaut so aus als ob unsere Tessiner Kollegen glücklich nach Hause reisen.

Minute 90 – Der FC St.Gallen drückt auf den Ausgleich. Mamma mia. Die Ostschweizer verlieren den Match vermutlich, dabei ist eigentlich während 90 Minuten nichts passiert.

Minute 87 – Die St.Galler versuchen zu reagieren. Ihre Flanke von der linken Seite fängt der Goalie der Gäste jedoch ab.

Minute 85 – Lugano geht mit 1:0 Führung.  Mijat Maric versenkt den Penalty ohne mit den Wimpern zu zucken.


Minute 83 – Die Tessiner auf der Tribüne wollen einen Elfmeter gesehen  haben. Eine willkommene Abwechslung. Der Schiri kontrolliert den Entscheid am Bildschirm. Der VAR kommt zum Einsatz. Penalty für Lugano!

Minute 81 – Die Partie der St.Galler gegen die Luganesi zeigt schonungslos die Vorteile der Pandemie auf. Anstatt 13´000 Fans nerven sich einfach zwei auf der Medientribünen ab dem gezeigten. Es ist ein Geschiebe, es ist kalt und wenn hier noch ein Tor fällt, dann ist der Zufall wohl dafür verantwortlich. Wir beneiden alle, die das Gekicke nicht im Stadion verfolgen müssen.


Minute 76 – Lugano ist halt auch ein Team, das ab Minute 30 Zeitspiel praktiziert und wenig Interesse daran hat, halbwegs attraktiven Fussball zu zeigen. Eigenschaften, die ich ja eigentlich mag.

Minute 72 – A.B. lässt sich aufdatieren. Beat Feuz hat heute erneut in Kitzbühel gewonnen. Das freut selbst österreichisch-italienische Doppelbürger. Gerade eben ist etwas auf dem Platz passiert: Traoré sieht gelb-rot. Die St.Galler bestreiten die letzten 18 Minuten mit einem Mann weniger.

Minute 67 – Lugano ist seltener am Ball. Doch wenn sie ihn haben, dann haben sie meistens Platz gegen aufgerückte St.Galler. Wie auch in dieser Situation: Sabbatini flankt und Stergiou klärt. Beinahe aber ein Eigentor.

Minute 64 – Werde mir heute Abend gutbürgerlich das Sportpanorama gönnen, wo vom „Kühlschrank in St.Gallen“ die Rede sein wird. Ich werde Beat Feuz abfeiern („irrsinnig“) und den Beitrag über eine unbedeutende Randsportart auch („verruckt“). Ich werde anschliessend ein Fondue essen und verteufeln, dass morgen Montag ist. Wie man das eben macht in diesem Land.

Minute 62 – „Huere Scheiss, mir schriebed eh nüt meh über Fuessball“, sagt A.B. Ich halte dagegen und bringe die Aufstellung:

Zigi – Traoré, Fazliji, Stergiou, Kräuchi – Ruiz, Quintilla, Guillemenot, Görtler – Youan, Duah.

Minute 61 – A.B hat langsam genug von Fussball. Auf dem Feld in St.Gallen geht nichts. Selbst die Tessiner fragen sich, ob heute die Packers gegen die Bucaneers von Tom Brady gewinnen. Keine Frage, das sportliche Highlight des Sonntags findet heute nicht im St.Galler Stadion statt.


Minute 54 – A.B. tut derweil seinen Wunsch kund, zeitnah mit Bier versorgt zur werden. Die umgehende Erkenntnis, dass dieses Ansinnen Wunsch bleiben wird, kommentiert er mit einem angewiderten „huere Schmutz“. Schliesslich meint er ungefragt: „I bi z alt für de Scheiss.“ Weitaus interessanter als das, was auf dem Rasen passiert.

Minute 52 – Ich mutmasse, dass Stergiou das Benjamin-Button-Syndrom hat und ihm 33-jährig wegen Nervösität Fehler im Aufbau unterlaufen. Doch jetzt ist er noch 18 Jahre alt und läuft, kocht und wackelt alles ab, was da angelaufen kommt und nicht grün-weiss trägt. Wünsche mir, dass er mich einmal zur Seite nimmt und sagt: „Es chunnt scho guet.“ Ich würde diesem erfahrenen Routinier glauben schenken.

Minute 50– Der Match wurde wieder aufgenommen. A.B hat zumindest einen Kafee und ein Sandwich ergattert. Die Teams machen in der Zwischenzeit immer noch keinen Eindruck, dass sie hier heute irgendwas ergattern möchten.

16.54 Uhr – A.B. ist zurück von seinem Toilettenbesuch. Er ladet aber nur kurz seinen Frust bei mir ab („Schiss-Match“, „huere Schmutz“) und verabschiedet sich dann wieder. Er wolle etwas Essbares suchen gehen. Zwei Minuten später höre ich ihn entfernt, wie er sich nach einer „Ess-Station“ erkundet.

16.52 Uhr – Trage zwei Paar Socken, lange Unterhosen, zwei T-Shirts, zwei Pullover, Winterjacke und Handschuhe. Eigentlich bin ich willens, den Mount Everest zu besteigen. Doch ich sitze in St.Gallen und befürchte, dass ich den heutigen Nachmittag nicht überstehe, ohne mir mindestens zwei Finger amputieren lassen zu müssen.

16.49 Uhr – Pause in St.Gallen. Die erste Halbzeit war ein Graus. Bier gab es auch keines. Letzteres wirds im zweiten Durchgang auch nicht geben. Wir hoffen auf besser Unterhaltung auf dem Feld. Die Kisscam fällt nämlich ebenfalls aus in der Pause.


Minute 40 – Die Tessiner Kollegen neben A.B geben unverfroren zu, dass sie sich ein 0:0 wünschen. Nachdem A.B sagt, dass er die letzten zwei Tickereinsätze ein 0:0 erlebt hat, gönnen sie dem FCSG zumindest ein 1:1. Flott.

Minute 33 – Eine Leserin liest unseren Ticker und sieht sich nebenbei das Bayern-Spiel gegen Schalke an. Angemessene Priorisierung. Den Senf-Liveticker geniesst man nämlich nicht nebenbei. Man setzt sich abends vor den Kamin, räuspert sich, schenkt sich teuren Rotwein ein und dann liest man den Liveticker. Man liest ihn wie den Feuilleton in der NZZ.

Minute 32 – Lavanchy liegt am Boden und A.B. findet: „Scheissegal, wenn de liidet. Schiss uf Fairplay.“ Das ist vertraute Böswilligkeit, die aber in der Stille des Stadions plötzlich auffällt. Ich spüre ein paar empörte Blicke, aber die sind mir im Grunde auch scheissegal.

Minute 30 – R.S. tritt einmal mehr als graue Eminenz in Erscheinung. Ist mit Titel und Lead unzufrieden. Für ein paar Minuten bricht Panik auf der Pressetribüne aus. Menschen rennen schreiend durcheinander, brechen in Tränen aus. Schliesslich gelingt es mir, Titel und Lead anzupassen.

Minute 23 – Der FCSG führt seine Eckbälle inzwischen wieder kurz aus. Kraft seiner Historie sind die ruhenden Bälle auch wieder ungefährlich. Bis jetzt. Fazliji geht am zweiten Pfosten vergessen und kann freistehend abziehen. Über das Tor.

Minute 22 – Wer wirklich daran glaubt, dass St.Gallen hier gewinnt: A.B war bisher diremal tickern. Immer gab es ein Unentschiedem. Die letzten beiden Partien endeten 0:0.


Minute 17 –Die Teams bieten bisher kaum etwas, dass es Wert wäre zu tickern. R.S. verabschiedet sich zum Glückbisi. Dabei gibt es hier nur Wasser und kein Bier.

Minute 11 – Erstmals bin ich mit einem R.S eingeteilt. Die Freude war gross. Mittlweile hat er Angst vor mir. Dabei hatte ich nur sieben Bier. Ich würde ja gerne etwas über das Spielgeschehen schreiben, aber bisher ist nich viel los.

Minute 7 – Ich sehe die beiden Trainer, Peter Zeidler und Maurizio Jacobacci. Ich sehe sie und sehe gleichzeitig mich. Die Frisur von Zeidler und den latenten Rechtfertigungszwang Jacobaccis.

Minute 4: A.B. hat sich über die Schreibweise der gegenwärtigen Uhrzeit beschwert, sie angepasst und vereinheitlich. Nachdem Lugano zu einer ersten Chance kam, sagt er überdies, das reiche nicht für einen Eintrag. Ich füge mich seinen Anweisungen mit der wohligen Mutmassung, heute Nachmittag nicht mehr als drei Einträge verfassen zu werden.

Minute 1: Der Ball rollt

15.57 Uhr – Ich höre die Autobahn hinter der Haupttribüne, das Heizgerät des „Kollegen“ von FM1Today. Und ich höre meinen Atem. Zwei Minuten vor Spielbeginn. Schlimm. Und mit dem Schatten kommt die Kälte.

15.52 Uhr  – Der „Vollprofi“ hat gerade auch das Gefühl, dass er kein Wasser brauche. Zum Glück hat der Halbprofi getankt. Natürlich hat er das aber nur getan, weil er erstmals mit einem R.S. tickern darf. Im Stadion herrscht angepannte Vorfreude. Richard Fischbacher verkündet die Startaufstellungen.


15.41 Uhr – „I goh schnell.“, sagte ich meiner Mutter an der Tür. Schnell. Als müsse ich nur kurz etwas erledigen. Einer Nebensächlichkeit nachgehen. Vielleicht ist der Fussball das inzwischen wirklich: eine Nebensächlichkeit. Und doch bin ich froh, dass er noch da ist. Es ist Sonntag und ich habe keinen Kater. Ich hatte viel zu lange keinen Kater mehr. Ich sehe mein Leben viel klarer. Ich weiss nicht, ob ich das gut finde. Deshalb: Fuessball, schön. Zwei Stunden ohne mich.

15.36 Uhr – A.B. und meine Wenigkeit, R.S., sind im Innenraum des Stadions angekommen. Wir sind, nun ja, in unterschiedlicher Verfassung. A.B. hat bereits gut zwei Liter Bier intus ist entsprechend guter Laune. Die anwesenden Journalisten lässt er lautstark wissen, dass er fliessend italienisch spreche. Mich nennt er derweil „Vollprofi“, was abenteuerlich ist, weil sich mein Tun auf ein Schweigen beschränkt, das irgendetwas zwischen Gleichgültigkeit und Fassungslosigkeit ist.

Das Spiel beginnt um 16 Uhr.
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