Der Goldene Schlagstock für übereifrige Polizisten, der Goldene Käfig für den miesesten Gästesektor und das Goldene Altpapier für hetzerischen Fussball-Journalismus: Diese Awards haben die Macher des Fussballmagazins Senf («S’isch Eigentli Nume Fuessball») am Donnerstag öffentlich verliehen.
Der Schlagstock als Vorzeigepreis ging an die Kantonspolizei Aargau. Diese habe sich «in besonders bedenklicher Weise beim Thema Sicherheit rund um Fussballspiele exponiert», wie die Senf-Macher zu den Nominationen schrieben. Gemeint ist damit, dass die Kapo Aargau im April den Gästeblock des Aarauer Brügglifelds anlässlich des Spiels FC Aarau – FC Zürich gesperrt hatte. Die Polizei begründete das mit einer «schwerwiegenden und erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit», die von den Fans ausgehe.
Anders sah dies an der Award-Verleihung der fussballaffine SP-Stadt- und Kantonsrat Etrit Hasler: Durch die Sperrung des Gästesektors seien «grundsätzliche Freiheiten ohne Not ausser Kraft gesetzt worden». In seiner zynisch-trockenen Laudatio teilte Hasler (im FC Winterthur-Trikot) aber auch Seitenhiebe an die Schweizer Fussballfans aus: Die Juden-Aktion von FCL-Fans sowie die provokative Reaktion der FCSG-Fans darauf (ein Banner mit der Aufschrift «Fussball macht Frei») seien nicht besonders intelligent gewesen.
Thomas Hansjakob, der Fussballfan
Die goldenen Awards – alle mit Liebe zum Detail angefertigt und auf einen Pflasterstein als Sockel montiert – verlieh das Senf-Kollektiv anlässlich der Lancierung der vierten Nummer ihres Fussballmagazins. Diese trägt den selbsterklärenden Titel Sicher isch sicher (Untertitel: Suchen, Erkennen, Niederknüppeln, Festnehmen).
Der Journalismus im Fussballmagazin ist aber nicht halb so polemisch wie es der (Unter-)Titel erwarten lässt. Die Meinungen zum Thema Sicherheit rund um den Fussball seien auf allen Seiten gemacht, schreiben die Senf-Macher im Editorial. Trotzdem wüssten wohl nur wenige, was im «Hooligan-Konkordat» wirklich steht, was ein Stadionverbot bedeutet oder wie es zu «immer schärferen Massnahmen» im Rahmen von Fussballspielen gekommen ist. Das Thema sei medial omnipräsent: «Wir haben genug darüber gelesen: Jetzt schreiben wir darüber, jetzt sprechen wir.»
Die Senf-Macher bleiben ihrer klugen Linie treu, die sie schon in der vorhergehenden Nummer zum Thema Geld eingeschlagen hatten: Das Thema wird von allen Seiten beleuchtet, inklusive einem Glossar mit Begriffen wie Pyro, Polizeigewahrsam und Rayonverbot.
Wenn in St.Gallen über Fussball und Sicherheit geredet wird, ist Thomas Hansjakob nicht weit: In einem mehrseitigen Interview fühlen die Senf-Macher dem Ersten Staatsanwalt auf den Zahn. Und der outet sich – während er natürlich seine harte Linie verteidigt – sogar als Fussballfan: «Die Stimmung im Stadion ist sehr gut. Der Fussball ist meistens auch relativ gut. Wenn ich schon an einem Sonntag an einen Match muss, dann nehme ich gleich meine Frau mit. Mittlerweile haben wir beide Spass daran.»
Nerdige Statistiken und «Blick»-Hetze
Im 86 Seiten starken Heft wird unter anderem auch die «Problemzone Gästesektor», «verkaufsfördernde Schlagzeilen» und – die unendliche Geschichte – Pyros diskutiert. Daneben kommen aber auch jene Leser auf ihre Kosten, die einfach über Fussball als Sport lesen wollen: Ein erfrischend offnes Interview mit Ex-FCSG-Haudegen Stéphane Besle. Ein Portrtä über den Nachwuchsspieler Nico Lüchinger. Eine kritische Besprechung der Rückrunde 2014/2015. Dazu kommen etwas nerdige, aber schön aufbereitete Statistiken rund um Gelbe und Rote Karten.
Nebst der Kapo Aargau bekamen bei der Heft-Taufe im Fanlokal auch weitere Exponenten des Fussball-Business ihr Fett ab: Das Goldene Altpapier ging an den «Blick» für dessen «langjährige Hetze gegen Fusballfans». Und der FCL bekam mit dem Goldenen Käfig die Auszeichnung für den schlechtesten Gästesektor: Lang sind die Wartezeiten vor dem Gästesektor, unfreundlich und ruppig das Sicherheitspersonal, schlecht die Sicht aufs Spielfeld. Und für all das drückt der Gästefan fast 30 Franken ab.
Zum Schluss verliehen die Fans der Award-Verleihung aber auch eine positive Note: Das Goldene Megafon ging an Thomas Gander, langjähriger Fan-Arbeiter des FC Basel und heute Präventions-Chef bei der Swiss Football League.
Titelbild: Der Goldene Schlagstock (links) ging an die Kapo Aargau, das Goldene Altpapier an den «Blick».
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