Norbert Näf
kurze und sympathische Rede
Gestern Abend mit dem Zügli wieder mal Richtung Süden gefahren, in Speicher raus und über Bendlehn und durch ein kleines Tobel nach Trogen spaziert. – Hauptsächlich der Strasse entlang, leider, aber auch interessant, was da für hässliche Häuser hingebaut werden, aber auch was für alte grosse Kästen da stehen. Trogen, berühmt für seine Paläste, gebaut mit Geld aus dem Handel mit Kolonialwaren, Textilien und Sklaven, aber auch berühmt für sein Pestalozzidorf und Konrad Hummlers Aufführung der Bachkantaten. In Trogen steht dann vor der evangelischen Kirche tatsächlich ein Anhänger mit dem Logo der Bachstiftung, ein Thema in der kommenden Ausgabe von«Saiten» im Bericht über Hummlers Hofstaat, aber nichthier. Jedenfalls liefen wir an der Kirche vorbei, gleich dahinter liegt das «Viertel». Die von der IG Lauter betriebene winzige Bar in einem Schlachthaus. Dort wurde die neue Ausgabe des Viertel-Hefts getauft und nebenbei noch schnell der Viertel-Verlag gegründet. Erwartet wurden von den Verlagsgründern Valentin Surber und Fabian Harb vermutlich weniger Leute, als dann gekommen sind, ganz sechs Stühle standen im oberen Stock des Hexenhäuschen, vorne ein abgeschabtes Pültchen, die beiden Verleger und Autoren dahinter hielten eine schampar kurze und sympathische Rede (erstes Bild). Rechts daneben auf einer Beige alter Matratzen und bunten Kissen sass der Gemeindepräsident von Heiden, Norbert Näf (zweites Bild). Der las im Rahmen der Verlagsgründung aus der Gemeindeverordnung vor, einer von ihm für diesen Abend aufgemotzten Version. Und dann drehten sie das Pültchen um, damit das Publikum reden kann, klappten, als niemand etwas sagte, den Deckel hoch, darunter das neue Heft: eine schön unprätentiös gestaltete Untersuchung Appenzellischer Gemeinden mit Porträts von Gemeindeangestellten, Grafiken und Umfragen, zum Beispiel nach den Hobbys von Beamten: Fussball (4x), Mountainbiklen (1x), Guggenmusik (1x), Familie (3x) etc., zuviel sei nicht verraten; das Heft kann hier bestellt werden: Klick.
PS: Esstipp: der garnierte Wurst-Käse-Salat im Hirschen gleich neben dem Viertel oder auch der Hirschensalat!
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.